jerusalem

noch im flughafen
frisch angekommen aus der bukowina
legst du deine flugreise ab
wie diese
vierzigjährige wüstengeschichte

im rucksack trägst du
nur noch das gesicht eines vaters
den du beim malen ertappt hast
und diese geschichten
von den kamelen und den marschrutkas
 und
den lehrerinnen 
die noch unterrichtet haben
als nichts mehr ging

dass du ein faltboot dabei hast
oder eine venezianische gondel
war lang dir entfallen

aber einmal
kniest du dann doch im boot
als dein eigener gondoliere
und durch den großen kanal
an san marco vorbei
fährst du ein in die stadt mit den goldenen kuppeln

in der hauptstraße
im geruch von staub und streit
bist du noch fremd
aber rechts und links
wo die balkone dir geschichten
 von tiflis erzählen
fällt einmal
als du dich umdrehst
ein schatten auf deine gebete

und sie kehren zurück aus der fremde

Ein Gedanke zu “jerusalem

  1. ein wunderschönes gedicht, das sprachlich und inhaltlich überzeugt. eine melodie von erinnerungen, die sich vermischen mit der gegenwart, in sie fließen und zu einem ganzen bild verschwimmen. sehr andächtig, und leichte und schwre halten sich gut die waage. die kulturen sind in balance.

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