Wallfahrt

Nach der Heiligsprechung
verziert man die grauen Flächen
klebt Glitzersteine & Blumen
& lässt das Horn wohlweislich frei
damit Glitter & Plastikpartikel
in den noch zu reißenden Wunden
nicht zu Eiterbildung führen
Die Masse wogt
& wird von einem geschmückten Nashorn
gegen die Bretterzäune gepresst

Tausende Hände recken sich
jeder will es jeder muss es
einmal in seinem Leben berühren
Flinke Augen rollen ans Ufer
der trägere Körper
schwimmt durch lauwarmen Fluten:
die hornigen Füße malmen
Zehen & Gelenk
& in heißer Verzweiflung
eine Handvoll Haut
gegen rohes Holz

Es treibt das Horn in das

Fleisch unseres Bäckers
der kann echt nix dafür
der einmal nur einmal
die schweren Rundungen tasten
& dann glücklich sterben will
Die Kurve fährt in ihn
Hebt ihn von den Füßen
Lässt ihn zerstört
& zertreten zurück
Wir sammeln ihn ein
& bahren ihn auf

Sein Leichenwagen zusammengekloppt:
klebrige Fichtenstämmchen & Stoff
Wir pflegen ein wenig an ihm herum
wohlwissend dass alles für die Katz ist
tauschen Blicke & Geraune
& sind bass erstaunt
als er die Beine vors Bett schwingt
& Schlager pfeifend die Bühne verlässt
um als erste Tat seine Frau zu enterben
& weiterzuleben
mit durchstochenem Leib
& fremdem Atem

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