„Exploxionslicht durchschimmert die Brust“ *

Für Isabella

Und ich denke dran, wie schön du immer warst. Eine Prinzessin, Krankenschwester, kleine Schwester auf der F(a)ehre 6 ins Nirgendwo. Oder halt ins Kaffee Burger, also ins Nirgendwo. An den Theken dieser Stadt, wo du erzählst, und immer ohne Punkt, denn am Ende geht deine Stimme hoch in Sätzen wie Raupen, die sich dem Himmel entgegenstrecken. Gefühlte Geschichten.

… Wie also der reiche Mann auf Ibiza das Geld in großen Scheinen bündelweise aus dem Hotelfenster wirft, und die Mädchen beim Fotografen im Whirlpool sitzen, und der zweibeinige Tisch vom Trödel auf deinem Teppich aufsetzt, und jemand vergiftet wird, und jemand sein Studium über Bord schmeißt, und jemand von einem Hochhaus springt und von einem Modellflugzeug aufgefangen wird …

Und es war nie klar, ob all diese Dinge wirklich passiert sind, oder ob du sie in deinen gesungenen Sätzen hast passieren lassen, und es war mir nie klar, ob das relevant ist. Wo der Unterschied liegt.

 

* Die Titelzeile stammt aus dem Gedicht „Weltende“ von Isabella Vogel

Schlittenfahrt

keine Blutstropfen
vor den sieben Bergen im Schnee
und kein Schneewittchen
und Gawein nicht mit dem Mantel

mühselig und beladen
zieht einer den Schlitten ins Unendliche.

wir aber sind anders gezüchtigt
und anders geliebt

wie wir so dasitzen
auf dem Schlitten
auf unserem Lammfellchen
in unserem Wollmäntelchen

zuhause
auf der kleinen Erde
warten unsere Messerchen
und Becherchen
dampfend mit weißer Milch der Frühe
und wenn wir älter sind
gefüllt mit rotem Wein

Aber wir glauben
an eine Fahrt ohne Wiederkehr
weil wir vor seinen Füßen
nicht still sitzen können.