gesang eins

auf einmal wurde die landschaft hügelig
buckelwale duckten ihre rücken hinter das gras
alle halme bewegten sich im gleichklang
die musik musste von fern kommen
hinter dem gebirge wechselte der himmel seine farben
Sirin sang
von der küstenebene drang kriegsgeschrei
die wale verharrten
das abendlicht verlieh ihren körpern
das aussehen von gebranntem ton
selbst der himmel erinnerte an irdenes
steinzeug
ich lief schneller
auf einmal ein schnauben und toben
die buckelwale richteten sich auf
flohen hinaus in die dunkelheit der nahenden nacht
Sirin sang weiter
das kriegsgeschrei näherte sich
entfernte sich wieder
und verstummte im letzten ton des lieds

dann hörte ich nur noch deinen atem

déjà lu (vierter gesang)

vergessen sind die schwierigkeiten beim häuserbauen
erinnerte sich niemand mehr an manigs auftritt
oder die zeiten in denen wir maulwürfe sammelten
eine lieblose legende besagte
dass der klavierstimmer herr holle blockflöte spielen lernte
war eine entwaffnende tatsache
hatten wir einen liebesversuch
was kilroy here
ohne sorge

war die stadt elektrisch
waren ihre bewohner elektrisiert
hielten fernzüge plötzlich in den vororten
und auf den wiesen am fluss
schwebten stimmen über das wasser

war der himmel gespannt wie ein bogen
belagerten freier das haus
kehrte der held zurück
wurde der tote held geschleift
im schweinetal legte sich schicht auf schicht ein reimschema

wanderte der wald
nachdem glamis den schlaf gemordet hatte
du schwiegst und lasest
von lippen die nie geküsst hatten
wünsche

ausgeschweiftes leben in einem goldenen schuh

anderland 15

sonettes unverstand

hallo, ihr leser, ich bin ein sonett.
mein dichter sagt, ich sei die „seine“ form
und damit sei „seit damals“, was ihn rett’t
ins hinten – ehedem – statt in das vorn.

allein, was ich gesagt, sich nicht erschließt
beim lesen meiner verse ins gehör.
dahin hinaus mein alzgeheimnis schießt
und reimt, doch schwört darauf nicht, dass ich schwör’.

ich bin also ein bisschen immer lüge
im vorerst unverstand’nen einverstand.
ich breite dennoch meiner federn flügel,

auf dass mein dichter mich noch einmal lese
und korrigierte meiner küsten land
auf seiner karte, über der er schwebte.



anderland 14