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Herbert Hindringer - 3. Februar 2012 3:28 Uhr

Hamburg-Mitte


heliane

Das Wunder der Heliane

Kommentar (5.2.12 21:11) lesen

 

Sissy de Leu - 31. Januar 2012 7:27 Uhr

WSV

Die meisten Träume enden
oder beginnen mit dem Winterschlussverkauf
Selbst dieser, in dem es gar nicht um mehr ging
als darum, dass wir diesmal Eintritt
zahlen sollten. 20 Euro pro Person
Was uns zuviel war. Wir machten kehrt
& ich verlor meine Mutter im Gewühl
Hatte aber ein scharfes kleines Messer dabei
Mit dem bestieg ich die Bimmelbahn
Neben mir ein besorgter Vater
der mich für eine Attentäterin hielt

Wir fuhren durch luftige grüne Felder
& ich erzählte, dass ich früher wohl auch
Angst um meine Kinder hatte
aber seit sie fast erwachsen seien
könnten sie auf sich selbst aufpassen
Alles natürlich komplett gelogen
Ich wollte diesem armen Kerl
bloß die Furcht vor einer Bluttat nehmen
Um ihn zu beruhigen zeigte ich ihm
den Inhalt meiner Schultertasche:

Das Hundehalsband aus Stahl das ich
viele Jahre am Fußknöchel getragen hatte
Silberschmuck und eine wie ein Golfschläger
geformte Krawattennadel, die ich ihm schenkte
Bei alldem trug ich eine dieser Plastikbrillen
in die der Augenarzt Probelinsen einsetzt
& ich erzählte ihm, wie meine Schwester
vor vielen Jahren eine kranke Eule gefunden hatte
Sie nahm sie bei sich auf
& bastelte Anflugschneisen & Landeäste
in die vergilbten Zimmerecken
Die blöde Eule flog herum
& krachte regelmäßig gegen die Wand

Schließlich mietete ich mir ein Zimmer
in der WG meines Stiefsohns
Er dinnierte mit schönen Frauen
während ich mir mein Zimmer ansah:
zwei übergroße Bäder
eins davon barrierefrei
allerdings etwas mitgenommen
von dem vorherigen Patienten
Blut & Eiter am Wannenrand
ein versenkbarer Badesee
mit Sandstrand & Wannenlift
mitten in Bochum

Also ließ ich ein Bad ein
& bevor ich auch nur
die Wassertemperatur prüfen konnte
beganne eine wilde ESE-Party
mit mir mittendrin
man plantschte im Bikini herum
ich allein zog meine Bahnen
in einem orangeroten Schlafanzug
Der Heimweg durch die engen Straßen
einer französischen Hafenstadt
verlief nur deswegen zögerlich
weil ich das Fenster öffnen
& Jamie Lee Curtis zum Abschied
auf den Mund küssen musste

Jack-Wolfskin-Jacken im Partnerlook

Kommentar (4.2.12 6:36) lesen

 

Lars-Arvid Brischke - 28. Januar 2012 22:39 Uhr

davos passiert

hinter vergitterten kehrichtkübeln
hats noch weltwirtschaftsgipfeli
samt terroristen

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Sophia Doms - 27. Januar 2012 9:35 Uhr

Guckkastenstuben

An die Wand gemalt: der Sonnenuntergang
hineinprojiziert: Ich als Liliputaner
unbescholten eingewandert: der Finger
akribisch aufgeklebt: Blumentapete, schwarzglänzend.
Filzstiftgetränkt: Das dunkle Empire.

Es war einmal der Mensch
und er erfand: erst das Rad und dann die Guillotine.

Alles selbst aus dem Ei gepellt,
der Tisch: auf dünnsten Beinchen
die Stühle: fallen schon durch ein Fliegengewicht
das Bett: bedeckt mit Spitzen aus Taschentuch
das Fenster: führt direkt zur Welt
An der Decke, unter dem Lampenschirm
pendelt das Damoklesschwert.

Es war einmal der Mensch
und er erfand: erst das Rad und dann die Guillotine.

Alle Puppenkinder: nebenan in den Schrank gesperrt,
der nach billigem Holz riecht,
erst übers Knie,
dann auf die Bretter gelegt,
neben die Maggi-Flasche, die nie leer wird.

Es war einmal der Mensch
und er erfand: erst das Rad und dann die Guillotine.

Kommentar (31.1.12 8:09) lesen

 

Nelia Dorscheid - 25. Januar 2012 14:31 Uhr

agrippa

ich ging ohne sinn,
eine kehre im licht,

im traume sah ich meine stunde,
die flog über eines kuckucks nest

und ich riet dem säuger,
nicht zu schwer
am taue zu tragen

und ich versetze meinen namen,

auf ein wort

+

errate die willkür,
sie verschmerzt den raum.

sie werden die wälder erziehen,
der lichtungen fels.

ich werde besorgen, dann, wenn die nacht die dächer stielt,
der hausfreund die dunkle schwelle malt.

die lerche ihren innersten tone nicht trifft.

Kommentar (30.1.12 12:55) lesen

 

Florian Voß - 23. Januar 2012 1:12 Uhr

2


abstrakt paint 3

Kommentar (30.1.12 12:18) lesen

 

Jörg Meyer - 20. Januar 2012 0:54 Uhr

kannsein

"you keep pushing pushing" (charles bukowski)

dass das dasein allenfalls ein kannsein,
möglichkeit statt faktotum wäre,
sagt jedes gedicht
irgendwo.

selbst wenn es hochtönt, die
hallelujahs feiert, zeigt es,
wenn es gut ist, auch seinen
abraum,

den müll, das klo, die gosse, in der es
embryonte, fötus der silbe
zur wortausgeburt wurde, wuchs
sich aus zum vers



und der strophe, die schon
dasteht wie immer dies' große
empire der dichtung, ja,
weltentwurf!

das gedicht ist stadt, land, fluss,
das alte spiel, und der entwurf,
der seinen auswurfscharakter,
das husten, den schleim, zähen,

nicht verbirgt, zeigt!
ein ausatemstöhnen
über den dämpfen der liquorgläser,
dem rausch der kippe

zwischen den lippen:
hat man ihn da, während beide hände
am glas tippnippen, flüssigflüstert man unver-
ständlich stehend dazwischen.

und was du siehst, dichter,
was du hörst, was du fühlst auf der haut,
dem kannst du nicht entrinnen:
es kann sein, you quittest this job.

video zum poem
Matt Dillon als Henry Chinaski in der Schluss-Sequenz aus Bent Hamers "Factotum"

meine superhelden

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Florian Voß - 18. Januar 2012 10:24 Uhr

From Windows Paint 1


abstrakt paint 1

Kommentar (30.1.12 13:24) lesen

 

Markus Hallinger - 17. Januar 2012 14:28 Uhr

Otto fuhr rad an jedem tag
rauchte zigarre und krempelte
die ärmel hoch bis seine arme
das ganze dorf umspannten
sich nimmer müde machten keinen
dreck scherten nur die schafe
zu denen er hinausradelte
kannte er allesamt mit namen.
keine analphabeten waren die
waren wahrlich keine die
kannten ihre namen
und waren keine alphatiere.

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Max Czollek - 16. Januar 2012 15:43 Uhr

ich besitze taschen
gefüllt mit knöpfen
von menschen die
treffe ich zu selten

finger denen sieht
man an sie haben
bonbons gesucht
in fremden ohren

zimmerpflanzen
die so aussehen
wie ich niemals
werden wollte

Kommentar (30.1.12 13:37) lesen

 

Sophia Doms - 16. Januar 2012 8:54 Uhr

Gesunder Arbeitsplatz 2060

Der Jugendstil-Pavillon der abgeschafften Ferien
im Parkgelände des Märchenhains
(heute Elite-Forschungseinheit, 60. Förderphase):
Man sitzt an rauchfreien Großraumschreibtischen
und lässt in der Hängeregistratur fröhlich die Akten baumeln.
Im Dachgeschoss
klimpern die Gläser
der alkoholfreien Cocktailbar,
ihr lautloser Aufzug
angetrieben von Muskelkraft
einer präventiven Arbeitsfitnessbude.
Kostenlose Durstlöscher -
rote, gelbe, grüne, blaue -
nach jeder täglichen Blutabnahme.
Auf dem Schaubauernhof nebenan
vollbringen die Schweine
Aufwühlendes für die Kleinsten.
Durch das Glasfaserfenster
hat ihnen alle dreißig Minuten
die fleißige Mutter aufmunternd zuzulächeln.
Der frühberufene Vater bindet sich stolz
die eisgekühlte Nabelschnur um den Hals
Pflichtstammzellen
für jedes Neugeborene
serienmäßig.

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Julia Trompeter - 13. Januar 2012 23:27 Uhr

Geschichte der Hirundinidae

XII: Eine Boing landet Not

Im Herbst wandern Vögel
in unentwegtem Mimikflattern
bei Hyperkinese der Lider kann
aus Federn lesen nur der Vogelscanner:
Die Eins kurz nach Neustart um-
formatiert - Schnäbel und Federn, fiebrig
auf Seite dreihundert beginnt es

O

Von vorn, der Vogelschlag-
Anfall im Triebwerk
Hindernisse überallhin,
die Propeller der Windgeneratoren
vom Buch schweift der Blick gen Himmel
rohe Gänse und kopflose Schwalben
aufgescheucht vom Ausstieg
regnet es Fauna, Teilchen von Teilen

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Florian Voß - 8. Januar 2012 2:48 Uhr

Fruchtwasser

Ich habe Schrauben in den Himmel gesteckt
und die Rabenmuttern fest gedreht
Und die Himmel waren warm und wolkig
ein weicher Schoß von meiner frühen Mutter
die lang und friedlich dämmerte

Das Wetter meiner Kindheit war aus
dünnen Fäden, gehäkelt in die graue Kammer
einer Kleinstadt am Ende meiner Arme
Und nichts war hinter allen Flügelfenstern
die sich nach außen wölbten in den Tag

Ich lag im Schoß von meiner Mutter
und ihr Pullover war so warm wie Schlaf
Die Augen meines Ichs waren müde
und alle Zeit war ausgesprochen fraglos
und warm wie Schlaf war ich

Ich habe Schrauben in die Welt gesteckt
und die warme Erde aufgedeckt
Die Himmel waren blau und gütig
Das Fenster in der Mutter-Kammer
war leicht bedeckt mit Atem-Wasser

Kommentar (30.1.12 12:28) lesen

 

Lars-Arvid Brischke - 6. Januar 2012 0:03 Uhr

januar

ich schlief zusammen-
gefaltet bei den ausgestopften vögeln
am morgen fand ich mich vorm rohr
kolben eines altflandrischen malers farbrest
der aus allen wolken quoll
der bodensee war zugefroren & ich sah
den grund drei meter unter meinen füßen

& konstanz lag zum greifen nah die kinder
gekleidet als propheten trugen transparente
sterne über allen hauseingängen
dreikönigsformeln & parolen an den wänden:
hus verbrannt +++ drewermann verbannt +++ ossis raus!
& in den fenstern fackelten die kerzen

nicht mehr lange friedefürst
war nicht in sicht in ratsherrenhof & konzil
dachte man sich vage erklärungen aus
ratloskeit pflanzte ich schließlich
einen apfel zwischen prächtigen bäumen

als der alltag aufs neue begann
in den garagen
reinigte man autos mit dampf
& rieb sie ein mit wachs
dass ihr lack wieder
ewig glänzte.

20*c+m+b+12

Kommentar (6.1.12 11:04) lesen

 

Sophia Doms - 2. Januar 2012 16:26 Uhr

Rumpelstilzchen 2012

Das Stroh der Felder liegt auf fettem Boden und das Gold - zweimal täglich gefixt - ist zum Greifen nah, wenn ich nur die Hand ausstrecke gegen die Erde, gegen die Leihmutter, die Samenspende, die Milchseen auf dem Grunde der Supermarkt-Tiefgaragen. Und morgen bringe ich das Kind mit der Niere zum Netzhäuter und nenne es Leon, es Lia, es Marie und Sophie, Jakob, Luka, Jonas. Und wenn ich spinne und wenn ich das Stroh spinne, das Gold spinne, das Platin und das Silber spinne vor meinem Panzerschrank mit den seltenen Erden an der Straße von Hormus, dann lacht es, dann kracht es, dann begrüßen sie das neue Jahr zuletzt auch in Hawaii.

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Birgit Kreipe - 30. Dezember 2011 15:43 Uhr

aschenputtel


was für eine wunderbare farbe ist grau.

dein taubenschlag. die köpfe der alten am friedhof.

die wolken. gepuderte perücken

segeln sie den himmel herunter zum schloss.

grau ist dein mieder, bestickt mit altem laub

und alle schmetterlinge, alle ziervögel: wohnen im süden.



grau ist dein kittel aus schmach, die wangen

mit der asche des scheiterns beschmiert.

die sternbilder sind rot vor zorn

den bäumen sträuben sich die zweige

aber deine armee wären tauben

kleine nebelfetzen, die sich vom himmel lösen.


gurrende lawine, stürzen sie herab

treue flügel der heimat, stoßen sie

aus den wütenden nordlichtern durch das fenster

picken für dich die schlechten körner weg.

reißen die bestehende ordnung um.


in der kunst des linsenlesens bewandert

erkennst du ihre grauen gedanken:

am ende picken sie endlich

allen anderen die augen heraus.

die blinden schwestern mit den stimmen aus eis

suchen vergeblich.


auf den gräbern blühen die silbernen schuhe

und die richtigen worte zum tanz.

die kutsche aus nebel wartet schon.

auf dich. nur auf dich, ruft der prinz

mit deinem zwergenschuh, mit deinem mondlichtkleid.

mit deinem phoenix-kopfputz.

Kommentar (3.1.12 11:11) lesen

 

Sissy de Leu - 30. Dezember 2011 8:30 Uhr

Schlafmaschine

Er: Wissenschaftler, Mathematiker
mit Hang zu Denkexzessen
Sie: Ärztin mit einem IQ von 170
die vielleicht klügsten
Köpfe des Landes
& bekommen Zwillinge
Zwei Kinder haben sie schon
alles ist richtig
bis ihn in der Weihnachtsnacht
ein Knacken aus dem sedierten Schlaf hebt
& er sich verkabelt findet

Er springt aus dem Bett
& reißt auch ihr die Elektroden
von Kopf & Gliedern
Additive Polygenie
gepaart mit einigem Größenwahn:
das Projekt eines Irren
der - in utero -
die Föten impfen will
mit extrahiertem Erbgut
von Musikern Massenmördern
& berühmten Detektiven

Sie versuchen ihre Kinder zu retten
stellen sich schlafend
& müssen erleben
wie nachts unter der Folie
friedlichen Aus- & Einatmens
das Haus sich wandelt zum Labor
Assistenten Doktoren Laboranten
mit Denkmaschinen in der Hand
Kladden Akten Spritzbesteck
die Lider schwer unter der Datenflut

Sie halten still & stellen fest
dass die Kinder bei genauerem Hinsehen
gar nicht ihre Kinder sind
zwei gut erzogene Puppen aus Fleisch
mit einem Prozessor als Gehirn
& die Liebe erlischt
als ob man einen Stecker zög
Eines Abends bevor der erste Kittel
das Haus betritt & die Schlafmaschine
ihre Arbeit aufnimmt
kann er sie zur Flucht bewegen

Sie hangeln sich an der Hauswand hinab
& arrangieren ein Treffen mit ihren Bewachern
in einem nahegelegenen Schwimmbad
Sie zwingen das Dutzend Grübler
in eine schmale Herrentoilette
die fluten sie mit flauem Wasser
3 Minuten & die Sache ist geritzt
- im Radio des Bademeisters
plantscht derweil Tschaikowsky -
In den Tiefen des Uterus
reicht man sich die winzigen Hände
eine kleine Ruhe macht sich breit

Kommentar (4.1.12 8:35) lesen

 

Markus Hallinger - 27. Dezember 2011 7:34 Uhr

Mordweihnacht

Ein Bild wie gemalt. Ein Denkmal
auf einem Sockel, wo man sich wünscht
zu den Anfängen, Dreschflegel und Mistgabel,
rotzige Fahnen, und Weihnachten beginnt
mit einem Trompeten und Maschkera,
dass es nur so raucht, kommen die Fans
vom Berg herunter, aus dem Werdenfelserland
grausame Bauern, grausame Gang
Larvengesichter, Apothekergesichter, Anwaltsgesichter,
Lehrergesichter, Ärztegesichter
und geben sich den Drall, sieben Schuss Böller
und aus jedem Haus schießt ein Depp
der Ehre wegen, wegen der Toten,
und der Pfarrer glaubt den Marketenderinnen
(die in Wirklichkeit Pornodarstellerinnen sind)
und segnet die Waffen.

Brauchtum

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Lars-Arvid Brischke - 26. Dezember 2011 13:02 Uhr


herrscher des himmels

herrscher des himmels, erhöre das lallen

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Florian Voß - 26. Dezember 2011 2:24 Uhr

N U T T E N

Dichter sind Nutten, zu alt, um noch bezahlt zu werden.

Bald ein BLOG von mir

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Sophia Doms - 22. Dezember 2011 9:32 Uhr

der Wind umfasst mit beiden Armen die Straße
und die Taille
dünn wie vor dem Gericht Gottes
steht sie auf dem Pflaster
nackt bis aufs Blut
nackt bis auf die Knochen
nackt bis auf die Lungenbläschen
aus denen knisternd noch der letzte Atemzug entweicht
längst schon präsentiert man sie
abgesaugt
aus der Erdatmosphäre wie aus einem Mutterleib
um den Finger gewickelt
um das Taschentuch gewickelt
und auf einem Tablett
aus Schaumstoff
geh
geh keinen Schritt weiter
bis deine Zeit gekommen ist
bis der Pfauenschweif
der blitzweißen Weihnachtsbeleuchtung
endgültig erlischt

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Max Czollek - 18. Dezember 2011 13:25 Uhr

dezember

geschlossene wunden
vor dem bücherregal

eine stille sympathie
für zerquetschte bibeltiere

im auto sterben menschen
eine art wettervorhersage

ihre leuchtenden gefäße
frühe silvesterraketen

Kommentar (22.12.11 11:46) lesen

 

Nelia Dorscheid - 16. Dezember 2011 18:38 Uhr

kürzel

kein geringeres, das aufschließende ich

die sonne verjüngt im aug

und der himmel
streicht aus im tau

silbern läutere ich meinen namen,

silbern.

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Ruth Johanna Benrath - 16. Dezember 2011 16:21 Uhr

SCHWIMMEN GEHEN MIT DEM VATER

Er kann alles
beziehungsweise
er kann
ne ganze Menge
a magic man,
sein Kopf bleibt über Wasser
wenn er schwimmt.

Er ist der Lehrer
zeigt dem Mädchen, dass die
Ampel rot ist, wie lange sie
rot ist, warum sie rot ist
sie wartet,
dass der Vater den Kopf hebt
wenn er aus Übermut
doch mal unter Wasser taucht
sie bewacht seine Atmung
seine Brust, entdeckt dort weißes
Haar, da schaut sie lieber
nicht so genau hin.
Er schwimmt auf dem Rücken
bewegt seine Zehen,
telefoniert barfuß, heiße
Füße, Denkvermögen.

Er erklärt ihr, wann
sie über die Straße gehen darf.
Das gefällt ihr
nicht immer.

Heute habe ich ein neues Wort
von ihm gelernt: denkscharf .
Die Welt betrachtend, macht er sich
Lesezeichen, entziffert Inschriften
unauffindbar, aus der Vulgata.
Er ist ein Sucher, ein Laser,
er braucht nur 10 Minuten beim Friseur.

G.A.B zum Achtzigsten

Kommentar (20.12.11 20:09) lesen

 

Florian Voß - 15. Dezember 2011 2:21 Uhr

Sandalen für die Vandalen 4

Hier schlendern die Friedencorps der Tauben
am Hintergrund des Marinestützpunktes vorbei
in dem gewalttätige Puppen träumen
von zerstochenen Knopfaugen und blutigem Kapok
Wir leben schon so lange im Frieden, bald können
selbst die Greise sich nicht mehr an den Krieg erinnern

Schwach sind sie alle durch das Interregnum und die Sonne
Der Fremde hätte heute nur noch eine kleine Wasser-Pumpgun
Auf den Packungen der gesunden Friedenszigaretten
sind Memento-Mori-Zitate abgebildet, schlecht zitiert

Eine Frau mit einer Schönheitsmaske wird begleitet
von dem Schädel eines Steinzeitmenschens
der aber wohl die Frau darstellen soll
nach viel zu vielen parfümierten Zigaretten

Hätte man gedacht, dass solch´gedankenvolle
Kunst heut auf Zigarettenpäckchen abgebildet ist?
Darunter steht in fetten Lettern "Fumar mata"
Rauchen macht dich zu des Teufels Mütterchen
Ich rieche, rieche Menschenblut

,,,

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Sophia Doms - 11. Dezember 2011 9:10 Uhr

Westfrankenbahn

Landschaft der zwei Geschwindigkeiten -
läuft mit ohne mitzulaufen.
Mit dem nächsten Schnaps
tanzt sie keinen Walzer mehr,
sondern schon Tango.
Und zum Kehraus dann Spitzentanz
schwebend im Aschenputtelschuh
auf leichten Taubenfedern.
Jedes Los eine Prinzessin
mit einer Bastschnur am Nasenring
oder ein bunt gemalter Buchstabe
mit warmem Händedruck vom Nikolaus.
Warum haben sie bloß schon wieder
frische Birkenstämme in die Vase gestellt?
Das Fachwerkschachbrett
mit seinen gebogenen Zielkoordinaten
weiß schon vor dem Geschoss
um die Flugparabel.

Kommentar (22.12.11 9:23) lesen

 

Markus Hallinger - 10. Dezember 2011 13:18 Uhr

Brav in Frankfurt

Am Römer in Zeiten von web.2
geballt in Alben und Casinos lungert man
verschwört, und rottet sich zusammen
kommt nur zur Party raus, die harmlos läuft.

Big Bang - was jeder spürt, wir sind verloren
gelutscht, doch kleben wir
wie ein Bonbon an dem Papier
worauf Werthers Echte steht,

und wissen von den Karamellfabriken
und dass die Zuckerrübenaktien steigen.

krise

Kommentar (12.12.11 7:30) lesen

 

Markus Hallinger - 7. Dezember 2011 18:05 Uhr

Winterschlaf im Forst

Die laubbaumkrone
atmet mit hellgrauer haut
armdicke äste
stämme im oberschenkelformat.

Wovon koalabären träumen.
Oben in den bäumen
brennen buschfeuer
fehlt schnee.

erster Zuckerschnee

Kommentar (8.12.11 0:46) lesen