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Markus Stegmann - 25. März 2015 21:42 Uhr

Aare, sagst du?

Räder unsere Hände Farn
deine filigranen Schalen schlendern
näher am Schlamm
pflegst du dein Morgentier verrat ich
nicht welches befestigen wir
Schaum die schlafenden
Nester ums Klavier gewundene kehlige
Korallen Schwimmhäute sagst du
treibendes Holz bevor deine Lungen
meine zünden bevor dein Display
durchs Wasser zieht erschöpfte
Sicht durch mein Gesicht
glasieren wir unser Gedächtnis
drüber kniet ein Sohn verkaufter
Kanal südlicher drängt das
prekäre Riff zerreibt im Rückwärtsgang
unser Wohnwagen den gleichen Gedanken
wund wer bist du auseinander zu fallen
in eins nachts verlängerte Lungen
vertreibst du die Partitur Afrika
wo ich längst strandete im
stornierten Schilf vor Madagaskar
dehnen sich deine Radspuren endlos
grüne Lunge an den Horizont aus
Holzkohle gedehnte Halluzination
markiertes Gelände glimmt ein grauer
Morgen sagst du gehn wir an die
Aare gehn wir




Für dich S.

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Markus Stegmann - 24. März 2015 22:42 Uhr

Lampedusa

Auf der Strasse nach Lampedusa
Kliff grade Kante konjugierte
Garnele knapp buchstabierter
Kuss komm schon deine Lunge
Locken wenden wir weder unseren
Wohnwagen noch unseren
mattweissen R5 Alpine den
steuern wir gradaus ins Treibholz
liegen längst auf Grund
Richtung Riff nur deine Locken
Lungen wenn wir in den Regen gehn
Richtung Afrika Amerika
schwächere Dünung
je näher wir gegen das Riff
denkst du dieses Mal
weiss nicht
was aber wird
aus uns wenn nicht
mal das Meer
uns hält

Für S.S.

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Sissy de Leu - 20. März 2015 6:45 Uhr

Finster hier

Aus Gründen der Sicherheit
& wegen diverser Unwägbarkeiten
die das Stromnetz betreffen
sowie aus allgemeinem Überdruss
hat man die Sonnenfinsternis
um eine Woche verschoben

Man beauftragte Firma
Pickhan aus Geisweid
(die schon für Richard Serras
Wundersames walzten)
mit einem immensen
Edelstahlrad

In den Schulen des
Siegerlandes liefen
Projektwochen zum Thema
& man kam zu dem Schluss
dass ein ordentliches Gerüst
auf alle Fälle reichen würde
An wenig Sonne sei
man hier ja gewöhnt

Unsicher blieb zunächst
wie man die Kinder
samt Gerüstaufbau
hinter die Sonnenkugel
expedieren würde
Das war vielleicht der
erste Denkfehler

Der große Tag kam,
samt Fernsehen
& dem Bürgermeister
In luftiger Höhe
auf dem Gerüst
balancierten im Blitzlichtgewitter
tausend aufgeregte Kinder
die Mondmetallscheibe

& es wäre wirklich
zu schaffen gewesen
trotz der Selfies & Neckereien
Alles war exakt berechnet
& akribisch austariert
wenn es um kurz vor elf
von Buschhütten aus kommend
nicht leicht zu nieseln
begonnen hätte

Aus gegebenem Anlass

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Herbert Hindringer - 19. März 2015 8:17 Uhr

Mein Leben als Updikeleser


Ich habe schon in viele Lüfte hineingeatmet

ich schob die Möbel
in andere Positionen

damit sie in diese Bücher hineinpassten, damit
ich die Wege abgehen konnte, das Holz ächzte

damit sie morgens Notiz davon
nähmen, dachte ich mir und mir

helfen würden beim eigenen Leben

da ich vergessen war von meiner Vollzeitkraft

ein Lesender unter den Toten

die mir Nachrufe schickten, mich nicht kannten
aber sich vorstellten als Zeugen meiner anderen

Zeit, heimlich dachten, ich hätte keine, um mehr zu lesen
als da stand und dann war einer John Updike und schrieb

bis die oberblaue Luft stehen
blieb und dieser Himmel war

aus Schränken nicht mehr wegzudenken, da standen

dunkle Gärten unter leeren Bäumen

und führten weiter als das Staunen reichte


Zum Geburtstag am 18.3.2015

Kommentar (19.3.15 18:38) lesen

 

Markus Stegmann - 7. März 2015 23:18 Uhr

Im Kehrlicht

Im Kehrlicht Terpentin der Folien
gefalteter Tiere transparentes
Gesicht im Gegenlicht hängt
ein Tag am Mund mir manchmal
schwerer als Blaubart Barkassen
blüht ein Donauwald bei
Mondaufgang schimmert Kerzenwachs
als Fortsetzung der Fallen bei
Tag Trichter mein tapeziertes
Herz hilft nicht nur nachmittags
gegen vier blutet der Apfelbaum

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Markus Stegmann - 2. März 2015 23:02 Uhr

Lampenschirm

Der Ort der Stimme
ist unbekannt verzogen
Zeile für Zeile schwirren
Libellen um Lamellen
präventiver Pilze in einem
Wohnraum aus Lampenschirm
Stoffkörper und deiner
anwesenden Abwesenheit
bin ich vielleicht
unbemerkt bei dir

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Werner Weimar-Mazur - 24. Februar 2015 10:48 Uhr

Berlin - Warszawa

metallisch liegt die stadt im mittag
im café vor dem löwentor
hocken ein paar bei branntwein
dichter aus dem altai
faseln verse in einer nomadensprache

götter klauben starkstrom
aus den überlandleitungen
das entfesselte atom schwimmt
im kühlwasser unter einer betonkuppel

deine antwort unter dem briefbeschwerer
die nacht ist ein raubtier
haut reißt auf wie erdkruste

ich gehe durch die straßen
ein kalter wind wirft schatten an die fassaden

beim bahndamm bleibe ich stehen und lache laut los

grau sind die reiter geworden die pferde alt
aus den mauern bröckelt putz
das publikum klatscht beifall
zu den bildern im kino
die sich auswachsen zu einem martyrium
zu einem langgedicht der fluss
einem bahndamm von station zu station
stoßen die schwellen auf schotter
gras wippt im luftzug neben der strecke
stare und in den städten asphalt
du joggst durch den park
auf den bänken muränen lippfische
lesen romane sprechen von liebe
inquisitoren warten in staubigen wandelhallen
auf einsicht

du steigst in den keller zu den abwasserrohren
die pumpe einer waschmaschine röchelt
schneestürme treiben ihr wesen wie trolle in felsen
du kennst sie von früher in den straßenschluchten
gletscher hauswände bedeckt mit moränen
in den vorlanden toteis

niemandsland breitet sich aus
in alle richtungen gehst du
wie in deinem neuen zuhause

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Herbert Hindringer - 18. Februar 2015 0:32 Uhr

Vorhänge

versehentlich ins Weiß hinein
geblickt und nicht mehr heraus
gefunden, der Himmel flockt aus und stürzt

sich auf den einzigen Tagesordnungspunkt: den Winter

überwintern lassen
gelangweilt vom Überleben auf dieser Fläche über dem Leben

die Nasen ganz zerbrechlich, nicht anzufassen

das Lieben in Briefen beschrieben, Mehrzahl von Verlangen

aber bislang keine Antwort erhalten, keine einzige Stelle im Tag
im Abend liegt das Dunkel

bereit und unsere Worte leuchten darin und unsere Augen

schließen sich ein und halten die Nacht
auf Samt und Sonderfarbe fest
am Morgen dann wieder Blicke

ins All

Kommentar (22.2.15 17:58) lesen

 

Markus Stegmann - 17. Februar 2015 23:58 Uhr

Mirabellen

Wieder Weisskohl sagst du und nimmst meine
Augen ins Kristall prekärer Katarakte aus
Marmor und Mirabellen weisst du noch wie
wir in Madagaskar Berlin Neufundland
unsere Finger um Dolche geflochten fanden

Kommentar (24.2.15 15:00) lesen

 

Julia Trompeter - 15. Februar 2015 10:18 Uhr

An deinem Kehlkopf baumelt noch ein letzter Laut
der sich den Weg zum Wort nicht mehr gebahnt
nur leises Flattern wie von Wäschefahnen
Atem, der verzahnt im Wind
dir aus dem Körper weht, sehr leise treten
die Gedanken eingehüllt in weiße Laken
aus deinem Mund entweicht amorphes Bauschen
Widerhaken abgeschälter Konsonanten
Schnarchen, selten ausgestorben
fast privat fühlt sich dies Lauschen an
die Welt, verschwunden hinter Brandschutzmauern
nur Zeitungsreste flattern dort
und Nachbars Fenster werfen
helle Quader in den Hof
das Oberlicht färbt Fahrradlenker ein
was ist schon Gelb?
ich mal der Welt ganz andre Farben
wenn du dich von mir schläfst
und alte Äste fallen, die kein Baum mehr hält.

Kommentar (24.2.15 15:00) lesen

 

Andreas G÷▀ling - 4. Februar 2015 9:32 Uhr

Ankündigung

Der Glaube an eine unbestimmbare Vielfalt konkurrierender Geister lag mir stets schon näher als die Ideologie des einen Gottes, der alle numinose Kraft für sich reklamiert. Monopole sind durchweg von Übel, auch auf spirituellem Gebiet. In Thailand, das ich demnächst bereisen werde, sind die vielzähligen Geister auch heute noch allgegenwärtig. Wie schon in Vietnam oder Kambodscha werde ich allerorten auf Schreine stoßen, auf Miniaturhäuser mit Nachbildungen von Verstorbenen, denen die Lebenden symbolische Opfer bringen, damit sie ihnen gewogen bleiben oder zumindest keinen Schaden zufügen. Dies- und Jenseits liegen dicht beisammen, ineinander verschlungen, es sind zwei Dimensionen derselben Welt, durch Membranen getrennt, die porös und daher für die Geister durchlässig sind.

An gewissen Orten sind diese Poren so groß, dass sich selbst uns grobstofflichen Kreaturen das Treiben der Geister stückweise enthüllt. Auch wenn deren Polarität meist nicht festgelegt ist, geht von manchen eine entschieden heilende, erhebende Wirkung aus, von anderen das dunkle Gegenteil. Und gerade dort, wo die großporige Membran eine lokale Ballung von Geistermacht erlaubt, finden sich meist Tempel, Klöster, wunderkräftige Gewässer, von Legenden umsponnen, wie sie, abzüglich kulturelle Besonderheiten, weltweit ganz ähnlich erzählt werden.

Zur östlichen Grenze hin, zum alten Reich der Khmer, die vor tausend Jahren ganz Südostasien beherrschten, verfinstert sich die Aura der Geisterwelt. Die dortigen Wesenheiten gelten überwiegend als tyrannisch, tückisch, kriegerisch. Von dort verbreitete sich um 1100 unserer Zeit ein Kult, der mit einem Mönchsorden eng verbunden ist, ohne mit ihm ganz identisch zu sein. Sein Name ist der des dunklen Geistes, den die Anhänger verehren, aber mehr noch fürchten. Er wird je nach Quelle anders angegeben, tut hier aber nichts zur Sache. In den Klöstern wurden, und werden wohl heute noch, Menschen geopfert, mit einem sonderbaren, aufwändigen und ungewöhnlich grausamen Ritual, dem ich nachspüren will.

Der Kult zog wenigstens bis ins 19. Jahrhundert zahlreiche junge Männer an, die als Novizen in die Klöster des Ordens eintraten. Zwei- oder, nach anderen Quellen, viermal jährlich wurden jeweils fünf von ihnen der Wesenheit geopfert, die in einem dunklen Tempelraum auf sie wartete. Das Ritual sah - und sieht wohl - vor, dass die Novizen "auf eigenen Beinen, wachen Geistes und aus freien Stücken" den Tempelraum betraten. In wochenlangen Zurüstungen waren ihre Körper durch gewisse Muskel- und Nervengifte geschwächt worden, sodass sie sich nur träge bewegen konnten. Sie waren benommen, aber bei Bewusstsein, und der Giftcocktail hinderte sie sogar, das Bewusstsein zu verlieren, egal wie groß die Schrecken und Schmerzen während der langwierigen Opferung waren. Und diese müssen groß gewesen sein, oder sind es nach wie vor.

Das Ritual wird angeblich bis heute in wenigstens drei versteckten Klöstern durchgeführt. Eines davon liegt in den Bergen im Norden, im sogenannten Goldenen Dreieck, und mit etwas Glück werde ich dort Zutritt bekommen. Was genau in dem Opferraum geschieht, ist nie berichtet worden. Einige haarsträubende Schilderungen sind überliefert, aber sie scheinen mehr auf Fantasie als auf Zeugenschaft zu beruhen. Verbürgt sind die Schreie der Novizen, die geopfert werden, fragwürdiger schon das "durchdringende Knurren" des sich manifestierenden Geistes. In einigen Schilderungen ist zudem von knackenden Knochen, dem Geruch nach brennendem Fleisch und ähnlichem die Rede. Tatsache ist wohl, dass die Mönche, wenn sie nach einer gewissen Zeit den Tempelraum wieder zu betreten wagten, weder den Geist noch eigentlich auch die Opfer antrafen; von letzteren regelmäßig nur ein paar Knochen, "hellgrau und gläsern", und "etwas glasiertes Fleisch".

Der Vorgang ist bis heute rätselhaft, wie es sich für einen solchen Gegenstand allerdings gehört; ich will versuchen, ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen, und hoffe zuversichtlich, nicht ins Beuteschema des besagten Geistes zu passen: Die Novizen, die er wie auch immer verzehrt hat, sollen "im ersten Mannesalter" gewesen sein.

Ich bin H.P.

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Lars-Arvid Brischke - 2. Februar 2015 23:31 Uhr

schlaf oder schlag

sie sieht mich oder sieht sie mich nicht. ich liege ich schlafe ich träume vielleicht. sie
fliegt einen angriff. sie ist ziemlich schnell. dass meine augen ihr nicht folgen. nicht
folgen können. nun reicht mein blick bis zur decke. er reicht nicht. sie fliegt einen
angriff. sie landet. sie landet auf mir. ich zucke sie dreht ein paar runden. im zickzack
vom tisch zur gardine zur lampe zu mir. sie geht ein paar gierige schritte. spaziert mir
über die stirn. ich schlage ich schlage zu schlage mich selbst ins gesicht. sie summt
einfach fröhlich auf wirre weise. ich wage keine bewegung ich warte. sie schwirrt
unbeschwert ihre schwünge. sie ist voll elan. sie fliegt einen angriff, ist hungrig. ist
hungrig genug. sie strotzt vor tatendrang. fliegt kreuz & quer ihren angriff. ich sehe sie
nicht ich höre sie fliegen auf einer bahn ohne plan. sie kennt nichts. kennt keine
erschöpfung, keine müdigkeit. sie reibt sich die haarigen beine. vorfreude. freude
worauf. ein stiller genuss. unendliche gier. sie stürzt sich auf mich. ich schlage nach ihr.
so landet sie auf meinem arm. unversehrt. in mir schlägt es alarm. sie ist vollkommen.
vollkommen harmlos. ist lebenshungrig. sie tanzt überschlägt sich sie tollt durch den
himmel des zimmers. ohne außer atem zu sein. ohne außer atem zu kommen. sie
blubbert entdeckungslustig in meinem haar. hat es nur eilig zur schulter zu kommen.
will sie ins ohr mir was flüstern. ich schüttle mich. doch sie fliegt nur. ein stück. ist
wieder da. verschwindet & schwirrt. ich schwinge die klatsche es knallt es knallt &
wieder knallt es. sie landet. läuft weiter. wohin bloß. meine hand schleicht sich an. sie
ist vorsichtig. macht einen luftsprung zur täuschung. ein paar achten bis ich den faden
verliere. ihre flugroute. die beherrschung. wer wen. unwiderruflich wach bin ich nun.

Kommentar (15.2.15 10:08) lesen