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Klara Beten - 29. Juli 2010 14:00 Uhr
lektüre, vorgang u. stoff
mund. (nach kristeva; was ich grad las)
gilt das nicht als anziehungspunkt;
du redest von romanen. wenn du das
so sagst/ diese geschichten hier
sind eingefädelt; das wird ein neues album
u. JA, ich lege wert darauf; ich gab an diesem tag
unendlich viel von jedem preis;
ich sasz da wirklich auf der sog. borsteinkante//
mund. mund. mund. mund. das ist u. war ein
bild aus deiner stadt/ kann niemals hamburg sein/
der mund, der dein mund war, als allgemeines
bild u. wie ich plötzlich meinen arm;
verstrickt als wink als halt mit meinen fingern dran
die hand daran, auch das, der flächenrisz
der da an deiner jacke zog; an dieser stelle wo
dein handy sitzt u. brummt//
ich habe mich zuletzt dafür entschuldigt.
für diese unabsichtlich nahe geste
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Sophia Doms - 27. Juli 2010 13:18 Uhr
Wenn die Welt klein geworden ist ... oder: Baikonur
Wenn die Welt klein geworden ist, liegt auf den Feldern an der A 60 der Weltraumbahnhof Baikonur und daneben der Escorial und die Wieskirche und das Gefängnis von Toulsleng. Alles auf einer Führung zu begehen, live Raketenstarts inklusive, in der Dämmerung mit Funkenzauber rund um die Türme des Mainzer Doms. Auch an die Kleinsten ist gedacht: Sie wippen auf Pusztaziehbrunnen oder nehmen transkarpatische Holzhäuser auseinander.
Wenn die Welt klein geworden ist, tragen wir unseren ganzen Lebenslauf maschinengeschrieben an unsere Hände getackert, die Heftklammern ganz durch den Handrücken getrieben, wie bei einer Kreuzigung. Wer klug ist, umwindet die Wunden mit Bastschnüren und fliegt mit seinem Drachen davon. Mindestens eine aber reißt sich die Klammern aus dem Fleisch und läuft mit blutigen Händen durch die Welt und wenn man mit ihr redet, zuckt sie vor Schmerzen zusammen.
Wenn die Welt klein geworden ist, tragen wir uns Hab und Gut in Zündholzschachteln auf dem Rücken und springen wie die Flöhe von der großen Pfütze Bodensee, auf der die weißen Enten gemütlich dahinplätschern, direkt über die Berge nach Italien.
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Lars-Arvid Brischke - 26. Juli 2010 20:29 Uhr

Kontrolle und Irrtum
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Jörg Meyer - 25. Juli 2010 6:02 Uhr
unerkannt
unerkannt
im finsternen
in fenstern
fixstern
gitterlichternd
das zittern
die maske
lichtdicht
video.poem
90 sekunden kant
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Lars-Arvid Brischke - 24. Juli 2010 21:24 Uhr
WOCHE FÜR WOCHE DAS GLEICHE SPIEL
ohne ein ziel vor sich herzuschieben
durchqueren mich die glorreichen sieben
waggons:
im ersten ziert sich ein kandidat
im zweiten regiert sich ein demokrat
im dritten duzt sich ein diplomat
im vierten reduziert sich ein potentat
im fünften buchstabiert sich ein technokrat
im sechsten negiert sich ein automat
& im siebten:
nichts
als die lok.
erschöpfungsgeschichte
Kommentar (29.7.10 10:22) lesen
Sophia Doms - 23. Juli 2010 17:27 Uhr
Symposion
für jedes Jahr der Vor-Ewigkeit ist ein Tisch aufgestellt.
Die Fackeln halten, was sie versprechen, und scheinen dabei noch nicht einmal zu leben (kein Wunder, da Nero nicht eingeladen ist).
"Es geht doch nur hinab in den Gewölbekeller meiner Schule..." sage ich mir, als ich die ersten Stufen hinabsteige.
"...oder in das Labyrinth auf dem Budaer Schloßberg", lautet mein Trost nach mehreren Stockwerken.
Aber irgendwann kommt man immer an. Mich erstaunen die vielen Kinder, die ich zwischen den Tischen sehe. Sie servieren, können wahlweise als Genien und Putti, als Psychopompoi oder als Spürhunde eingesetzt werden.
Ich rufe einen kleinen Jungen mit flammenbemalter Baseballkappe heran und frage ihn nach dem Gastgeber.
Nach der Antwort wird mir einiges klar: Er ist es also - und dann auch noch meiner Ankunft zu Ehren. Kein Wunder, dass ich alle, an denen ich mich vorbeidränge, irgendwoher zu kennen glaube. Gespannt frage ich nach den wenigen Menschen, die auch da sein müssten, denen ich aber im Leben nie begegnet bin.
Der Zwillingsbruder des Baseballkappenträgers wird - als Spürhund - herbeizitiert, mit dem Auftrag, die älteste Tochter des Gastgebers zu suchen (das scheint am einfachsten, Freud und Fontane seien, so heißt es, noch schwerer zu finden). Er rennt sofort los und ich hoffe, dass er nicht nach seiner kleinen Schwester fahndet, die schließlich auch irgendwo da unten (oben?) sein muss - inzwischen.
Er tut aber fleißig seine Arbeit, lotst mich zwischen den enggestellten Tischen hindurch zum ersten rotwangigen Rentnerpaar, das ich genauer in Augenschein nehme. Und nun geht sie los, die Schnitzeljagd. Die beiden, leicht angetrunken, bekennen fröhlich, jemanden zu kennen, der seine älteste Tochter kennt, und weisen mich in irgendeine Richtung.
Ein anderer Putto wird (dieses Mal als orthodoxer Psychopompos) herbeigerufen, weil ich alleine nicht zu Rande komme. Er rennt mir fast davon und daran merke ich, dass ich ihn selbst in die Welt (Endstation Unterwelt?) gesetzt haben muss. Wir gelangen an der gewiesenen Stelle zu einem weiteren Ehepaar, etwas jünger, tabakumwölkt. Auch sie erweisen sich nur als Bekannte der Bekannten.
Und so geht es weiter.
Zeit, auch nach dem Gastgeber selbst zu suchen, habe ich dabei nicht. Außerdem erfahre ich irgendwann, dass er das Symposion längst schon (via Giftbecher - Schierling Spätlese?) verlassen hat - vermutlich gerade im Augenblick meiner Ankunft. Nur sein Dackel ist noch da und schnüffelt mit umgehängter Trophäe (oder ist es ein Jagdgewehr?) unter den Tischen.
Ob irgendwo, dort links hinten etwa, ein letztes Abendmahl gefeiert wird?
Es riecht nach Weihrauch.
Nicht ablenken lassen. Irgendwo an einem der Tische sitzt sie ganz sicher, die älteste Tochter.
Irgendwo zwischen Himmel, Traum und Vorhölle
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Markus Hallinger - 21. Juli 2010 23:34 Uhr
Staunender Blick durchs Fernrohr
Mit dem Ofenrohr ins Gebirg fahren,
aufsteigend, Rußfahnen, aus allen Rohren,
und ihr kriegt mich nicht, die Entschlüsselung
endet im Sand oder am Meer (salzig),
alles zerrieben, (Antrieb?),
die Erwartung eines positiven Zeichens (Gesummsel),
stattdessen wirklicher Schrott (Metall)
und in der Wüste das Meer, -
hinter den Bergen, von hier aus gesehen,
Österreich, glücklich du bist,
Alpen und Seen, Täler ohne Satelittenempfang,
eine luftige Mondfahrt
mit großen Augen gesehen, kein Wunder
wie alles anfängt, Wüste und Meer,
aber wie komme ich sonst vor die Tür,
wie über die Berge,
wo es keine Berge hier gibt.
in die Sommerpause gehustet
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Markus Hallinger - 12. Juli 2010 10:18 Uhr
Himmel und Hölle
Der liebe Gott von der Brecherspitzstraße
ist kein Zeitgenosse, sondern ein echter Brecher ist er gewesen immer ein Berge- Frauenbrecher, in jungen Jahren, die vorbei sind mit 57 sitzt er in der Hollywoodschaukel auf der Veranda und streckt nur mehr den Arm aus nach dem nächsten Bier und die seichte Abendsonne scheint rötlich durch sein schütteres Haar auf seine Halbglatze, die er sich wohl erkämpft hat, wie er selbst meint und sagt, dass sein Kopf mal blond gewesen ist, er aber die Haare lassen musste zwischen Berge und Frauen, und auch nicht mehr nach Österreich hinüberkommt, wo er eigentlich hingehört, sich auch nicht mehr auskennt, weil es gleich ist mit hier, nur noch am Arsch fühlt er sich gekratzt manchmal und das muss er auch noch selber tun, das wäre dem lieben Gott nicht eingefallen früher, im Traum nicht.
Fallobst
Wie ein junger Gott
im Bade, ein Lebensgott
im Fleisch 1 zu 1
Jungspund Sportwagenfahrer
eine Schimäre, bröckelt
von der Hollywoodschaukel,
rutscht in die Abendsonne,
im Kühlschrank
das Bier steht kalt.
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Florian Voß - 10. Juli 2010 0:46 Uhr
Erstes Zwischenspiel in der Hölle - Neue Version
Und dann nahm mich Dante an die Hand
und grinste wie ein alterslahmer Wolf
(Rotkäppchen, süßes Schnäppchen
Kaufhausköter ist dir auf den Blutschwammfersen
es tappt der Kaufhausdetektiv ins Fettnäpfchen
das ist gefüllt mit Fieberzäpfchenschleim)
Dante rasselte mit den Schlüsseln
und führte mich hinab zum Tor der Hölle
da steckten rote Lichterketten dran
(O, Tannenbaum, du hast mich einst
im Wald erstochen mit den Nadeln
aus rostfreiem Offiziersstahl)
Und alles blinkte, orgelte und schrie
aus Hochhaushohen Kenwood-Boxen
"Nur einen Euro in den Schlitz", rief es
"und der Erlebnispark steht offen"
Am Torpfosten hing ein Stahlstich von Doré
darauf wies Dante mit dem Finger
auf ein Porträt von Josef Stalin
(Stalin, Stalin, grad hab ich noch an dich
gedacht - und wie du in den Arsch gefickt
von einem namenslosen Engel wurdest
Der lächelte nur kühl und machte danach
Flicflac, und war ganz Eis in deinen Gulagkammern)
Darunter stand in feinen Lettern:
"Laßt alle Hoffnung fahren
denn dies ist ein Schlaraffenland
in dem gebratene Genossen
den Schweinen in die Mäuler fliegen"
Dann drehte Dante sanft den Türknauf
und das Tor schwang quitschend auf
"Eiskonfekt", rief eine Dame lächelnd
die durch den Bogen schritt und uns
die reifbedeckte Packung reichte
Ich nahm sie, bot sie Dante an
der fingerte mit kalten Fingern
schob sich eins ins Maul und kaute
sprach, die Augen halb verdreht: "Brilliant"
Wir schleckten uns dann schließlich
die süßverklebten Fingerkuppen
und liefen nun der Nase nach
hinein in diese weite Hölle
Ganz schläfrig wurde ich
auf dem Weg durchs Grün des Gartens
dieser Hölle, und Dante
nahm mich an die Hand
wie eine mottengraue Mutter
Und schon zeigten alle Blumen
ihre Köpfe und sie kreischten:
Hitler war ein Gänseblümchen
Lenin ein Vergissmeinnicht
Mao war Rainfarn und Pol Pot
eine klitzekleine Butterblume
(im Dschungel tanzt sein Leichnam
und schlürft Sud von Blutblumen
er schwingt sich an Lianen, die lahmen
Affen unter ihm sind eingehüllt
in schwarze Kutten, krank und kreuz
ihr Blickgerät im Augenschädel
Es zischt der Pol Pot durch Leichen
felder, fleddern wird er nicht
das winzig kleinste Stück des gut
gebackenen Renegaten-Fleischs)
Die Blumenfrau hatte zwei Hörner
und einen dicken Schweinefuß
(Koteletts im Hintergrund, sie brieten
und verströmten den Geruch Montanas
ich spreche vom Parfüm, das in jeder
Kassenschlange sich in alle Nasen
schlängelte und die Gehirnzellen zu
Zellen machte, eingeschlagen waren
die Gerüche im Knast der 80er)
Ich stammelte im Schlaf:
"O, liebe Beatrice, komm zu mir
und kühl mich mit dem Gartenschlauch"
Und alle Blumen schrieen:
"Dein Hirn ist nur ein Buch
wir werden es herunterziehen
in den siebten Kreis der Hölle"
Ich sagte müd: "Ihr seid doch längst
in meinen grauen Windungen
lang schon kenn ich euch
mein Hirn ist euer Humus"
Da lachten alle Blümelein
und ein dunkler Knabe kam gesprungen
und zupfte sie aus fetter, schwarzer Erde
Ich schlief noch nicht und wachte auf
und sah an meiner Zimmerwand
das Fresko von Giotto
darauf die Adlernase Dantes
(In meinen Nasenflügeln leichtes Blut
das schwebte als Gesicht an meinem
dummgeschlafenen Gesicht vorbei)
Aus: Apokalypso
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Markus Hallinger - 9. Juli 2010 23:02 Uhr
Vom Misthaufen herunter
Wie warme Milch wie Honig fließts
ich weide mich ich bade mich
ich suhle mich mit beiden Beinen stehe ich
im Mist - vom Haufen blinzle ich
ins Sonnenlicht. (Auf 7 Meter scheints
es geht mir gut.)
Geblendet brauche ichs Moskitonetz
geschuldet meiner Unvernunft
die beiden Augen farbenblind
der Blick verklebt
das Herz geschultert - was die Welt angeht:
die Muckis auch.
Und in Escada Shoes die Füß erstaunt
die Kniee durchgedrückt
läuft eine Bilderflut ins Hirn
wie in ein Sieb
und alle Knaben heißen Wayne
und alle Mädchen Di Jeanette Marie.
Ich heiße Sepp der allerletzte Sepp.
Ganz grün und schweinisch rieche ich nach Dung.
Wo ich in Schlappen steh schlappre ich Milch.
De Milk de Mulch de Mülch verschluckt es mich
das richtge Wort - wo wohne ich -
mit beiden Beinen noch im Mist.
Das Herz sitzt in der Hose tief und rutscht
und rutscht heraus.
schon wieder was mit Sepp
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Markus Hallinger - 9. Juli 2010 18:02 Uhr
Der Einsager
Der Einsager hat einen beweglichen Mund, dessen Lippen er zu einer Trichterspitze formt und damit von ganz nah in das Ohr einer Lusche hineintrompetet. Eben andersherum das Instrument, nicht laut - leise, die Töne, Sätze, Botschaften nicht weit ausgiesend, sondern konzentriert einfüllend. - Es soll niemand bemerken, dass eingesagt wird. Wie im Theater tritt der Einsager nicht hervor, und erst in der Wirtschaft, nach 3, 4 Bier, wenn niemand weiter weiß, übernimmt er das Wort, der heimliche Bürgermeister.
Gefährlich träufelt er Gift in das Maul des Großmauls, das der Bürgermeister ist, bis der spuckt, die Zähne fletscht, den Rachen aufreißt und tierisch brüllt: Hier komme ich! Dabei mit den Füßen aufstampft, dass der Tisch zittert und die Gläser zerschlagen.
Das hat der Einsager nicht gewollt, einhöckrig wie er ist, buckelt er nieder und versucht die Scherben einzusammeln. Damit er sich nicht schneidet, benutzt er Schaufel und Besen und bringt die Überreste nach draußen. Weil das durstig macht, kehrt er in die Gastube zurück. Er setzt sich an den Nachbartisch neben den Nachreder und beginnt sofort dessen Speichel aufzulecken und feuchte Sätze aufzusammeln.
Weil der Tag gelaufen ist, behält er diese bis zum nächsten Tag für sich.
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Sophia Doms - 9. Juli 2010 15:22 Uhr
3 goldene Regeln
1. Der Blick über den Gartenzaun, an dem Du vorbei gehst, ist nicht umsonst. Bezahle pünktlich Deinen Pro-Kopf-Beitrag an Rosensteuer, um die Stöcke niemals gießen zu müssen.
2. Unser Geleis mündet in einen Kopfbahnhof. Wenn Du den Unrat auf den Schienen mitsamt der Todesangst nur lange genug hinausschiebst, kannst Du in der letzten Sekunde alles an der Wand zerquetschen.
3. Bringe niemals Luftschlossleitern an den Schlafzimmerfenstern an. Das führt nur zu Alpträumen.
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Florian Voß - 8. Juli 2010 0:11 Uhr
Dämmerung
Erwachen, und den Hahn zu hören
wie er aus der Ferne schreit
Aufzuziehen die Gardinen:
die Wolken ziehen weit
Wie seltsam es ist
das lieblose Herz und der kalte Rest
(Philip Larkin)
Übertragen von Florian Voß
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Markus Stegmann - 4. Juli 2010 23:25 Uhr
Im Süden des Gehirns
Noch immer verhält sich der barocke Raum wie ein erinnerter Parcifal im Süden des Gehirns. Als ich in den Flieder schaue und die Vogelkrallen entferne, die sich darin verfingen, lindert dies nur wenig die Wucht und die Neigung des Raumes, sich wie eine Medusa zu vermehren.
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Jörg Meyer - 3. Juli 2010 7:09 Uhr
tropen.nacht.tv
nachtlametta bildverschirmt
in mondäner dünung
schüchteren geräuschrauschs
und umnacktung
der ebendiesige dialekt
unzüchtigen verzichts
täglich übernächtigt
auffällig anstandslos hingefallen
als video.poem
Kommentar (18.7.10 9:44) lesen
Markus Hallinger - 2. Juli 2010 14:43 Uhr
Suche
1, 2, 3 mal im Jahr fliegt ein Hubschrauber den Wald ab. Das macht einen ziemlichen Lärm, und manchmal kommt das Gerät so tief, dass sich die Baumwipfel biegen und der Luftzug zu spüren ist.
Jetzt suchens wieder einen, der in den Wald gegangen ist, sagt mein Nachbar besorgt. Und bald darauf kommen sie mit Hunden ins Dorf, klingeln an jeder Tür und fragen, ob jemand aufgefallen ist, der nicht hergehört.
Weil selten Fremde kommen, müssten die auffallen. Die Radfahrer und die Wanderer mit ihren Stöcken, die bei uns auftauchen, sind für uns keine Fremden, sondern alltäglich - und von den anderen haben wir kaum jemanden zu Gesicht bekommen.
Wer nicht gefunden werden will, kann das so anstellen, dass er auf Nimmerwiedersehen verschwindet. Es gibt keine bessere Gegend dafür. Der nächste Ort ist 5 Kilometer entfernt, ein bewaldeter Hügelrücken trennt uns. Die zwei Bauern, die es oben gibt, haben Hunde am Hof und ihre Wege und Zufahrten mit Zäunen versperrt, weil sie in Ruhe gelassen werden wollen. Nach Osten hin wird es unwegsam, es geht schroff zu einem Fluss hinunter. Ohne feste Schuhe gibt es keine Möglichkeit hinunter zu kommen, und unten benötigt man Gummistiefel, so feucht und versumpft ist es im Sulzgraben. Ich glaube aber, dass es unwahrscheinlich ist, dass jemand diese Richtung einschlägt, einer der er sich auf und davon macht, geht er lieber hinauf als hinunter. Mein Nachbar glaubt das auch, schmeißt seinen Bulldog an und fährt zum Stadl hinauf. Wir haben den selben Gedanken, meinen, dass man sich einen Platz aussucht, von dem man einen Blick hat. Alte Bäume stehen auch oben. Es ist besser vorzusorgen: die Kinder des Nachbarn treiben sich oft zum Spielen dort herum.
Er bleibt länger aus als er müsste. Man muss sich aber keine großen Gedanken machen. Im Stadl sind Holz und Werkzeuge eingelagert. Das Tor ist immer offen und gewiß nützt er die Umstände, um wieder mal alles durchzuzählen, ob nichts geklaut worden ist. Besser ist es einmal zu viel zu kontrollieren als überrascht zu werden. Schon wegen der Kinder, sagt er, die rege das ganz schön auf. Man weiß ja nie.
Vor Jahren wurde nach Wochen einer in der Kirchturmkuppel gefunden, weil man vergessen hatte dort nachzusehen. Seither ist der Turm abgesperrt. Dennoch schauen wir zur Sicherheit im Turm nach, stören aber nur die Fledermäuse.
Es dauert Stunden bis Polizei und Feuerwehr die Suche abbrechen. Einmal hat es eine Aufregung gegeben als ein Polizist in ein Erdwespennest getreten ist und sich in einen Bach flüchten musste. Ein anderer kam mit einer Handvoll Steinpilze zurück. Die Hunde schienen abgehetzt, aber zufrieden.
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Klara Beten - 30. Juni 2010 11:22 Uhr
gedicht (ohne katalognummer)
30.6, spät morgens, invalidenstr.
wenn an einem morgen plötzlich alle bilder zusammenziehen/ erinnert
ein verstaubter schaukasten im museum für ornithologie; verfolgte
vogelkunde; ein drittes reichsnest links; wir sahen alles schon in schwarz
u. weiß, das nachkolorierte geländeweben/ aber, sieht giftgas nicht immer
nur grau aus? und später über die buchstaben hinweggehen/ sie entlang den
achsen trennen/ intarsien, sagte ich einmal zu dir, u. die kapseln sind gelenke; alles
an den richtigen stellen zu öffnen; verstaubte schaukaskade der geschichte;
verlegte sicht/ verfrachtet in den gehorsam einer bibliothek/ u. ich sehe im tv
wie sie an hunden bomben setzen; die sind trainiert ihr futter unterhalb
von panzern zu suchen; u. am meisten schreckt auf dieses bild eines toten
elefanten im londoner zoo/ druckwellentod; wenn die augen splittern
wie fensterglas u. dein mund sich aufhebt in einem letzten leisen schrei
u. dieser verschaute staubkasten im naturkundemuseum/ abteilung vogel
-kunde; u. welche haut du heute trägst/ dein glasschaukast hinter der brust?
woran erinnert so ein morgen, wenn plötzlich jedes bild zusammenzieht
mit einem andern?
gestern abend: grand guerre & canal+
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Lars-Arvid Brischke - 27. Juni 2010 0:13 Uhr

libertoujours
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Florian Voß - 23. Juni 2010 1:30 Uhr
Ja
nein nein nein nein nein
nein nein nein nein nein
nein nein . . . . nein nein
nein nein nein nein nein
nein nein nein nein jein
Konkret, konkret, concret
Kommentar (1.7.10 12:11) lesen
Markus Hallinger - 19. Juni 2010 14:52 Uhr
Ausblick
Anflugsweise rost auf der zunge
verbrennungen
zu heiß gegessen, gestern
war rostig, der atem
stockte, wie kellerwände
stocken, darüberhinaus
siehts dürftig aus.
Kommentar (18.7.10 9:49) lesen
Jörg Meyer - 19. Juni 2010 5:23 Uhr
schrille stille
"ist irgend eins, das einer seele g'nüget? ist ein halm, ist eine gereifteste reb' auf erden, die ihn nähre?" (friedrich hölderlin / scardanelli)
schon an der mutterbrust war diese stille,
das saugen selbstgefällter existenz.
es war nur eingebor'ner wunsch, nicht wille:
bevor ich was besaß, war's insolvenz.
"ich schrieb, ich schrie", als kind schon buchgestäbe
in einem wort verlierend, zu verzieren
noch jeden schrei, auf dass er rasch verwehe.
in schriller stille standen brav die stiere.
wie sie vor roten tüchern blieb ich liegen,
stellte stürm'sche wecker stillend weiter.
im turm steh' ich, wo seine wänd' zerstieben.
dem grab die schrille stille vorzuschreiben,
hab' ich mich aufgemacht zum fortschrittschreiter.
ich bin das schaf, die hirten zu beweiden.
ögyr trötet's
Kommentar (26.6.10 14:18) lesen
Klara Beten - 14. Juni 2010 15:42 Uhr
(27.mai 2010); für carol
während wir telefonieren ziehe ich einen cummings
aus dem stapel auf dem fensterbrett u. stelle mir
nichts vor. ich höre einfach deine stimme, lose zwischen dem
gemeinsamen atmen; u. mit losen augen; ebd.
lese ich den satz auf dem umschlag: like a perhaps hand
wird noch ein frühes bild, was ich schon weiß;
"und kommt vorsichtig aus dem nirgendwo"; u.
als wir auflegen fühlt sich mein ohr sehr warm an
aber als ich es mit meiner hand berühre ist es kalt; ich tausche
den band auf dem tisch gegen gustafsson, die maschinen
und stelle mir gar nichts dabei vor
ich, ich, ich, ich.
Kommentar (30.6.10 11:23) lesen
Herbert Hindringer - 13. Juni 2010 12:00 Uhr

weil ich dich dachte als eine kommende
Kommentar (20.6.10 22:38) lesen
Ruth Johanna Benrath - 11. Juni 2010 10:49 Uhr
MISSING LINK 6
Schnell schnell
schnell willst du sein, schmetterlingsschnell
schneller als die Katze, die durchs Gras steigt
schneller als das, was wächst, Ansturm von Flieder
du vermutest etwas
hinter den Dingen
hinter dem Gezwitscher
etwas
so durchscheinend wie ein Insektenflügel
etwas, das in Dolden wächst
Universalien
was willst du?
das Zusammengeknüllte auffalten
die Katze schlachten, den Kuckuck aufbohren
schauen, was drinnen ist?
Nerven, pochend,
Begriffe oder Gefühle
ein Uhrwerk, nach dem auch du tickst
was glaubst du?
am Ende bleibt es
die allmächtige Katze, durchs Grüne schnürend
weils jetzt grade sommer ist
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Jörg Meyer - 11. Juni 2010 7:04 Uhr
rebellische ruinen
wir fallen, stürzen uns in untergang
zu sehr, als dass als fallend fall noch gälte.
wir fallen nicht, wir sind der überschwang,
der uns'rem fallbruch nun die nenner zählte.
die liebe gilt verfallenen ruinen,
dem nachher, das wir zukunft eingeschrieben.
das jetzt indes, es lebt sein übersommern,
wo mich der pfeil trifft von der frau aus pommern.
was war, das ist nun immer, was mich schälte
in den kokon des untergangs rebellisch;
was war schon noch? doch ist's noch nicht gefällig.
ich sing' es nachts, das lied, das stürzend wehte,
und bin sein vetter nicht, nur leuchtturmwärter,
dem türme stürzten, brücken wie die schwerter.
als Video-Poem
unter/auf/gang
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Ernesto Castillo - 9. Juni 2010 16:59 Uhr
discus
das schweben bleibt das schlimmste daran
dieses ganz und gar rührungslose weiter als
inerte bewegung nach jeder berührung ins end
lose trudeln und folgsam den folgen in der vorüber
gehenden kenntnisnahme von gesichtern die ab
drehen weil du dich drehst aus deinem gesichts
kreis als boliden in den raum einer klassischen physik
wo jede eigene bewegung der körper etwas nach
sich zieht und zeitigt was nicht aufzuholen ist
diese gesetze sollten hier nicht mehr gelten
leviathan XXVII
Kommentar (11.6.10 1:13) lesen
Markus Hallinger - 8. Juni 2010 14:44 Uhr
Kirchenrenovierung
In der Krypta das Verborgene. Sieh, wer dort liegt
unter dem Altarstein
der Christus in seinem Gebäude.
( Blasphemie ficht ihn nicht an.)
Zeichnungen freigelegt an kühlen Wänden
aus denen Blut rinnt in dünnen Strichen.
Die Farbe imaginär. Alles Schwarzweiß.
Federhaft, vogelfrei, bloß.
Womöglich ist es naiv hier am Putz zu kratzen.
Womöglich tritt nichts zu Tage.
Geduld und Millimeterarbeit mit Spachtel und Pinsel.
Einfaches Handwerkszeug. Warten auf das geeignete Licht.
Das sind die Strukturen über die du stolperst.
Das wäre der Punkt nachzuhaken, zu sagen
wovon du lange zu sprechen meinst.
Die pure Blöße, dort trittst du ein, wenn du willst,
waffenlos, ohne Sprache.
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Ernesto Castillo - 7. Juni 2010 18:08 Uhr
sommers so
wie nieder (und noch - doch kannst du himmel sagen)
das aufgeknöpfte hemd eines landjungen überm
arbeiten auf dem feld tage in einfache muster
gefaltet und trockene farben scheinen ab
und an auf in der biegung des stoffes
das du gerne zum fluss gehen möchtest (sommers so)
ein springen helle reflexe über die steine wieder
wasser und wieder das unter nicht müd wird
der hitze zu blitzen zu stauen zu fliessen
kaum siehst du die dinge die so sind
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Sophia Doms - 7. Juni 2010 11:32 Uhr
Gefühle für Orchideen
Auf der unbeschriebenen Spur ihres Weltschmerzes
gibt sich die Achatschnecke
ihren Gefühlen für die benachbarten Orchideen hin,
für die unerreichbaren,
hinter Glas versperrten.
Und sie muss sich -
den mit gelben Bananen bestirnten Palmblatthimmel über ihr, den Rindenmulch unter ihr,
innerlich blaublütig -
vor niemanden dafür rechtfertigen,
wie glimmerig und glibberig,
wie gallertartig und mukös,
wie opak und gelblichweiß,
wie zähflüssig und klebrig
sie die Orchideen liebt.
Kommentar (23.6.10 12:35) lesen
Klara Beten - 7. Juni 2010 9:11 Uhr
(7.juni 2010); für miranda
was ist das für eine welt, in der dir jemand gefühle für
orchideen erklärt; zeichen für bedeutung (Journal of
Hydrology, Bd. 386, S. 118, 2010)/ u. google findet nichts.
aber du machst eine ausgeprägt realistische
momentaufnahme; lange zeilen; in ein bild gezerrt/
u. die verkreuzung kommt in unter zwei sekunden;
ich schreibe hier gezielt für die seminare u. wenn ich
gerade über gregory corso lese, dann kommt mir das vor
als würde ich ihn kennen/ u. ja, corso; das ist ein gedicht.
u. dieser text ist nicht für rolf dieter brinkmann; (obwohl
ich diese namen kenne) u. diese stimme steht im raum
u. wird verwendung finden; das ist die arbeit, die du suchst
surrt surreal dahin das bild; findest du nicht? u. was ist das
für eine welt, in der man zu einem laden (SCHLECKER genannt)
gehen muss, bevor man ein foto machen kann? was?
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