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Werner Weimar-Mazur - 24. Februar 2015 10:48 Uhr

Berlin - Warszawa

metallisch liegt die stadt im mittag
im café vor dem löwentor
hocken ein paar bei branntwein
dichter aus dem altai
faseln verse in einer nomadensprache

götter klauben starkstrom
aus den überlandleitungen
das entfesselte atom schwimmt
im kühlwasser unter einer betonkuppel

deine antwort unter dem briefbeschwerer
die nacht ist ein raubtier
haut reißt auf wie erdkruste

ich gehe durch die straßen
ein kalter wind wirft schatten an die fassaden

beim bahndamm bleibe ich stehen und lache laut los

grau sind die reiter geworden die pferde alt
aus den mauern bröckelt putz
das publikum klatscht beifall
zu den bildern im kino
die sich auswachsen zu einem martyrium
zu einem langgedicht der fluss
einem bahndamm von station zu station
stoßen die schwellen auf schotter
gras wippt im luftzug neben der strecke
stare und in den städten asphalt
du joggst durch den park
auf den bänken muränen lippfische
lesen romane sprechen von liebe
inquisitoren warten in staubigen wandelhallen
auf einsicht

du steigst in den keller zu den abwasserrohren
die pumpe einer waschmaschine röchelt
schneestürme treiben ihr wesen wie trolle in felsen
du kennst sie von früher in den straßenschluchten
gletscher hauswände bedeckt mit moränen
in den vorlanden toteis

niemandsland breitet sich aus
in alle richtungen gehst du
wie in deinem neuen zuhause

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Herbert Hindringer - 18. Februar 2015 0:32 Uhr

Vorhänge

versehentlich ins Weiß hinein
geblickt und nicht mehr heraus
gefunden, der Himmel flockt aus und stürzt

sich auf den einzigen Tagesordnungspunkt: den Winter

überwintern lassen
gelangweilt vom Überleben auf dieser Fläche über dem Leben

die Nasen ganz zerbrechlich, nicht anzufassen

das Lieben in Briefen beschrieben, Mehrzahl von Verlangen

aber bislang keine Antwort erhalten, keine einzige Stelle im Tag
im Abend liegt das Dunkel

bereit und unsere Worte leuchten darin und unsere Augen

schließen sich ein und halten die Nacht
auf Samt und Sonderfarbe fest
am Morgen dann wieder Blicke

ins All

Kommentar (22.2.15 17:58) lesen

 

Markus Stegmann - 17. Februar 2015 23:58 Uhr

Mirabellen

Wieder Weisskohl sagst du und nimmst meine
Augen ins Kristall prekärer Katarakte aus
Marmor und Mirabellen weisst du noch wie
wir in Madagaskar Berlin Neufundland
unsere Finger um Dolche geflochten fanden

Kommentar (24.2.15 15:00) lesen

 

Julia Trompeter - 15. Februar 2015 10:18 Uhr

An deinem Kehlkopf baumelt noch ein letzter Laut
der sich den Weg zum Wort nicht mehr gebahnt
nur leises Flattern wie von Wäschefahnen
Atem, der verzahnt im Wind
dir aus dem Körper weht, sehr leise treten
die Gedanken eingehüllt in weiße Laken
aus deinem Mund entweicht amorphes Bauschen
Widerhaken abgeschälter Konsonanten
Schnarchen, selten ausgestorben
fast privat fühlt sich dies Lauschen an
die Welt, verschwunden hinter Brandschutzmauern
nur Zeitungsreste flattern dort
und Nachbars Fenster werfen
helle Quader in den Hof
das Oberlicht färbt Fahrradlenker ein
was ist schon Gelb?
ich mal der Welt ganz andre Farben
wenn du dich von mir schläfst
und alte Äste fallen, die kein Baum mehr hält.

Kommentar (24.2.15 15:00) lesen

 

Andreas G÷▀ling - 4. Februar 2015 9:32 Uhr

Ankündigung

Der Glaube an eine unbestimmbare Vielfalt konkurrierender Geister lag mir stets schon näher als die Ideologie des einen Gottes, der alle numinose Kraft für sich reklamiert. Monopole sind durchweg von Übel, auch auf spirituellem Gebiet. In Thailand, das ich demnächst bereisen werde, sind die vielzähligen Geister auch heute noch allgegenwärtig. Wie schon in Vietnam oder Kambodscha werde ich allerorten auf Schreine stoßen, auf Miniaturhäuser mit Nachbildungen von Verstorbenen, denen die Lebenden symbolische Opfer bringen, damit sie ihnen gewogen bleiben oder zumindest keinen Schaden zufügen. Dies- und Jenseits liegen dicht beisammen, ineinander verschlungen, es sind zwei Dimensionen derselben Welt, durch Membranen getrennt, die porös und daher für die Geister durchlässig sind.

An gewissen Orten sind diese Poren so groß, dass sich selbst uns grobstofflichen Kreaturen das Treiben der Geister stückweise enthüllt. Auch wenn deren Polarität meist nicht festgelegt ist, geht von manchen eine entschieden heilende, erhebende Wirkung aus, von anderen das dunkle Gegenteil. Und gerade dort, wo die großporige Membran eine lokale Ballung von Geistermacht erlaubt, finden sich meist Tempel, Klöster, wunderkräftige Gewässer, von Legenden umsponnen, wie sie, abzüglich kulturelle Besonderheiten, weltweit ganz ähnlich erzählt werden.

Zur östlichen Grenze hin, zum alten Reich der Khmer, die vor tausend Jahren ganz Südostasien beherrschten, verfinstert sich die Aura der Geisterwelt. Die dortigen Wesenheiten gelten überwiegend als tyrannisch, tückisch, kriegerisch. Von dort verbreitete sich um 1100 unserer Zeit ein Kult, der mit einem Mönchsorden eng verbunden ist, ohne mit ihm ganz identisch zu sein. Sein Name ist der des dunklen Geistes, den die Anhänger verehren, aber mehr noch fürchten. Er wird je nach Quelle anders angegeben, tut hier aber nichts zur Sache. In den Klöstern wurden, und werden wohl heute noch, Menschen geopfert, mit einem sonderbaren, aufwändigen und ungewöhnlich grausamen Ritual, dem ich nachspüren will.

Der Kult zog wenigstens bis ins 19. Jahrhundert zahlreiche junge Männer an, die als Novizen in die Klöster des Ordens eintraten. Zwei- oder, nach anderen Quellen, viermal jährlich wurden jeweils fünf von ihnen der Wesenheit geopfert, die in einem dunklen Tempelraum auf sie wartete. Das Ritual sah - und sieht wohl - vor, dass die Novizen "auf eigenen Beinen, wachen Geistes und aus freien Stücken" den Tempelraum betraten. In wochenlangen Zurüstungen waren ihre Körper durch gewisse Muskel- und Nervengifte geschwächt worden, sodass sie sich nur träge bewegen konnten. Sie waren benommen, aber bei Bewusstsein, und der Giftcocktail hinderte sie sogar, das Bewusstsein zu verlieren, egal wie groß die Schrecken und Schmerzen während der langwierigen Opferung waren. Und diese müssen groß gewesen sein, oder sind es nach wie vor.

Das Ritual wird angeblich bis heute in wenigstens drei versteckten Klöstern durchgeführt. Eines davon liegt in den Bergen im Norden, im sogenannten Goldenen Dreieck, und mit etwas Glück werde ich dort Zutritt bekommen. Was genau in dem Opferraum geschieht, ist nie berichtet worden. Einige haarsträubende Schilderungen sind überliefert, aber sie scheinen mehr auf Fantasie als auf Zeugenschaft zu beruhen. Verbürgt sind die Schreie der Novizen, die geopfert werden, fragwürdiger schon das "durchdringende Knurren" des sich manifestierenden Geistes. In einigen Schilderungen ist zudem von knackenden Knochen, dem Geruch nach brennendem Fleisch und ähnlichem die Rede. Tatsache ist wohl, dass die Mönche, wenn sie nach einer gewissen Zeit den Tempelraum wieder zu betreten wagten, weder den Geist noch eigentlich auch die Opfer antrafen; von letzteren regelmäßig nur ein paar Knochen, "hellgrau und gläsern", und "etwas glasiertes Fleisch".

Der Vorgang ist bis heute rätselhaft, wie es sich für einen solchen Gegenstand allerdings gehört; ich will versuchen, ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen, und hoffe zuversichtlich, nicht ins Beuteschema des besagten Geistes zu passen: Die Novizen, die er wie auch immer verzehrt hat, sollen "im ersten Mannesalter" gewesen sein.

Ich bin H.P.

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Lars-Arvid Brischke - 2. Februar 2015 23:31 Uhr

schlaf oder schlag

sie sieht mich oder sieht sie mich nicht. ich liege ich schlafe ich träume vielleicht. sie
fliegt einen angriff. sie ist ziemlich schnell. dass meine augen ihr nicht folgen. nicht
folgen können. nun reicht mein blick bis zur decke. er reicht nicht. sie fliegt einen
angriff. sie landet. sie landet auf mir. ich zucke sie dreht ein paar runden. im zickzack
vom tisch zur gardine zur lampe zu mir. sie geht ein paar gierige schritte. spaziert mir
über die stirn. ich schlage ich schlage zu schlage mich selbst ins gesicht. sie summt
einfach fröhlich auf wirre weise. ich wage keine bewegung ich warte. sie schwirrt
unbeschwert ihre schwünge. sie ist voll elan. sie fliegt einen angriff, ist hungrig. ist
hungrig genug. sie strotzt vor tatendrang. fliegt kreuz & quer ihren angriff. ich sehe sie
nicht ich höre sie fliegen auf einer bahn ohne plan. sie kennt nichts. kennt keine
erschöpfung, keine müdigkeit. sie reibt sich die haarigen beine. vorfreude. freude
worauf. ein stiller genuss. unendliche gier. sie stürzt sich auf mich. ich schlage nach ihr.
so landet sie auf meinem arm. unversehrt. in mir schlägt es alarm. sie ist vollkommen.
vollkommen harmlos. ist lebenshungrig. sie tanzt überschlägt sich sie tollt durch den
himmel des zimmers. ohne außer atem zu sein. ohne außer atem zu kommen. sie
blubbert entdeckungslustig in meinem haar. hat es nur eilig zur schulter zu kommen.
will sie ins ohr mir was flüstern. ich schüttle mich. doch sie fliegt nur. ein stück. ist
wieder da. verschwindet & schwirrt. ich schwinge die klatsche es knallt es knallt &
wieder knallt es. sie landet. läuft weiter. wohin bloß. meine hand schleicht sich an. sie
ist vorsichtig. macht einen luftsprung zur täuschung. ein paar achten bis ich den faden
verliere. ihre flugroute. die beherrschung. wer wen. unwiderruflich wach bin ich nun.

Kommentar (15.2.15 10:08) lesen

 

Sophia Doms - 25. Januar 2015 9:05 Uhr

Kein Leib-Seele-Problem

Beim Fliegen fahre ich jetzt simultan
grünen Postbus und Ökostrom-Zug.

Der Leib - geflügelt -
verbraucht sein Kerosin,
die Seele aber,
auf Schiene und Achse verlagert,
spart alles sogleich wieder ein.

Und wenn die Seele sich unten
zur Abwechslung
und für zwischendurch
eine Pizza bestellt,

vor irgendeinem französischen Schloss von der Loire,
das heute aber schon ganz woanders steht,
und wenn sie dann den Postbus verpasst
und den schweren Karton nicht mehr halten kann
und auch sonst in Nöten ist,
weil sie
allmählich
den Anschluss verliert ...

... dann kommt der Leib
mal eben
runter und rüber
zu ihr,
dann gibt er sogar sein überirdisches
on-board-Chicken-Sandwich auf und
entlastet sie schmatzend
und grinst
breit
tomatenverschmiert und fettig
über den ganzen Totenschädel.






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Julia Trompeter - 21. Januar 2015 22:43 Uhr

Selbst mit T9 wäre das auch nicht besser gelungen

Afterw orkgedichte , so
im Region alexpress zur Strecke
gebrac ht und einfach hinge-xt
wie Signalstör ung en
im T ext, a lso Semikolon oder
André Uneindeut i ch keiten
da mit kommt der DDD ic hter
um den größ ten Unsinn her um
den kt er und sie weiß mal
wiede r nicht, was hal ten VOR
dem Test ost eron, dem
alten C rashtestdummie
der E volut ion;

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Lars-Arvid Brischke - 19. Januar 2015 22:47 Uhr

niemand hat die absicht

niemand hat die absicht eine mauer zu vermissen
die mauer bröckelt
die mauer erhebt sich
die mauer schwebt
die mauer ist auferstanden!
die mauer heißt jetzt lichtgrenze!

die mauer prickelt
die mauer löst sich
von selbst
& völlig losgelöst
steigt die party steigt
über die mauer!
löst sich die mauer in luft auf?
die mauer döst
bis jemand gegen die mauer stößt
aber niemand hat die absicht an die mauer zu pissen
die mauer niest nicht
die mauer öffnet sich
die mauer schießt nicht

die mauer heißt jetzt lichtgrenze
& schwelgt in erinnerungen:
stahlbeton hochladen
schusswaffen runterladen
stacheldraht hochladen
scheinwerfer runterladen
achtung, achtung
schießbefehl hochladen
schutzwall runterladen

schutzwall heißt jetzt firewall
firewall ist abgebrannt
ein haufen asche zwischen ost & west
heißt jetzt wall fall profit

luftballons hochladen
staatsgäste runterladen

die mauer schwelt über den dingen
die mauer zählt nicht, aber sie fehlt
die mauer schweigt & wiegt sich im winde
im winde sirren die fahnen
doch niemand hat die absicht eine mauer zu hissen

pegida heißt jetzt peggy

Kommentar (21.1.15 22:25) lesen

 

J÷rg Meyer - 15. Januar 2015 5:42 Uhr

schreiben hier ...

... geht für mich nach wie vor nicht. nur direkt getippter text, kein copy&paste. schade ...

wort entrückt

Kommentar (15.1.15 5:44) lesen

 

Herbert Hindringer - 14. Januar 2015 0:47 Uhr

Himmelweiter Unterschied

Im Landscapemodus auf den Tag geschaut
dort lebt einer ganz still und um dieses Stillleben herum
stehen die Trauergäste, sie hielten ihn immer
für einen Träumer
summen sie und dann: Zeigen mit den Fingern auf die Reichweite
die nicht mehr aufrecht zu erhalten ist
er kam zu ihnen und sagte Buh

die Hände über den Köpfen am Regen, in den Schuhen
die Größen von Zahnschmerzen, auf dem Rücken der Name
einer Briefkastenfirma, einer spricht
von einer Zeit ohne Abwesenheit in diesem Leben
wahrscheinlich war er verstört, als die Sprache über den Redefluss gesetzt wurde
letzte Briefe von Matrosen hinter der Scheibe, darauf spiegelt sich
ein Containerschiff, das fünf Minuten Verspätung im Leben umständlich wegschafft
ein Dafürhalten, ein Wind, der für Atem angeht
singen sie und dann: Blumen falten und hinten dann einen Finger
diese Stelle anfassen lassen, wo die Natur endet

Familien verschicken an traurige Menschen, Hefte vollschreiben
mit neuen Familiennamen, die Angehörigen sind gefüllt
mit Anmerkungen zu Notaggregatszuständen, Licht ist etwas an der Haut, hängt da
wie ein Bart von Dostojewski beschrieben
am Zahnweh rechts vorbei und dann einen Brief zustellen
in der Wundregion im Regenwetter, an die flache Stelle in dieser Fülle
an diese unselige Helligkeit, verdorben nun

Kommentar (21.1.15 23:43) lesen

 

Lars-Arvid Brischke - 11. Januar 2015 11:50 Uhr

berli-noise xxi


berli-noise_xxi

happy new deer

Kommentar (11.1.15 15:49) lesen

 

Sophia Doms - 11. Januar 2015 8:37 Uhr

Die Rehe ziehen heim
auf satten gelben Fährten.
Die Engel pirschen
nebelrauchend
hinterher.

Am Feldrand stehn wir
überrascht
vor letzten Gärten.
In unsren Taschen wiegen
die Kastanien
schwer.

Wann wird der Regen
endlich
stärker werden
und uns ersetzen
unsre Tränenflut?

Wir stehn
vor einem Grab
mit trauernden Gebärden
doch weinen
weder Wasser wir
noch Blut.

Der Tankwart tritt
von einem Bein
zum andern
weist schließlich rückwärts uns
mit mazerierter Hand.

Wir
lassen unsre Blicke
vorwärts wandern
und fahrn
kopfüber
in ein neues Land.














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Werner Weimar-Mazur - 10. Januar 2015 17:02 Uhr

tonwechsel auf papier

an den tagen aus blau
und gelb in der nacht
schreit und flüstert
die stimme

ist das haus ein stahlgerüst
zwischen glas und beton
ziehen papiervögel
am himmel nach süden

dorthin wo das gold
auf bäumen wächst
und das gedicht am wegrand
bis ein wanderer kommt

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Andreas G÷▀ling - 7. Januar 2015 10:47 Uhr

Verrat

Du hast dein Talent verraten
Talent hat noch dein Verrat verraten
Talent nicht nur zum Verrat

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Werner Weimar-Mazur - 31. Dezember 2014 16:59 Uhr

neu jahr

im versoffenen dunst eines januarmorgens schaukeln
fragen nach dem sinn
des lebens nach zukunft
und den kleinen tierchen die sich
in deinem kopf eingenistet haben
gute gedichte gehen anders
leiser
weicher
hängen ohren über stille
landschaften fallen ein
mit den augen einer luchsin
siehst du klar
unter die schneeflockenherde
gesellen sich zwei aurorafalter
verglühend in ihrem leichtsinn taumeln sie
dir über lippen und stirn

Kommentar (18.1.15 22:59) lesen

 

Andreas G÷▀ling - 28. Dezember 2014 16:33 Uhr

Poolbar

Unter dem Wasserspiegel wienert er das Chrom
blank bevor er dir Smirnoff auf den Tresen
knallt die Augen in seiner Spiegelbrille sind
deine kopfüber hängen die Flaschen vor der
Spiegelwand spritzbereit während sie oben
vorbeigeht am Rand deiner Genpoolbar

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