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Werner Weimar-Mazur - 20. Oktober 2014 22:10 Uhr

hautstille | im gegenlicht

(für Friederike Mayröcker)

regenschirme treiben vorbei das leben
zahlt sich aus tage wabern
im sommerlicht wie algenteppiche
oder wasserlinsen im mäander
auf einem berg stand ich sagen wir
besser an einem abhang und
sagen wir der berg war parnass
und ich stürzte fiel in ein
thrakisches meer

am himmel kraniche oder silberreiher
helle vögel
vogelmenschen im gleißenden licht

du einsam in einer zwischenwelt ich
in einem zwischenmeer stumm
beobachteten wir einander

pan abseits spielte
auf einer knochenflöte
die gesänge von hühnern und gänsen

singschwäne zogen heran
schlafmohnlieder im gefieder
und in den schnäbeln eine goldene kette

alabaster
zylindrische farben* sagst du
und ein hotelzimmer in wien



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* aus Friederike Mayröcker: drei Traumwahrheiten oder: kein Wort mehr über Träume (Gedicht, in Friederike Mayröcker: Winterglück, Suhrkamp 1986)

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Andreas G÷▀ling - 16. Oktober 2014 10:36 Uhr

Man mahnt

Wieso klickst du dir Siebenfick
Wärst besser mädelmäßig Metapher
Grubst unter Wutmulden Burgen durch
Horch doch vor Ort bloß Gestotter

Ist das konsistent
Wer hat das konzipiert
Bedenk die Konsequenzen

Fährt Ford in dein klammes Tal
Aktien zu Äxten verhexen
Kipp die Karre übern Damm
Brüll wie verrückt alles Lügen

Ist das konsequent
Wer hat das konstruiert
Senk die Resilienzen

Urlaub im Urwald unter uns ungut
Wilde mit Einbaum in brauner Blöße
Bog sich der Mond modern in sich zurück
Alles auf Anfang aber haltlos

Wer hat das ersonnen
Ist er von Sinnen
Verlorn in verbotenen Wonnen

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Andreas G÷▀ling - 13. Oktober 2014 17:52 Uhr

Deine Mitte

Mit ner Geisha ins Getreide
nie mit zweien
Gebinde nur bis dir
das Bild durchläuft
Ne Tüte und du sägst
bis Johnny der Kater geht

Deine Gründe kühl
deine Taten temperiert
nur in dir ruhst du nie
deine Mitte ist Magma

Kommentar (13.10.14 22:14) lesen

 

Werner Weimar-Mazur - 9. Oktober 2014 22:08 Uhr

Krakatau

an hob das meer und der wind
fing feuer zu aschestaub
verflogen wie der heiße atem
eines drachens eines riesigen
seeungeheuers das nur darauf gewartet hatte
menschen zu fressen
und an ihnen satt zu werden

seismische stationen um den globus
schlugen aus herdbestimmungen
waren möglich ein epizentrum
wurde ausgemacht
amplituden und wellenlängen
eines anderen meeres als dasjenige
das du liebtest und an das du glaubtest

in der tiefe riss haut auf
zu spalten wie erdkruste
flüssigem gestein weg bot
nach oben entgegengeschleudert
einem blau am himmel
wir zitterten bebten
vor lust und angst

deine lippen formten eine fremde sprache
die eines albatros
der den wolken entglitt
dich in einen strudel zog
einen sog von erinnerungen
und kommendem
deine rechte wange zuckt manchmal im schlaf

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Andreas G÷▀ling - 9. Oktober 2014 9:09 Uhr

Irrlicht

Wärst du auf dem Weg geblieben
nicht dem Irrlicht gefolgt
nicht bis zum Gürtel eingesunken
du könntest wie bisher leben
auf federnd festem Grund
im Wachen schulterbreit

Das Irrlicht sah aus wie sie
ein Schemen mit ihrem Lächeln
ich wollte sie berühren
oder nicht mehr sein
sie umarmen und
nicht mehr sein

Berühre nur dein Phantom
Glühluft in deinen Armen
libellenzart ihr Lächeln
zieh mich hinab Geliebte
flehst du in ihr Phosphorohr

Noch einmal Libellen

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Andreas G÷▀ling - 5. Oktober 2014 10:17 Uhr

Nach Westen

Die Wälder im fernen Westen
schwingen im Wind wie Getreide
ein Leben lang marschierst du
und kommst nicht näher heran

Dann über Nacht zwischen Farnen
Welt der Libellen und Lurche
sie verschlingt dich auch wenn du
den fauligen Holzweg nicht mehr verlässt

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Werner Weimar-Mazur - 3. Oktober 2014 22:01 Uhr

Athen 1980

wir teilen tage und wunder
schlagen echsen die köpfe ab
und sammeln angespülte quallen
an ufern der meere

wir erklären uns liebe und gedichte
du sprichst über schnee
deine stimme schmeckt
nach dem honig des hymettos
der sich erhebt über der stadt
wie der rücken eines gestrandeten wals

ende oktober setzt regen ein
und schwemmt den staub
eines ganzen sommers von den straßen
dass die stadt zittert und bebt

in den metzgereien hängt
das fleisch von der decke
platons olivenhain ist erstickt
im lärm und gestank der autoabgase
erschreckt uns nicht das letzte aufbäumen
einer untergehenden zeit

um elf geht mein flieger

Kommentar (20.10.14 21:58) lesen

 

Werner Weimar-Mazur - 3. Oktober 2014 21:41 Uhr

luftabwehr

ein stück land
weiter im osten ein weg
aber wir schlugen
eine andere richtung ein
und trafen auf fische kormorane
schwere artillerie

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Andreas G÷▀ling - 23. September 2014 15:29 Uhr

Bufo bufo

Schon in deiner Kindheit stillgelegt
war der Springbrunnen im Park,
die Marmorschale mit Schnörkelsims
und dunklem Grund, in dem die Frösche hausten.

Seit Nächten ist er bis zum Rand gefüllt,
ein Grützeteich, mit Seerosen gedeckt,
auf dem Libellen tanzen, die Beine angezogen,
um den Zungen der Frösche zu entgehen.

Im Uferschlamm das Erdportal,
davor zwei Pilze wie dorische Pilaster,
im Schatten der blau geäderten Hüte Bufo
bufo, die Herrin des nächtlichen Teichs.

Wie füllte sich der Brunnen? Woher die Libellen?
Geheimnislos sind nur die Frösche,
träge treiben die Pilze durchs Wasser,
abgesprengt, als Bufo ihre Backen blähte.

Kommentar (3.10.14 21:25) lesen

 

Herbert Hindringer - 17. September 2014 0:31 Uhr

Die Nacht von Weitem

Von den Fahrrädern sehen wir nur die Lichtgeschwindigkeit
die Haare feucht vom Nebel sitzen wir auf einer Bank, ins Dunkle zu starren
die Fremden fahren auf uns zu und ob sie treten müssen, sieht man nicht
wir trinken aus einer Flasche, halten den langen Atem für Wind

dann sind die Nächte entzwei und die anderen in Schwarzseherei verwickelt
so lange ist das Licht nun schon vorbei, es bleibt nur ein Stromschlag
bis der Tag anbricht und unsere Häuser um uns herum wieder sichtbar werden
den ganzen Abend auf der Lauer verbracht und dabei verschlafen

in C minor, op. 111

Kommentar (3.10.14 21:28) lesen

 

Andreas G÷▀ling - 16. September 2014 9:56 Uhr

Alles was du brauchst

Wenn jedes Ding ist was es ist
Ist auch der Mond nur Gestein
Deine Zelle nur Mauer und Stahl

Ist auch das Lichtgekritzel
Das in dein Verlies einsickert
Nur Welle und Schliere

Ist das steinkalte Lachen
Aus dem Wachraum nebenan
Nur Atem und Schall

Ist ein Herz nur aus Fleisch
Alles was du brauchst
Wenn sie dich holen

Wenn

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Andreas G÷▀ling - 9. September 2014 10:03 Uhr

Zerspringen

Sei hart und böse zu dir selbst
Sei kalt und herzlos zu der Welt
Zieh uns auf wie Spielzeugtiere
Bis wir zu buntem Schrott zerspringen
Bemaltes Blech Federn und Räder
Lass sie liegen wie sie fielen
Gib dem Zerspringen keinen Sinn

Auch keine Weihe zweiten Grades
Sag nie fast wär es gutgegangen
Sag nur es konnte nie gelingen
Wir konnten nie anders als zerspringen
Es gab nie einen der uns heilen könnte
Gib dem Zerspringen keinen Sinn
Dann ist es wahr



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Werner Weimar-Mazur - 2. September 2014 21:45 Uhr

stadtpark

auf schlafbäumen der krähen
hör ich in den nestern lachende stimmen
im park gehen die leute auf dem kopf
manche sprechen mit enten
andere mit sich selbst
singschwäne schweben ein
im vollbild
einer großaufnahme von schnee
den der parkwächter bewacht
spuren von krähen darauf
und ihre stimmen darüber
ein letztes liebespaar
sucht den see
und will mit den fischen sprechen
unterm eis
wie unter totgetäfelten wänden
in einem anderen raum

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Andreas G÷▀ling - 1. September 2014 12:25 Uhr

Besessen

Nach der telepathischen Schändung
weinst du ein wenig
dein Gaumen wund
die Zunge wie rohe Leber

Die Erinnerung verblasst schon
als hätten Schatten dich aufgewühlt
Schatten in jeder Körperöffnung
Schatten in allen Poren Organen

Es sind keine Schatten du weißt es
keine Einbildung in deinen Eingeweiden
keine Ratten die deinen Rachen füllten
mit ihrer knurrenden kratzenden Präsenz

Danke mir nicht es ging nie um dich
ich fing nur dein Stammeln auf
bildsamer Stoff aus dem ich
diese Zeilen deiner Heilung formte

Kommentar (4.9.14 9:12) lesen

 

Andreas G÷▀ling - 30. August 2014 9:43 Uhr

Mondkalender

Bei Hassmond werfen eure Weiber
eisig weiße Hundeleichen

Bei Zornmond kriechen aus ihnen
kochendrote Katzenkleine

Nur unter dem Neumond kriegen sie
Kinder mit warmen Fingern

die nach Jahren bei Vollmond
die Katzen ertränken die Hunde begraben

und einander die Schädel einschlagen
worauf wir wieder Ruhe haben

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Andreas G÷▀ling - 28. August 2014 14:03 Uhr

Tuvalu

bin der Haarreif deiner Tochter
die du nie gezeugt hast ich

bin der Griff am Fenster
das du nie geöffnet hast ich

bin das Lächeln der Geliebten
die du nie umarmt hast ich

bin der Blutfleck auf den Fliesen
den du nie vergessen hast ich

bin das Wüstenlicht der Stille
die du nie gespürt hast ich

bin das Kanu auf dem Strom
den du nie bereist hast ich

bin das Labyrinth der Wege
die du nie versucht hast ich

bin das Rot des Fadens
den du nie gesucht hast ich

bin die Palme auf Tuvalu
die du nie bestiegen hast ich

bin der Klopfton deiner Sorgen
den du nie entschlüsselt hast ich

bin der graue Fleck auf deiner Karte
den du nie erforscht hast ich

bin das Ende der Geschichte
die du nie verfasst hast ich

bin der Schlüssel zu der Tür
die du nie passiert hast ich

warte auf dich





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Lars-Arvid Brischke - 27. August 2014 20:55 Uhr

berli-noise xx


berli-noise xx

mitte-girl, stoned

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Werner Weimar-Mazur - 23. August 2014 15:03 Uhr

troja

über die gefalteten dächer
wirft der krieg girlanden
ayhan schläft seit tagen
ziehen schillerfalter ins gebirge
liegen tarnnetze über karawansereien
und in den ebenen flugabwehrraketen
ayhan geht im traum
nackt zwischen soldaten
schläft der halbmond
hören die schmetterlinge
flüsternde stimmen in den bergen

drängen truppen
von allen seiten gegen die stadt
auch vom meer
täuschen weiße segel frieden vor
ayhan rudert ihnen entgegen
in simulationen
fällt soldaten das töten leicht
im häuserkampf richten sich die gefalteten dächer
noch einmal auf
später werden die dichter des landes
die schönheit der berge besingen
doch die schillerfalter kehren nicht zurück

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