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Markus Hallinger - 12. März 2010 9:48 Uhr

Permanenter Ärger

Du da Wer Du
Bist Du
Bistu Hirtenstab
Fingerring Käppi
aufgesetzt verrutscht
schief kollektiv
Duuhhhhh
konkret fiktiv
unsagbar
Wahres Du Ware Du
DuDu dust Gedue
Wow

usw.

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Markus Stegmann - 10. März 2010 22:12 Uhr

Barock ist der Pfahl, dann flieg, sagt Martha

Ein Pfund Schulter bittet Peter Barock an den Pfahl gefesselte Gans. Dann einer "Heben Sie das auf"-Gestrampel, aber der Helfer hatte Papiere verlorene Gabel. Ein Pech.

Solche Kometen, Maria, na, dann flieg.

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Markus Hallinger - 10. März 2010 7:19 Uhr


Reden von Oben herab,

über den Sozialstaat hinweg weht das Betroffenheitsgesicht
und dreht die Lippe krumm den Blick,
und hüstelt in die hohle Hand, was heißt, Gefahr ist im Verzug

wer jetzt noch in der Plastiktüte wohnt, kann froh sein,
dass er nicht in einen Leinensack gesteckt den Schlegel drauf verspürt,
wer unten rauskommt liegt im Dreck
und schleckt vom Boden auf was runterfällt, zum Beispiel Schnee

wer hautnah miterlebt wie diesen Winter Berlin vereist
und täglich die sieht, die sich weigern Schnee zu schippen,
den treibt die Sorge um das Schicksal alter Menschen um, was sonst

dagegen die, die täglich rutschen, rutschen täglich weg
und liegen Unten, ist ja wurscht

die Welt von Oben oder Unten angesehen ist doch als Kugel gleich,
und überhaupt man muss doch nicht ins Kino gehen,
ein Handy reicht für Drei

und fort...
auch auf Balkonen ist es schön, man stelle sich doch Blumentöpfe hin
und Essen aus der Tube schmeckt, ein Buch gibts aus der Bücherei umsonst geliehen,
die wenigen Meter lauf zu Fuß, so wird die Bildung frei, die Kinder in der Schul verfüttert,
ein bisschen Schlange stehen, mehr braucht es nicht,

die haben alle Zeit der Welt, die haben alle Zeit
der Welt.

noch roh und warm

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Jörg Meyer - 5. März 2010 3:04 Uhr

singen / sinken


sinkend gesungen

und sinke in die kissen,
in denen noch träume singen,
um neuen gesang
darin zu versenken.

keine tränenmeere mehr,
eher die stillen teiche,
wo traute, traurige nachen
heimllich im schilf verschwinden.

das haben die dommeln gesungen
im rohr, die alten songs
vom winken, von nacht
und dem mond überm see,

der silbern singt, denn
die weiden sind aus gold,
wenn sie in seinem schein
versunken schweigen.

so sank der tag in die nacht,
die vom tag sang
die schütteren lieder
unterm gesenkten haupt der himmel.


singend gesunken

"wie wolken um die zeiten legt" (friedrich hölderlin)

wie wasser sich ums wort gelegt, in eis
umschlossen über lang vergang'ne zeiten
als sehnenderes kyrie eleis,
bevor es singend sank ins sich verschweigen.

die teiche schließen sich noch fest um nachen.
des hades fährmann braucht 'nen packeisbrecher.
ich rufe ihn mit meines ruders sprachen,
und freud weist ihm den weg in den versprecher.

wir streiche(l)n ihm die wortverspielten zeilen
aus seinem fahrplan des zu früh versinkens
und handeln aus verspätung, ein verweilen.

die wolken legten zeit um uns're gläser,
in denen wir des totenschiffers winken
missachteten als trunk'ne wortverweser.

als video.poem

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Markus Hallinger - 4. März 2010 16:52 Uhr

Der Tag am Meer

erinnert mich. Dein Haar
wie leicht es wirkte und die Jahre vergessen ließ
die uns so verschieden machten
verschwanden wie die gefräßigen Möwen
die nur auf Beute aus waren
und am Strand lärmten.
Die Mauersegler im Sturzflug
waren nur ein Gedanke in den Archiven
weit entfernt.

Kommentar (5.3.10 10:14) lesen

 

Lars-Arvid Brischke - 1. März 2010 21:49 Uhr

merz

zwei mäuse
nagen an meiner wurzel
tag & nacht
auf arbeit & zum vergnügen
stürze ich mich
in meine abgründe
schlängeln sich gifte, breit
immer breiter wird der fluss
rücken des elefanten
der dich abschleppt
o meine geliebte
stadt
um über die ufer zu treten
mischen sich schmieröl & bier
inmitten einer flut von gärten
häng ich
überschwänglich
am goldenen tropf.

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Markus Hallinger - 26. Februar 2010 21:50 Uhr

Hamma alle

haste gelesen haste
den Falb die Rinck die Scho
den Bleutge haste den Jandl haste
an beiden Beinen den Vers
haste Artmann & Co

meinste den Kling haste
am Fuß den Fuß von Pastior
im Ohr den Beyer haste
den Benn haste nicht
haste vergessen

Kommentar (1.3.10 15:43) lesen

 

Ernesto Castillo - 24. Februar 2010 17:00 Uhr

leviathan II

s schlamm lecken unterm hunger
nach himmel der kreatur s kopf
über hängend am löslichen hier
s steht in die tiefste verwirrung
geschrieben divided we fall aber
kadaver wieder auf dem gleichen


haufen geschichte s gesetz das uns
gleich macht s elend als grund
lose suche zum grunde zu kommen
ihr seid was wir waren ihr werdet
was wir sind together we stand als
knochen werden wir wieder grund

verstiegenes

Kommentar (24.2.10 17:57) lesen

 

Thorsten Krämer - 23. Februar 2010 10:00 Uhr

Dallas

Der hybride Größenwahn: Luft und Stahl
errichten diese Stadt, der Kranführer
als Freimaurer, die geheimen Handzeichen

zentnerschwer. Oder Tetris, ein Lücken-
text in drei Dimensionen, die Geschicklichkeit
des kleinen Fingers. Wie lange die Spucke

braucht bis zum Boden, und jedes Fenster
eine Einladung. Das sind so die Gedanken
in der einsamsten Pause von allen.

The Democratic Forest

Kommentar (7.3.10 9:49) lesen

 

Markus Hallinger - 21. Februar 2010 12:36 Uhr

Dorf, früh am Morgen

Die Landschaft sammelt sich
schief im Nebel stehen
die Gewächshäuser zappelnde Bäume
wispernde Espen. Aus den Vorgärten
klettert das Licht ins Haus
schlägt dir die Hände vors Gesicht
bleibt altdeutsch in der Stube sitzen
zählt Sonn- und Feiertage
fleißige Lieschen. Barbies heimlicher Versuch
ins Schloss zu kommen
zählt nicht.

Stimmungen

Kommentar (4.3.10 16:48) lesen

 

Markus Hallinger - 18. Februar 2010 9:20 Uhr

Dorf, Hinten

Ein Hof drumrum Holzplätze Revier
weiter entfernen Ziegelwege keine Verköstigung
sagen auch Die wo hinter der Tür
noch eine Tür ist hinten.

Kommentar (18.2.10 18:29) lesen

 

Herbert Hindringer - 16. Februar 2010 20:06 Uhr

B.


bente

Frauen

Kommentar (18.2.10 18:30) lesen

 

Ernesto Castillo - 16. Februar 2010 19:06 Uhr

meine tägliche arbeit am tier

der beste freund des reh's bin natürlich nicht ich - das verstösse ja auch gegen seine wie meine natur - es ist selbstredend der bock. seltsam genug, das mich beide für einen guten freund des jeweils anderen halten und allzugerne über das seltsame doppelwesen philosophieren, diese chimäre, die sie in dieser freundschaft sehen. auch dies geht natürlich immer auf meine kosten, was nicht verwerflich ist - füttern ist teil meiner arbeit und sie fressen am liebsten, was sie selber nicht anbauen können. beide kennen ja nur ihr tierisches handwerk, das handwerk des jägers übersteigt ja unbedingt ihren horizont. auch können sie ihren wald, der unter anderen meiner ist, ja nicht verlassen. also steht mir ein dasein in der chimäre als beuteteil wie sie in ihren augen gut zu gesicht. ich habe ja den verdacht, das sie glauben, sich so ein bischen in einen jäger verwandeln zu können im zusammen gesehen werden mit mir vom jeweils anderen. also gebe ich beiden jeweils und immer, was sie am liebsten haben - dem bock bockige sprüche und dem reh gewalttaten. und dann laufe ich rasch zum anderen, um zu erzählen, was der sowieso schon über den anderen zu wissen glaubt, damit sie ihr chimärisches dasein auch ordentlich lieben können und einer folglich den anderen umso mehr. dabei erfahre ich so einiges über sie, was sie ohne das "spiel" , wie sie ihr fressen gerne nennen, nie preisgeben würden.
das geheimnis der guten tierpflege liegt eben in der verwaltung, meiner täglichen arbeit am tier.

im huntergrund 5

Kommentar (18.2.10 18:34) lesen

 

Markus Hallinger - 16. Februar 2010 9:32 Uhr

Außer Haus

endlich gingen wir unter
mit einer tüte popkorn im kellogszoo
tauchten wir ab bei den flusspferden
schwammen wir hilflos
der kommende tag war längst zusammengefegt
nur nachts brannte das licht noch im flur
die hereinstürmenden flusspferde
fanden einen abgeräumten tisch vor
einen zettel und einen stift

Kommentar (16.2.10 15:14) lesen

 

Crauss. - 15. Februar 2010 23:46 Uhr

ichdich. ndliebenundarbeitenu.

was mag zwei photographinnen bewegen, sich an allen orten, an denen sie sich aufhalten, gegenseitig zu photographieren?

in zinnowitz: barfuss am strand; in udine: auf dem balkon (waschmaschine, tisch und bogenhanf); in warnemünde: das hemd über den kopf, die jacke im nacken - aber mit blick aufs neptun-hotel; in templin: nackend den waldweg entlang oder die arme rückwärts um einen baum geschlungen (gefesselt); in bremen (man stellt sich vor: bei den schwiegereltern): auf dem bett/ im bett - die falten im laken/ die falten über der nasenwurzel; in berlin: einkaufen­amsonntagderladenhatzuundärger, aber dann - einerasende fahrt im einkaufswagen über den platz; in london: akte auf weiss und rote akzente; berlin: blümchenbluse, grüne jacke - wer ist wer? leipzig: ein fröstelndes gutenmorgen-doppel, du oben ohne und ich mit stall in der nase; templin: mauer in backstein verwaschene 70er (kindheit); prater in wien: ichwillaberdenteddygewinnen und die nase im schwung mit den gondeln nach oben; in kühlungsborn auf dem gang mit mütze obligat: dösen im anstaltssessel, horchen auf was wächst im teppich; berlin: tarn und geschliffene altbauwand (da ist die rote akzent-blume wieder); in warnemünde: diesmal leibesertüchtigung mit ball und insichversinken mit muschelgedanken; berlin (das vorher war wochenende, jetzt ist schon winter): weihnachtsbäume, frau mit fahrrad; berlin: busen/ kein busen; berlin: melonen! fueltas: felsen... berlin: bisschen lebloses frisieren, geniessen und prüfen; schmalbeerbach: schönes portrait auf der wiese (butch bedeckt brust) und wo ist die kuh? in darmstadt: im schwimmbad gekillte nach vornüber auf startblock und ladykiller in rückenlage (platsch! und dann lachen und glucksen); milch= butchbärte (bäuerliche) in lehnitz; la playa: das mit der wiese, das mit dem felsen, diesmal nicht nackt; darmstadt: amt und amts-warte-ermüdung; oberbeerbach: wildsitz und wäschetausch, kräftige farben (kräftiger als echt, weil retro) (das reh!); kuralpe: weinen im altenheim (butch bedeckt brust vor farngardine) - was läuft heute im fernsehen? berlin: schwarzweiss-poser auf strasse; kuralpe: nackt diesmal, gerötete wangen (beide) (danach!); verschlafen in berlin oder müde vom kariert-renovieren; la puntilla: ebenfalls; neutsch: ein wohnwagen am waldrand; balkonfüsse und fahrrad-nach-oben-gespräche (berlin); berlin: butch mit abgebundener brust, verwandlung im treppenhaus (west); spätabends (berlin): granatapfel-pokeln, gemütliches einschlafen am küchentisch ("liebst du mich?" - "hmm..."); nochnichtaufgewachtsein in darmstadt: der körper, das theater; teneriffa süd: abflug s/w; lautertal: hocken im gras und giessen die blümchen; in san sebastian: schaurig verbrannt-gelb und müde (müde) (die sonne geht auf).

Barbara Dietl/ Anja Müller: ichdich. ndliebenundarbeitenu. tübingen: konkursbuch verlag Claudia Gehrke 2006

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Ernesto Castillo - 15. Februar 2010 18:52 Uhr

grenzen über freunden


grenzen

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Jörg Meyer - 15. Februar 2010 3:20 Uhr

stammheim: es ist angerichtet

"welche niedrigkeit begingest du nicht, um die niedrigkeit zu tilgen?"

was haben wir angerichtet,
wir kinder der revolution,
von ihr aufgefressen,
blutbadend?

was träumten wir auf den unruhigen,
spärlichen, stinkenden pritschen?
was wären wir, wären wir
aufgewacht, alpträumend von den auschwitzs?

die vor uns waren, von uns nicht
und also auch verschuldet,
weil wir unseren fleischlich-faschistischen vätern
die zeugung unserer revolution

verrieten und unseren müttern
den nämlichen mund nebst dem bund verboten.
wir sangen, wir liebten
in zellen der genfer konvention.

und weißt du, genosse, was wir wahrlich
erlitten, was wir zerspeichelten, zerschlissen,
den kassiber schluckten vor den mördern und mauern,
die wir werden mussten?

"ihr, die ihr auftauchen werdet
aus der flut", stammheimelt uns brecht zu.
sind wir die, die auftauchen,
oder die in die kalkgruben untertauchenden?

"wir wären militärisch gern effizienter gewesen."

nachholende Revolution

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Ernesto Castillo - 14. Februar 2010 18:26 Uhr

tuch blau

nichts erinnert die frühe gestalt
s erste verlaufen im skythischen traum
gleich hinter halle s wüste gelände

spiel mit karte kompass und kind
s werfen der würfel wohin s auch ging
über kartoffeläcker tief unterm tuch

blau am hals s pochende nichts
des reiternomaden s wilde entschlossen
sein anstatt eine wahl zu haben

später im licht das sich festfrass
westwärts in wucherungen der falschen
kontur über den dürren knochen

Kommentar (18.2.10 18:41) lesen

 

Daniel Ketteler - 13. Februar 2010 11:21 Uhr

Berlin

Angeschossen sitzen alle da,
schlafen könnten sie zuhause
nicht. Die letzten Leprösen
Deutschlands, sie treffen sich am
Hbf, scharen sich ums Frühstück,
verrotten um eine gerade geschossene
Hamburgerbulette. Und Kaffee juckt, die Haut,
sie brennt, was Ärztemund nur Hepatitis
nennt. Wer will mir glauben, was ich sah,
als es 5:30 bei McDonalds war.

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Jörg Meyer - 12. Februar 2010 0:59 Uhr

SCHWANZLURCH

Die Angst vor dem noch nicht geschriebenen täglichen Text ist eigentlich eher die Angst vor dem auch noch nicht für morgen geschriebenen Text. Für heute wird einem schon was einfallen, zur Not "TEXT über TEXT", aber was kommt morgen?

Die heutige Angst vor dem Text nicht von heute ist eigentlich die Angst vor dem Leben von morgen, vor dem wieder aufstehen vom Lager nach der Verfassung des Textes von heute und dessen Ablagerung im Netz.

So sinnierend flattert aus der Netznachrecherche zum jüngsten Brüller des jüngsten Brüllers des so genannten Literaturbetriebs, nämlich Helene Hegemanns Auftritt in de "Harald Schmidt Show", ein Wort ins Word-Fenster, aus dem man was machen kann:

SCHWANZLURCH

Wie nämlich die fleißigen Feuilleton-Kollegen, bemüht, den "Fall Hegemann" einigermaßen ballflachhaltend in die Zeitungsspalten einzuschießen, artig recherchiert haben, ist SCHWANZLURCH die Gattung jener Axolotl, die Wunderkind H. einem literarischen Roadkill zuführt - um mal im Feuilleton-Sprech, also im Bild zu bleiben. Und: siehe da: Der SCHWANZLURCH aus Mexiko hat die Strategie herausevolutioniert, im Larvenstadium zu verharren und so ewig jung zu bleiben, was ja nun wiederum hervorragend zum "Fall Hegemann", zum "Fall Literaturbetrieb" und zum "Fall Jungstars" passt. Okay, denke ich, mag sein. Mich fasziniert eher der kraftausdrückliche Klang des Wortes. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen:

SCHWANZLURCH

Das klingt einerseits stubenhöckrig hautbleich, andererseits irgendwie notgeil onatorisch-onomatopoetisch. Du meine Güte ...



SCHWANZLURCH

Schwerst lurch-schlau ist auch Hegemanns "Geständnis" zu den Plagiatsvorwürfen, sie arbeite eben zeitkonform intertextuell. Das ist die einzig richtige Entgegnung auf einen Betrieb, in dessen Diskussionsstereotypen nur zu deutlich wird, dass es sich um eine Neiddebatte handelt à la: Schade, dass ich nicht auf diesen "Flow" gekommen bin, und umso besser, dass es ein anderer war, aber nicht die gehypte Hegemann. Sogar Kollege Florian Voß retourkutschiert im Forum der 13, die Hegemann habe schließlich bei jemandem abgeschrieben, der "nicht über eine Veröffentlichung im SuKultur Verlag hinausgekommen sei". Subtext: War ohnehin Schrott, was sie gecopyt & gepastet hat - insofern ...

Schwanzlurchgeil ist dennoch das Intertextualitätsargument, das der Hegemann aus dem eigenen, auf Zeitgeistlauschen getrimmten Kopf entsprungen sein dürfte, kaum als nachträgliche Rechtfertigung irgendsoeinem abgehalfterten Lektoratslurch, der ohnehin auf Worte wie SCHWANZ, nicht aber INTERTEXTUALITÄT steht. Der Text ist der Hirte, nicht sein Autor. Endlich jenseits von dem kleinbürge(r)nden Urheberrechtsgedanken mal einsehen, dass Texte Eigenleben haben, dass AutorInnen allenfalls ihre Erfüllungsgehilfen sind - oder Hebammen. Das auch gegen das Gegreine, dass sich im Internet alles kopieren lasse. Ja, hallo! Eben das ist das T(r)olle am Internet, am freien Fluss der Daten und Texte. Dass eben alles mit allem zusammenhängt und dass das sich endlich auch formal spiegelt.

Wahrscheinlich muss man aber ein SCHWANZLURCH sein oder etwas von ihm haben, von diesem Dauergelarvten, von der Einbürgerungsunwilligkeit ins Leben, wovon, so höre und lese ich (ohne ihn gelesen zu haben), ja auch Hegemanns Roman handelt.

Leider bin ich infolgedessen auch mit dieser schwanzlurchig pubertären Meinung natürlich nicht allein, hänge am Rattenschwanz all der mit mir das Lurchige Bekennenden. Aber egal, immerhin hat

SCHWANZLURCH

das heutige Textfenster bereits trefflich gefüllt.

Der Fall Hegemann

Kommentar (13.2.10 11:31) lesen

 

Florian Voß - 11. Februar 2010 19:49 Uhr

Der Fall Hegemann

Jetzt haben sie Sie also erwischt. Die hochgejazzte Jungautorin Helene Hegemann hat abgeschrieben, und offensichtlich nicht zu knapp. Wenn man dann noch bedenkt, dass Ihr Text eine Mischung aus schlechtem Stil und Hochliteratur-Passagen ist... wir wollen nicht drüber grübeln. Aber die Jungautorin nimmt´s nicht schwer: recht locker merkt Sie an "dass der Entstehungsprozess mit diesem Jahrzehnt [der Nullerjahre] und den Vorgehensweisen dieses Jahrzehnts zu tun hat, also mit der Ablösung von diesem ganzen Urheberrechtsexzess durch das Recht zum Kopieren und zur Transformation."
Lustigerweise ist das in etwa auch die Position von Herrn Mangold in der ZEIT. Dieses Wochenblatt hatte in den letzten zwei Ausgaben der Debütantin zum einen eine lange Buchkritik und zum anderen ein mehrseitiges Porträt gegönnt. Da ist es natürlich schwer zurückzurudern.

Also alles egal, Klauen ist in Ordnung. Und wenn der Beklaute dann nicht über eine Veröffentlichung im Sukultur-Verlag hinauskommt, dann hat er eben intertextuell PECH gehabt.

Was mir allerdings nicht in den Kopf will: wieso stehlen die einfallslosen Autoren heutzutage immer bei lebenden Zeitgenossen (Tellkamp scheint ja auch so ein Fall zu sein). Wieso plündern sie nicht beispielsweise einen Drogen-Text des in diesen Landen wenig bekannten, und des vor allem bereits verstorbenen Autors Harald Norse, oder noch besser irgendwas prä-post-modernes aus dem Expressionismus. Das wäre doch viel unauffälliger. - Wahrscheinlich wollen sie ertappt werden, die kleinen Betrüger.

Diskursmaschine 1

Kommentar (14.2.10 18:56) lesen

 

Jörg Meyer - 9. Februar 2010 22:13 Uhr

verse der verlorenen inseln

seid vorsichtig, ihr parzen, wenn ihr den faden spinnt, ihn zu schneiden

yacht, windig, ozean
der übriggebliebenen inseln,
unbewohnt, steilküstiges
robinsonar.

die yacht ist wie ein haus,
wellen bringen sie nicht ins schwanken.
drinnen, in der wanne drängeln sich
die haifische sardinendösend.



feueralarm, ausgehend von den
festplatten: wir retten die wichtigsten
bücher, die auf dem teppich blieben,
dem papier.

der erfinder des schießpulvers hat den pullover
so leger um die schultern
gewunden, dass man seine wunden
nicht sieht am handgelenk.

verzuckerungsprozesse zwischen den speckinseln.
es verbietet sich,
das schwein zu schlachten, solange es noch spart,
durch die tür zu gehen, solange

sie noch sperrt,
maul nachäffend ihr schloss,
der stift
als schlüssel.

der griechische philosoph
hat jahre darauf verwendet, mecklenburg-
vorpommerisch akzentfrei
zu dichten. stimmgabel (zwischen den zehen).



ozean, schwindelig, schwankende yacht,
der skipper bekifft,
die spanten mürbe,
unzüchtiges mehrjungfraugirlie am bug.

stripteasylistening den schößen
des gedichts, wie sie damasten
rascheln. heu in den scheunen
der liebe mit hang zur selbstentzündung.

wie ein u-boot, über dem, abtauchend,
die wellen beifall klatschen,
der duschvorhang leinwändisch schimmelt
und wir grundlos kentern.

www.schwungkunst.twoday.net

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Markus Hallinger - 9. Februar 2010 18:46 Uhr

Erste Wäsche

Die geöffneten Arme Körbe Arme
vor der Brust Hände nichts Feines
Grobes verschleiert Berenice, -
Trude hieß eine, Isabella, die Jüngste,
roch ausgekocht, unter Dampf
tropfte das Leinen, plumpe Säcke,
gebunden, fielen um. Junge! das waren
gigantische Teile, Hände, Schaufeln langen zu;
Fangarme, schwere Kaliber, auf und
ausgekocht. Das Haar ausgesetzt, oder
Zöpfe zu Türmen gebunden, gegen
die Kopfnahme unter Tücher gesteckt.
Wäscheklammern klimper(te)n, läu(te)ten,
bis Ptolemäus heimkommt. Endlich.

die alten Geschichten

Kommentar (9.2.10 20:47) lesen

 

Sophia Doms - 7. Februar 2010 13:07 Uhr

Paris

station 1:
Unbeholfenheit - nachdem Du über die Treppen des Parks von Belleville abwärts gegangen bist, durch die Laubengänge und Spaliere, diese Hitzeschutzschilder, und wieder an einer steilen Straße stehst, die bergabzugehen Dir angeraten scheint. Du weißt nicht, wo Du Dich wähnen sollst, ob in Frankfurt oder in Mainz hinter dem Theater oder an einem anderen Ort, an dem man vergessen hat, der Langeweile der gähnend weißen Flächen anders abzuhelfen, als durch bunte, halb durchsichtige Plastiksäcke, prallgefülllt mit Umzugsmüll, Auszugsmüll und mit ungelesenen Kontoauszügen, Verwaltungsbögen des Mangels, der nicht mehr wird, aber auch nicht weniger.

station 2:
Unbeholfenheit - nachdem Du auf den Montmartre gestiegen bist und nichts gesehen hast als graue Tauben, die sich vor dem turmgewordenen Herzen Jesu fürchteten und deshalb schnell darüber wegflatterten. Nun folgt Dir unauffällig und langsamer als alle Touristengruppen, der noch leere Montmartobus, laut pocht in den Reifen sein Herz auf den Pflastersteinen und fragt, unausgesetzt, ob Du nicht einsteigen willst, Dir aber fällt, gerade jetzt und gerade hier auf, dass Du Unglück hast, und Du wirfst eine Münze, ob Du es weiter haben willst oder nicht und sie entscheidet - ja!

Unbeholfenheit - und ein Lebenslügentraum: Du bist auf den Père Lachaise gegangen und hast den Ausgang nicht mehr gefunden, dafür eine Ruhestätte, ungeheuer und überflutungsgefährdet im Columbarium, unterstes Stockwerk, schräg hinter dem Treppenabgang. Aber es haben Dich die Toten dort nicht haben wollen, sie konnten nichts mit Dir anfangen, Du sprachst auch zu schlechtes Französisch.

...

Da wollte es das leere Universum, dass die Pariser Totenstädte Verbindung miteinander aufnahmen und dass Dir Sartre (oder war es doch Simone?) mitten auf den Weg des Père Lachaise einen der vielen Metrofahrscheine zuwehen ließ, die auf seinem (und ihrem) Grab liegen. Und indem Du ihm folgtest, fandest Du den Ausgang.

Kommentar (9.2.10 21:16) lesen

 

Markus Hallinger - 7. Februar 2010 9:41 Uhr

Feidman

Der Mann beinahe krumm wie seine Bassklarinette,
die er vor sich her über die Bühne trägt,
trotzt den Köpfen der Lokalprominenz, 400 Stück
der mittleren Generation,
das sind gefühlte 50% der örtlichen Bevölkerung.

ich war dabei

Kommentar (18.2.10 11:40) lesen

 

Markus Stegmann - 6. Februar 2010 23:49 Uhr

Kehlchen

Sass ich am Senseneck, am Besteck, entkleidete einen beleibten Oktober, der mit Bohnenknochen den Schleifstein fütterte, und bevor er starb, noch ein Rotkehlchen als Kleiderkleber am Mund erwischte.

Kommentar (19.2.10 21:42) lesen

 

Markus Hallinger - 6. Februar 2010 10:28 Uhr

Tippübungen. Altherrenverrenkungen.

Die Schuhbänder gebunden im Sitzen.
Das Generationsproblem stößt an den Bauch.
Die alten Säcke. Dazu der Altersgeruch
beim Betreten der Zimmer. Substantivierungen.
Schoner. Filz. Aus den Sesseln heraus Pfürze.
Gerüche schwanen. Schwäne. Nichts Gutes
segelt ab mit roten Ohren zur Tugend.
Die Zigarrenasche tropft auf den Teppich. Darunter Dielen.
Knarzendes Verlangen. Flüssiges Rauchen.
Open Office gekonnt an der Periferie
des Unwahrscheinlichen. Perfide Perfektion.
Null Komma null Nix asymetrisch.
Nixen wixen Maulaffenfeil. Lyrische Bäume.
Gewicht auf der Waage. Gut austariert
ruft der Kling Klong zum Teetrinken.
Warten auf den Abgang der Bärenkekse.
Dazwischengeschoben: Ein Liebesgedicht von Catull.
Die Sammlung an Essdeckchen am Tisch.
Rahmen. Verblichene Daten.
Vor dreißig Jahren war das auch nix.
Lauter Raketen Raketen Raketen, und Zikaden.

Kommentar (7.2.10 9:30) lesen

 

Crauss. - 5. Februar 2010 15:05 Uhr



nachtradiointerferenz, und du hörst statt Horacio Vaggione: "maquina de cantar" Fasio Vaggione: "macchina di canzone"

dennoch gefunden: http://twicezonked.blogspot.com/search/label/Horacio%20Vaggione

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Karla Reimert - 5. Februar 2010 11:41 Uhr

Der richtige Standpunkt für den Asakusa Tempel, Tokyo

Dreimal habe ich mein Videokamerastativ aufgebaut und wieder abgebaut, bevor ich den richtigen Standpunkt gefunden hatte. Einen, der es mir erlaubte, die Rituale und Gebräuche im Asakusa-Tempel richtig aufs Bild zu bannen.
Zuerst versuchte ich es am Eingang unter dem großen Tempeltor. Ich zoomte auf die belebte Fußgängerzone vor dem Tempel, auf der Händler alle möglichen Souvenirs und Nahrungsmittel feilbieten in dem Versuch herauszufinden, wo der Übergang zwischen dem profanen Gewerbetreiben vor dem Tempel und die Heiligkeit des Tempels nun genau stattfand. Ich dachte, diese Passage müsse in einer Veränderung von Haltung und Aufmerksamkeit der an mir vorübereilenden Gläubigen leicht festzustellen sein.
Ich zoomte rein und raus, aber auf dem Bild war nichts zu sehen als Leute, die Dinge kaufen und dann weitergehen, um zu beten.
Ich stellte meine Kamera auf die Stufen des Tempels und zoomte an die Feuerstelle im Eingang heran. Viele Gläubige kamen und gingen. Ich hielt genau auf ihre Hände drauf und sah auf dem kleinen Bildschirm, wie sie rote und schwarze Räucherstäbchen in einen mit Sand gefüllten Kessel steckten und sich aufsteigenden Rauch in die Kleider fächelten. Im Prinzip ein guter Ort. Mit einer drei Millimeter nach links gerichteten Drehung meiner Kamera sah ich, wie sie Schöpfkellen mit Wasser aus einem heiligen Brunnen füllten und daraus tranken. Ich drehte die Kamera um und filmte die Gläubigen, wie sie ihre Hände zusammenfalteten und vor der Statue eines Gottes Gebete murmelten. Irgendwie wollte sich dennoch aus Rauch, Wasser, gefalteten Händen und Gemurmel kein Bild davon ergeben, was denn nun die Essenz dieses Ortes ausmachte, so schaltete ich die Kamera wieder aus, baute das Stativ ab und an anderer Stelle wieder auf.
Natürlich ist nichts schwerer zu filmen wie eine fremde Religion, das weiß ich schon, aber ich wollte die Hoffnung nicht aufgeben, eine Hoffnung, die sich irgendwann so anfühlte wie Wut. An diesem Nachmittag verfilmte ich so viel Material, dass ich keinen Film mehr fand, als ich einige Stunden später die Nihon Budokan Arena besuchte. Für die dort abgehaltene Kendo Stunde musste ich ärgerlicherweise über meine Fehlversuche aus dem Asakusa-Tempel drüberfilmen. Ich filmte einen fünfjährigen Jungen, der mit weit in den Nacken gelegtem Kopf durch die riesige Arena tanzte. Er hielt sein Kendoschwert in den Händen und drehte sich unermüdlich um sich selbst, als sei er ein kleiner Kreisel. Wenn wir nun von den Rotationsgeschwindigkeiten der Gebete sprechen, ihren Auswirkungen auf die Rotationen unseres Planeten, so werde ich immer an diesen Kendo-Krieger denken.
Natürlich kann ich das im Film nicht verwenden, weil die Bilder qualitativ nicht gleichwertig mit einmal belichtetem Material sind.
Auch wäre der Schnitt von der Atmosphäre eines Tempels zu der einer Kampfsportarena zu gewaltig, um ihn in einem Reisevideo unterbringen zu können.
Aber mein Kopf ist viel besser als eine Kamera und so belichte ich die Geschichte einfach in gleicher Qualität doppelt, lege gute Musik unter, und schiebe ganz langsam den Jungen aus der Nihon Budokan Arena in den Asakusatempel hinüber, wo er neben dem Räucherbecken und dem heiligen Brunnen für immer im Kreis tanz wie unsere Erde.

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Markus Stegmann - 3. Februar 2010 23:06 Uhr

Fleischiges anders

Als ich kein Herz mehr von dir wusste, keinen Boten mehr erkannte, aus Stirnen lampenlose Schädel wurden, als dies alles war, drückst du mir Tabletten ins Blut. Unsere Gaumen, Gewehre mit Gurten über den Schultern. Es war was Fleischiges am Schluss. Fleischig, es war Fleisch, das wir voneinander hatten.

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