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Markus Stegmann - 16. April 2014 22:16 Uhr

Ausgestrichen

Licht aus Kalk
und leergefegtem
Strand rings reihen
sich farbige Gräser
vermalt zu Pulver
angerührt wieder
ausgestrichen auf
der Rückseite der
Baracke als sei
dieser Ort
stiller noch
als vorne
das Meer

Zu Willem de Kooning: Rosy-Fingered Dawn at Louse Point, 1963

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Lars-Arvid Brischke - 28. März 2014 23:16 Uhr

totentanz n. b.

endlager wendland. im elbholz
verletzt, aber schön
mit zigarillo im mundwinkel

ascht er dem brackwasser
letzte wortfetzen zu, den abgebrannten
brennstäben ausgeliefert, er

rauche zuviel, das sei keine frage
der besinnung, sondern des befindens
schwarz vor augen einen fauligen müllsack

im schlick begegnet ihm atemlos
seine lunge zum abschied
bleibt ihm erinnerungsschärfe

& kein anderer anfang als der
eines neuen gedichts
zeichnet sein ende genauer: nichts

kann ihn hindern
nach dem anzünden der
nächsten zigarette
alles prima zu finden
.

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Andreas Gößling - 26. März 2014 21:56 Uhr

Am Turm vorbei

Durch den Wald: einsam, die Kühle
der Buchen, ihr zaghaftes Grün über
vorjährigem Herbstlaub: Bräune, nicht
einsam, nur gläsern, ohne Kraft.

Hinter mir, unter mir der Ruf
meines Vaters: nicht antworten,
nicht gläsern, nur ziellos, ich
bin ein Junge voller Hass.

Mit dem Stock, der mir scharrend
nachschleppt, Laub wirbelnd,
in meiner Hand vibrierend,
wie er den Boden furcht:

ein Teufelsschwanz, nicht antworten,
nicht umkehren, weiter hangaufwärts,
wohin denn, wohin nur, auf diese
Frage ist Verlass.

Der Acker in jenem Sommer:
von gleißender Schwärze, in den
Furchen die Dohlen, dann die Mauer,
dahinter der Wald.

Seine Kühle kathedral, tief darin
mein Dornenturm, mein Rosenfeuer
kopfhoch knorrig, mein Unterschlupf
seit immer schon.

Wie gestern erst in meinem Turm:
Maria und der Dunkle, den ich
vor langer Zeit vertrieb.
Maria war so lieb.

Doch ich spürte keine Liebe, nicht
für sie, für ihn nicht, der mich von
unten rief: Wohin denn, wohin nur,
am Kindheitsturm vorbei.

Mein Prinz, du lebst in diesem Schloss?
Sie war Magd, und sie kam ungefragt,
ihre Haut so weiß, ihr Kleid so weiß,
ihr Mund so rot, der Dunkle tot.

Der Dunkle: strich um meinen Turm herum,
rief: Mein Freund, und ich spürte nichts für ihn.
Nicht einsam, hangaufwärts, und der
Teufelsschwanz vibriert in meiner Hand.

Seine Haut verbrannt und
Marias Haut so weiß, so weich
in meinen Armen, hab Erbarmen
und sie entkamen: Maria, Lia, Pelleria.

Der Dunkle nicht, ein Junge wie aus
Schlamm, ein glatter Stamm,
sein Blick: schwarz wie das Loch,
in das ich seinen Körper warf.

Ein Wilder, nur im Wald zu Hause,
im kathedralen Grün, in meinem Feuerturm,
und er rief: Freund, und ich spürte nichts für ihn,
nur Hass, nur darauf ist Verlass.

Mein Prinz! Sie kniete nackt, mit blondem Haar,
das war im letzten Jahr im Dornenturm und
unten rief mein Vater: Wohin denn, wohin nur,
und ich rief: Leck mich, das galt beiden.

Hangaufwärts, mit dem Stock, der mir scharrend
nachschleppt, dann die Lichtung, und sie sagen:
Wir dachten schon, du kommst nicht mehr.
Der Weg war schwer.

Aus alten Truhen

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Yulia Marfutova - 18. März 2014 15:37 Uhr

Schwimmen

Die Großeltern konnten nicht schwimmen; wie sollte man das wissen, wenn man so oft ins Schwimmbad ging, jede Woche mindestens ein Mal. Großmutter hatte Rheuma, hielt sich das Kreuz, wenn sie vom Beckenrand zusah, wie Anna ins Wasser sprang. Stand in einem schlichten Badeanzug in der Sonne, immer mit Ratschlägen parat, wie man Atem, Arme, Beine zu koordinieren hatte, ein strenges Schwimmregiment vom Beckenrand aus, bis sie Anna den Frotteemantel reichte und es Pommes in einem Pappschälchen gab. Großvater ging ins Wasser, aber nur so tief, wie seine Beine den Boden berühren konnten. Hielt sich dicht am Beckenrand und machte Bewegungen, die eher einem Hund im Wasser glichen, als denjenigen, die der Lehrer in der Schule gezeigt hatte. Die Großeltern sagten immer, Schwimmen ist wichtig, und Anna machte als eine der ersten in der Klasse das Seepferdchen.

Die Großeltern, sagte Mutter, sind alt. Als wäre das eine Erklärung. Auch die Großeltern der anderen Kinder waren alt, aber sie konnten schwimmen. Diese anderen Großeltern schwammen gemächlich, in ein einziges langes Gespräch vertieft, zu zweit oder zu dritt nebeneinander her und machten nach jeder Bahn eine lange Pause. Die anderen Omas trugen Badekappen in bunten Farben, dabei hatten sie kurze Haare, die sicher schnell trockneten.

Annas Eltern gingen nur in den Ferien schwimmen. Im Meer, wo es Wellen gab und das Wasser salzig schmeckte, wenn man es aus Versehen verschluckte. Schwimmen in den Ferien war anders als Schwimmen in den Nichtferien, vielleicht weil man am Ende des Tages überall Sand hatte, im Badeanzug und sogar zwischen den Zähnen. In den Ferien gab es Erdbeereis statt Pommes, und der stechende Geruch von Chlor fehlte.

Komischerweise fehlte einem der Geruch von Chlor tatsächlich. Anna wusch sich in den Nichtferien besonders ungründlich, damit der Geruch länger hielt. Dabei war das gar nicht nötig; der Chlorgeruch war in den Nichtferien immer schon da, in den Fingern, am Handrücken, in den Haaren. Dafür brauchte man sie nicht einmal an die Nase zu führen.

Der Geruch von Chlor hieß: Man konnte schwimmen, wie man wollte, solange man die Bewegungen richtig machte. Der Geruch von Meer hieß: Die Eltern waren besorgt; Wellen waren gefährlich; man durfte nicht zu weit schwimmen. In den Ferien wurde eigentlich nicht geschwommen, sondern geplantscht.

Die Großeltern dachten viel über das Schwimmen nach, sie sprachen fast von nichts anderem. Wenn es im Fernsehen Wettschwimmen gab, sahen sie aufmerksam zu. Die Eltern sprachen nur in den Ferien vom Schwimmen, und dann so, als würde irgendeine Scheu sie erfassen. Nur die Großtante schien ganz normal vom Schwimmen sprechen zu können.

Großtante Nina, das war Großmutters jüngere Schwester, dabei bestand ihr Gesicht aus lauter Falten, und wenn sie lächelte, waren es sogar noch mehr. Großtante Nina war eigentlich nicht Großmutters Schwester, sondern ihre Cousine irgendeines Grades; das war sehr verwickelt, deshalb sagte man im Russischen lieber "Schwester". Großtante Nina war erst vor kurzem nach Deutschland gezogen und erzählte gerne von dem kleinen östlichen Dorf, in dem sie geboren war. Da gab es eine Kuh und Heuvorräte und immer eingelegte Gurken. In ihren Erzählungen gab es auch einen Fluss, in dem ihr Vater geangelt hatte und sie als Kind schwimmen gegangen war, was sicher sehr lange her war, so viele Falten, wie sie jetzt hatte. Annas Großeltern hörten Nina gerne zu. In ihren eigenen Kindheitserzählungen gab es keine Dörfer mit Flüssen. Wo die Großeltern aufgewachsen waren, da gab es nicht einmal Schwimmbäder, behauptete Vater. Der Eintritt war teuer, sagte Mutter, was bedeutete, dass es vielleicht doch ein Schwimmbad gegeben hatte.

Als Anna noch sehr klein war, hatte sie Großtante Nina einmal gefragt, ob es in dem Fluss, von dem sie erzählte, nach Chlor gerochen habe. Jetzt, wo sie schon zehn war, stellte sie solche Fragen nicht mehr. Aber irgendwie fand sie es immer noch schade, dass die Großtante nie nach Chlor gerochen hatte. Vermutlich hatte die Großtante auch nie Pommes aus einem Pappschälchen gegessen. Aber Anna war schon zehn, und sie traute sich nicht, danach zu fragen.

Kommentar (19.3.14 7:24) lesen

 

Jörg Meyer - 6. März 2014 5:08 Uhr

revolutionärrisch

da ich hier nicht mehr posten kann (aus rein technischen gründen), hier ein link

verächtlich ...

Kommentar (6.3.14 11:57) lesen

 

Markus Stegmann - 2. März 2014 23:46 Uhr

Kramt was die Krim

Klebt Kamille
kramt was die Krim
klaffen Einschusslöcher
Besatzer im Rückwärtsgang
Lage genehmigen
Silben abwürgen
Liegende abschalten
kramt was was als Krim
Potemkin begann du
Dorf du Riesenwahn
vergessen aus unsagbar
windigen Gegenden geborene
Katharina zweite
Grosse zieht den
Riss im Grosshirn
blanko bis ins
Gedächtnis heut

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Markus Stegmann - 27. Februar 2014 22:59 Uhr

langsam am verband

linderte den
verkleckerten morgen
nachtod in
ertastete barrikaden
ins entsicherte
geschütz samt einschusslöchern
mit draht rückwärts gedachten
aufklärern die dieselben sind
dieselben sind
langsam lehnst
du am verband
versickerte der
morgen

weiter östlich, weiter westlich

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