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Andreas G÷▀ling - 26. November 2014 10:11 Uhr

Glaubst du

Zieht mich aus bis auf die Knochen lasst mir
nur die Socken an die mit dem Raubtierlabel
damit ich besser rennen kann wenn sie
kommen wenn sie kommen

Glaubst du es war ein Traum
nur ein Traum?

Hast du hell gelebt geht es schwebeleicht
hinaus dafür brauchst du keine Socken auch
die Knochen lässt du krick-krack zurück

Aber so wie ich so wie ich?

Es war ein Blick im wachen Schlaf ein Blick
nach innen nicht ins Ich in Trichtertiefe in den
Darm der Schöpfung durch Gottes Arschloch sein
Schließmuskel weit geöffnet gut sichtbar viel zu
strahlend klar wie gerne hätt ichs nicht gesehen
die kosmische Kloake

Ein Traum nur ein Traum?

Zieht mich aus bis auf die Knochen reißt mir
auch die Socken runter die mit dem Raubtierlabel

Kommentar (26.11.14 10:14) lesen

 

Andreas G÷▀ling - 25. November 2014 15:44 Uhr

Glaubst du


Glaubst-du

Kommentar (25.11.14 15:51) lesen

 

Werner Weimar-Mazur - 23. November 2014 14:45 Uhr

ozeanisierung

abgeebbt die letzten schwingungen
des urknalls aus seinem echo
klingen gedichte
bewegungen der kontinente
ihr versmaß
im auflaufenden ton
eines insektenflügels stimmen
eine gottesanbeterin anubis
der sonnengott selbst in seinem brennenden wagen
legen chiffren in ein boot aus papyrus

bücherverbrennungen
menschenopfer

azurfalter brechen ihr schweigen
haut reißt auf und driftet
als wären schelfränder keine narben

land unter
maulbeerbäume getaucht
und seidenraupen in gedichte
getragen

gestern zogen nomaden durch
die cafés unserer stadt

die tram hielt nicht
am warschauer platz

die liebenden von der weichsel
brücke pflanzen schon seit tagen
digitalis

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Markus Stegmann - 20. November 2014 22:56 Uhr

Frass

Ich möchte Menschen fressen.
Warum?
Weil ich lieber Menschen fresse, als selbst gefressen zu werden

Kommentar (21.11.14 9:32) lesen

 

Sophia Doms - 20. November 2014 7:52 Uhr

Über die Verteilung von Licht und Dunkelheit bei Nacht

Über die Verteilung von Licht und Dunkelheit bei Nacht nachzudenken,
gibt mir das unbestimmte Gefühl,
dass es bald
niemanden
mehr geben wird,
für den sich mein Nachdenken lohnt.

Spielhallen stehen im Glanze ihres Glückes.
Dunkelheit trocknet
wie Schweiß
in die Fabrik- und Lagerhallen.

Die Wälder, die Wälder!
Immer noch ein wenig schwärzer in der Erinnerung.

"Wann haben Sie die Wälder zuerst bei Nacht gesehen
und wie oft?"

Wöchentlich, als Kind, am Königsstuhl,
in den Bergen,
in denen die Nacht
manchmal
noch ein kleines Versteck für sich findet.

"Licht und Finsternis" -
Ihr vielleicht bester Text ...

Nicht meiner,
meiner nicht,
aber wie unerheblich,
wenn Sie mich schon darauf ansprechen,
dann antworte ich Ihnen auch gerne als der,
der ihn geschrieben hat.

Ist das nicht armselig,
da schreibt man und schreibt,
und am Ende ist es das Bisschen Manichäismus,
das bei den Leuten hängenbleibt.

Aber mir
geht es mir selbst denn anders?

Noch im fensterlosesten Raum
"noch im tiefesten Orkus" ,
gedenke ich
der unzähligen Autobahnnächte,
in denen ich war
im Licht und in der Finsternis
und mein Schatten sich
hin und wieder
ganz von mir abteilte
und über mich hinwegzog
und hinterher
schmerzhaft
wieder mit mir verwuchs.

Noch im fensterlosesten Raum
gedenke ich
der Nächte,
in denen ICH
nicht mehr sein werde
(oder die Welt).



Kommentar (23.11.14 22:08) lesen

 

Sissy de Leu - 18. November 2014 8:50 Uhr

Dichterkongress

Wenn alles vorbei ist
werde ich den Dichterkongress
im Hinterzimmer besuchen
Elfriede Jelinek verliest
mit getragener Stimme
& akkurat geschminktem Mund
düstere Austriazismen:
Tittn Tittn Tittn Tittn
Sechs vielleicht acht Zeilen lang
mit einem rundlichen Scherz am Schluss
der ein Schleifchen drunter macht

Aber jetzt ist erstmal:
Killerkommando
Was mich rettet:
Flach auf die Schindeln gepresst
dicht neben dem Giebel
auf dem Dach zu liegen
Von oben & unten her
nicht zu erkennen
Der Einzige
der mich sieht
ist der Herrgott

Nur den hats heute
auch zerrissen
als sie die Beutekunst
wegtrugen:
Christusbilder mit flaumigen Wolken
Teichgroße Karpfen
aus himmelhellem
Porzellan
Die die Augen rollen
über das Geschrei -

Sie fahren den Bebeuteten weg
Als einzigem Kind seiner alten Eltern
standen ihm alle Schätze zu
Mit rundem leeren Riesenmaul
heult er seinen Kummer heraus
Sprache hat er nicht
& denken tut er
wie es keiner versteht
Aber Tränen hat er
& schreien kann er
& tut es den ganzen Flur entlang
& als der Schleier der Nonnen
verweht ist
brüllt es noch immer
aus dem leergeräumten Raum

Anmeldungen zeitnah erbeten!

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Markus Stegmann - 14. November 2014 23:58 Uhr

Madagaskargrün

In Madagaskar verwalden
verwunschene Mirabellen
glashell grüne Augen
wessen Naturell
welche Naht
panzert pausierte Bakterien
oder Plantagen im Plankton
landen wir nach einer
Woche elektronisch
verfangen
dein Madagaskargrün
zieht mich
ins Gegenlicht
deines Gesichts

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Werner Weimar-Mazur - 9. November 2014 13:53 Uhr

lethe | mnemosyne

das dritte ist das zimmer meiner kindheit
stimmen wohnen darin
bleibt verschlüsselt die tür
wird das schloss zum zauberschloss
simsala und bim
steht mutter in der küche und kocht essen vor
für den nächsten tag

meine lieblingsfarbe ist das schweigen
wenn die nacht wieder ein raubtier war
und mich der morgen ohne lüge begrüßt
fädelst du worte auf eine kette
die du dem großen bären um den hals legst
hinter der tür putzt vater die schuhe
sieben meilen vor dem grab

im zweiten zimmer wohnt der sommer
nachts liest er bücher über den tag
spricht viel
vom schweigen
und wen er sah im ersten zimmer
schnee weiße tücher
auf allen möbeln

der stuhl und die tischplatte
tragen noch deine kratzer
aus dem gleichen holz ist mutters sarg
kirschbaum oder eberesche
ich konnte das nie unterscheiden
vater hat sie mit eigenen händen gesetzt
welchen tag haben wir heute

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Sophia Doms - 3. November 2014 9:58 Uhr

Die Gurken sind längst aus,
wie sehr Du Dich auch sputen magst
mit Deinem Einkaufswagen
als Schwager Chronos.

An der Erdbeerwand
öffnet sich schon lange kein Durchgang mehr in die Nebenstraße
(den gab es nie,
den hast Du Dir damals
als Kind
im schiefen Winkel unter der Neonröhre
einfach nur eingeredet).

Keine weiße Taube
fiiegt mehr aus dem Zylinder des Zauberers
im blütenreinen Verkäufer-Kittel.
Wer dächte noch an den Scheitel
den er sich täglich gezogen?

Alle Busse,
mit denen Du Dich von hier aus noch auf den Weg machen könntest,
landen an
in den DEFA-Kulissen
eines bunten elsäßischen Fachwerkdorfs nach Barther Vorlage
in Babelsberg.

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Sophia Doms - 2. November 2014 17:44 Uhr

Schneewittchen und das siebte Trinkpäckchen,
die Hexe mit der achten Häkelnadel,
das Kindermädchen im letzten Hemd
und die Braut ohne Brieftasche:

Bei der großen Abschlussfeier
mit null Kalorien,
im Landeanflug
auf die Flughafenmauer,
beim letzten Gang,
im vorletzten Sonnenschein
werden sie an denselben Galgen geknüpft,
in dieselbe Luftmasche.

Draußen drückt Nebel
dicht wie eine Augenbinde
auf alle sieben Hirnhäute
und Daddy Longlegs steppt souverän
in Sternenstaub
und Schottenkilt
aus Los Alamos.

Drinnen lauschst Du Dir
eine neue Arie
von den Zikaden ab
und lernst, bevor Du gehst,
noch gestaltlose Steine zu kloppen
wie Skatkarten
oder ein Pokerface
als Deko
auf Deinem Grab.



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Werner Weimar-Mazur - 1. November 2014 14:21 Uhr

Ísland 1976

seit die wale gegangen sind
schaufeln wir wasser
in den fjord
um die felsen zu stützen

in die schlucht
treibt der wind
stimmen und stockfisch
trocknet neben der kirche

du legst hand
auf ein land das sich spreizt
wie basalt
aus einem mittelatlantischen rücken

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Sissy de Leu - 26. Oktober 2014 19:33 Uhr

Dracula gibt auf

Er hat sich verpuppt
& schwebt leicht wie Äther
als graues Wespennest am Holz
Sein Blut verwandelt
in grünliche Milch
mit der er uns nährt
die auf uns regnet
die uns bedeckt
& in der wir uns winden:
Embryonen von Wuchs überzogen
in willkürlichen Zuckungen

Bewusstlos & blind
von dem zuckrigen Fließen
das in unsere Augen tränt
gleiten wir ineinander
& wieder entzwei
harren gutwillig
unserer Geschichte:
Die Organe gelöst
Herz Magen Gedärm
in nährstoffreichen
Gallert & Licht

Der Prinz hat den Wandel
fast vollzogen
Einsam & mit lackschwarzem Haar
rüstet er sich
für das Wesen der Jagd
& erkaufte Loyalität
Wir anderen aus demselben Wurf
schwingen im moosigen Widerschein
- der klebt wie eine
Kränkung im Raum

In wenig mehr als hundert Jahren
ist die Menschheit runderneuert
& bereit für einen neuen Vampir
Mehr als einen Vollzeitsauger
verträgt ein Erdzeitalter nicht
& der Prinz muss essen
Das sehen wir ein
& bis er Blut verdauen kann
senkt er seine Hungerhaken
tief in unsere mürben Hüllen
hält er sich schadlos an uns

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Andreas G÷▀ling - 24. Oktober 2014 23:27 Uhr

Zum Glück

Wenn es mit mir soweit
gekommen ist dass ich
keine fremde Hand
auf meiner Haut
fühlen will

Ich in Ithaka du in Dudersdorf
wie geht das zusammen

auf meiner Haut
haben will

Ich Ikarus du Dummy
nie kann das gehen

auf meiner Haut
ertragen kann

Mach ich Beauty-Tuning fürs Gehirn
denk mir alles schön

Ich Ichologe du Dublette
zu mir oder zu mir

Wellness für die Zirbeldrüse
schütt mich zu mit Glück

auf meiner Haut

Kommentar (26.10.14 8:57) lesen

 

Werner Weimar-Mazur - 20. Oktober 2014 22:10 Uhr

hautstille | im gegenlicht

(für Friederike Mayröcker)

regenschirme treiben vorbei das leben
zahlt sich aus tage wabern
im sommerlicht wie algenteppiche
oder wasserlinsen im mäander
auf einem berg stand ich sagen wir
besser an einem abhang und
sagen wir der berg war parnass
und ich stürzte fiel in ein
thrakisches meer

am himmel kraniche oder silberreiher
helle vögel
vogelmenschen im gleißenden licht

du einsam in einer zwischenwelt ich
in einem zwischenmeer stumm
beobachteten wir einander

pan abseits spielte
auf einer knochenflöte
die gesänge von hühnern und gänsen

singschwäne zogen heran
schlafmohnlieder im gefieder
und in den schnäbeln eine goldene kette

alabaster
zylindrische farben* sagst du
und ein hotelzimmer in wien



----------------------------------------------

* aus Friederike Mayröcker: drei Traumwahrheiten oder: kein Wort mehr über Träume (Gedicht, in Friederike Mayröcker: Winterglück, Suhrkamp 1986)

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Andreas G÷▀ling - 16. Oktober 2014 10:36 Uhr

Man mahnt

Wieso klickst du dir Siebenfick
Wärst besser mädelmäßig Metapher
Grubst unter Wutmulden Burgen durch
Horch doch vor Ort bloß Gestotter

Ist das konsistent
Wer hat das konzipiert
Bedenk die Konsequenzen

Fährt Ford in dein klammes Tal
Aktien zu Äxten verhexen
Kipp die Karre übern Damm
Brüll wie verrückt alles Lügen

Ist das konsequent
Wer hat das konstruiert
Senk die Resilienzen

Urlaub im Urwald unter uns ungut
Wilde mit Einbaum in brauner Blöße
Bog sich der Mond modern in sich zurück
Alles auf Anfang aber haltlos

Wer hat das ersonnen
Ist er von Sinnen
Verlorn in verbotenen Wonnen

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Andreas G÷▀ling - 13. Oktober 2014 17:52 Uhr

Deine Mitte

Mit ner Geisha ins Getreide
nie mit zweien
Gebinde nur bis dir
das Bild durchläuft
Ne Tüte und du sägst
bis Johnny der Kater geht

Deine Gründe kühl
deine Taten temperiert
nur in dir ruhst du nie
deine Mitte ist Magma

Kommentar (13.10.14 22:14) lesen

 

Werner Weimar-Mazur - 9. Oktober 2014 22:08 Uhr

Krakatau

an hob das meer und der wind
fing feuer zu aschestaub
verflogen wie der heiße atem
eines drachens eines riesigen
seeungeheuers das nur darauf gewartet hatte
menschen zu fressen
und an ihnen satt zu werden

seismische stationen um den globus
schlugen aus herdbestimmungen
waren möglich ein epizentrum
wurde ausgemacht
amplituden und wellenlängen
eines anderen meeres als dasjenige
das du liebtest und an das du glaubtest

in der tiefe riss haut auf
zu spalten wie erdkruste
flüssigem gestein weg bot
nach oben entgegengeschleudert
einem blau am himmel
wir zitterten bebten
vor lust und angst

deine lippen formten eine fremde sprache
die eines albatros
der den wolken entglitt
dich in einen strudel zog
einen sog von erinnerungen
und kommendem
deine rechte wange zuckt manchmal im schlaf

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Andreas G÷▀ling - 9. Oktober 2014 9:09 Uhr

Irrlicht

Wärst du auf dem Weg geblieben
nicht dem Irrlicht gefolgt
nicht bis zum Gürtel eingesunken
du könntest wie bisher leben
auf federnd festem Grund
im Wachen schulterbreit

Das Irrlicht sah aus wie sie
ein Schemen mit ihrem Lächeln
ich wollte sie berühren
oder nicht mehr sein
sie umarmen und
nicht mehr sein

Berühre nur dein Phantom
Glühluft in deinen Armen
libellenzart ihr Lächeln
zieh mich hinab Geliebte
flehst du in ihr Phosphorohr

Noch einmal Libellen

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Andreas G÷▀ling - 5. Oktober 2014 10:17 Uhr

Nach Westen

Die Wälder im fernen Westen
schwingen im Wind wie Getreide
ein Leben lang marschierst du
und kommst nicht näher heran

Dann über Nacht zwischen Farnen
Welt der Libellen und Lurche
sie verschlingt dich auch wenn du
den fauligen Holzweg nicht mehr verlässt

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Werner Weimar-Mazur - 3. Oktober 2014 22:01 Uhr

Athen 1980

wir teilen tage und wunder
schlagen echsen die köpfe ab
und sammeln angespülte quallen
an ufern der meere

wir erklären uns liebe und gedichte
du sprichst über schnee
deine stimme schmeckt
nach dem honig des hymettos
der sich erhebt über der stadt
wie der rücken eines gestrandeten wals

ende oktober setzt regen ein
und schwemmt den staub
eines ganzen sommers von den straßen
dass die stadt zittert und bebt

in den metzgereien hängt
das fleisch von der decke
platons olivenhain ist erstickt
im lärm und gestank der autoabgase
erschreckt uns nicht das letzte aufbäumen
einer untergehenden zeit

um elf geht mein flieger

Kommentar (20.10.14 21:58) lesen

 

Werner Weimar-Mazur - 3. Oktober 2014 21:41 Uhr

luftabwehr

ein stück land
weiter im osten ein weg
aber wir schlugen
eine andere richtung ein
und trafen auf fische kormorane
schwere artillerie

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