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Werner Weimar-Mazur - 23. August 2014 15:03 Uhr

troja

über die gefalteten dächer
wirft der krieg girlanden
ayhan schläft seit tagen
ziehen schillerfalter ins gebirge
liegen tarnnetze über karawansereien
und in den ebenen flugabwehrraketen
ayhan geht im traum
nackt zwischen soldaten
schläft der halbmond
hören die schmetterlinge
flüsternde stimmen in den bergen

drängen truppen
von allen seiten gegen die stadt
auch vom meer
täuschen weiße segel frieden vor
ayhan rudert ihnen entgegen
in simulationen
fällt soldaten das töten leicht
im häuserkampf richten sich die gefalteten dächer
noch einmal auf
später werden die dichter des landes
die schönheit der berge besingen
doch die schillerfalter kehren nicht zurück

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Lars-Arvid Brischke - 22. August 2014 23:26 Uhr

zweiundvierzig sömmriger karpfen

gründeln in der bucht der pandora. was darf denn
was kann noch was soll schon gelingen: kaputtes
abtropfen lassen den karpfen (blau) im abklingbecken
badewanne als bett & ganz weit draußen wummert es
tnt & dynamite, ein spielzeugauto das durchs bad kraucht
kippt seine ganze ladung ab. abrupte stille der implosion
beweist dass karpfen ganz bei sich ist & alle ideen
bleiben vage. selbst ein nackter mann im neptunbrunnen
wurde polizeilich erschossen. verlassen von allen guten
meistern zerspringt eine salatschüssel aus glas. einen stein
weit entfernt findet sich alles auf dem spielteppich wieder
schwimmt unendlich oft ums karpfenmaul & endlich
löst sich der schaum des verkrachten erwachens

Kommentar (24.8.14 21:26) lesen

 

Werner Weimar-Mazur - 22. August 2014 23:23 Uhr

rückzugsgebiete

mit fischen belaubt
treiben häuser das tal hinab
spielen jetzt quallen in unserer straße
verstecken und fangen
legen sich
schneegedichte über die berge

rehe gingen voraus
und bauten nester
zwischen korallen
bäumen

blieb zeit stehen
lehnte sich
eine wegwarte
an deine schulter

und der wind wirft wellen
über die baumkronen
und stimmen hernach
eine lange stille

Kommentar (24.8.14 21:13) lesen

 

Andreas G÷▀ling - 22. August 2014 10:06 Uhr

Du stürzt ab

Du schwebst durch Gestein
durch Erze und Flöze
ob kreuz oder quer ganz egal

Du fliegst durch Erde
die Toten deine Sterne
Maus und Maulwurf deine Engel
wenn du den Grund wie
mit Schwingen durchpflügst

Du gehst über Wasser
bei Flut oder Flaute das sowieso
Du teilst nicht die Fluten
auf ihrer bebenden Haut
fährst du unsinkbar dahin

Aber treib es nicht zu weit
auch du kannst nicht immer
und immer überziehen

Sonst schwebst du durch die Lüfte
ein Gefährte der Falken
von Wolke zu Wolke
deine leichteste Übung
und stürzt ab

Plötzlich eine Puppe
mit Holzgliedmaßen
mit Flusskieselaugen
und lehmigem Herzen
wie wir

Kommentar (24.8.14 21:19) lesen

 

Andreas G÷▀ling - 19. August 2014 11:25 Uhr

Großmeister der Verzweiflung

Der Großmeister der Verzweiflung
der tödlichen Totalverstörung der
immerwährenden Seelenschwärze

Die Todesangst eine fantastische Welt
Das Leben ein Bühnenstümperstück
Wenn der Vorhang aufgeht alles vorbei

Mit seinen Arien artistischer Allesverachtung
seinen Hassopern Zornpolyphonien seinen
Klagen rar wie schwarze Sonnenstrahlen blieb er

auf Kurs im gefluteten Angstbergwerk
ein philosophischer Schattenflößer
für illegale Immigranten wie mich



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Andreas G÷▀ling - 11. August 2014 9:50 Uhr

Grauen

Wir ziehen dich auf wir
ziehen dich rein wir
ziehen dich der Lüge als du
von unseren Zielen erzähltest

Was zuckst du Zuckersüßer
bist uns zugeflogen haben
dich umerzogen um dich
durchzuziehen bei Nacht

In den Gräben lauern die Hauer die
schattengrauen die keine Häuser bauen
die machen keine Gefangenen die
lachen mit den Gefallenen lach mit



Krieg

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Lars-Arvid Brischke - 9. August 2014 22:46 Uhr

tier-postkarten

pulk kohlweißlinge
acht lose blütenblätter
beim spazierflattern

*

schwans fauchen - gehaucht:
segeltuch oder brautkleid
weiß zeigt er präsenz

*

frische erdkröten
unzählbar schon die sprünge
durchs nackte leben

*

flieht springend der frosch
verliert aus dem auge ihn
kriechend die schlange

*

natternkopf: schleppkahn
des schlangenleibs der in trance
unter wasser tanzt

*

am fuß des schilfrohrs
das gründeln des karpfens lässt
schilfblätter zittern

*

barsche schleichen sich
ein kontrollblick dreht flossen
zurück rudern sie

*

taucht im wasser auf
zum fraß zum schwimmen taucht er
ab in die lüfte

*

zwei köpfe ragen
über das ried posaunen
aus voller inbrunst

*

schwarz abgeblättert
vom nachtblau bis in die früh
fledern sie zackig

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Markus Stegmann - 5. August 2014 23:28 Uhr

Råvarpen Fiskekort # 1855

Auf Belang beladen
graurüner Aufdruck Terpentin
Parallaxe auf Abzug steht
Pistole blanke Birken
im Überlicht verdichtet
zu warm
sag mir
was blitzt
hinter meinem Rücken
fiel im
verlangsamten Juli Jasmin
diesen Dolch
werd ich nicht mehr los
Lordose Infarkt im Fliegen
papperlapapp
dein Name oder bist
du aus Lunge im Schwarm
einmal umrundete Insel
Wasser entzündeter Himmel
Begrenzer im lila Bernstein
überbelichtete Birken
schwimm du Mond &
versenke mich
in Mittelschweden

Kommentar (8.8.14 13:44) lesen

 

Sissy de Leu - 29. Juli 2014 19:33 Uhr

Nass oder nicht nass

Die Tischkante reicht mir
bis zum Kinn
& als ich in den Spiegel schaue
wirbelt mein Haar steif hinter dem Ohr

Hier sind alle Räume leer
bis auf ein paar Rollen
Pflaster & Mull
auf dem beige-geblümten Teppich

Hier sind alle von gestern
& wenns zu schwül wird
macht man sichs einfach
& kühlt die dampfenden Füße im Klo

Wenn man genau hinsieht
ist der Siphon aus Glas
Decken & Wände geben die Sicht
auf das dumpfe Herz des Hauses frei:

Stille Räume unter Wasser
Stiefel Schuhe Regale schweben frei
Handwerker tauchen ohne Gerät
nach dem Schalter vom Rolltor

Der erste Schwall
spült meinen Blick
der zweite die Arbeiter
raus ins Licht

Kommentar (23.8.14 17:49) lesen

 

Andreas G÷▀ling - 28. Juli 2014 10:37 Uhr

Spirit

Wie käme ich auch dazu abzustreiten
dass auch Kreaturen wie wir wie ich
auch gute Geister auf uns hocken haben
nicht nur die kaltschnäuzig kaltschwänzigen
nicht nur die schweflig schwafelnden anderen

Als mir meiner zum allerersten Mal
auffiel war er allerdings schon gefallen
unter allerhand anderen fast verborgen
sein Strahlen allmählich verfallend
segnete er mich zum allerletzten Mal

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Andreas G÷▀ling - 24. Juli 2014 11:34 Uhr

Mit oder ohne

Als das Mädchen mit den Frittenhaaren
auf der Kaimauer im Regen tanzt,
immer hart am Hafenrand,
barfuß im Pelerinenmantel,
ihre Haut mayoweiß,
der Mund ein Ketchupomega,
da ist mir klar, sie wird fallen.
Ihr Haar schon pommesblonder Tang,
als sich über ihr das Ölauge schließt.

Kommentar (27.7.14 12:54) lesen

 

Andreas G÷▀ling - 21. Juli 2014 9:20 Uhr

Der halt

Der belagert deine Tore
so triefend hart und räudig rot
Der hat keine Geschwister
dafür 27 Geschlechter
und keine Eltern im All

Der entert deine Rachenpforte
derweil du die Nabelschnute hütest
Allein wie der ist keiner
ein Gallertpirat oh baby
sonst nichts

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Daniel Ketteler - 19. Juli 2014 12:09 Uhr

Café am Schäfersee

Hier blühen Seerosen, Doggen und Jogginghosen,
am Zürichsee für Arme donnern im Minutentakt Flugzeuge
übers Domicil. Neben den Alten verpaaren sich Füchse rund um
den Hundeübungsplatz und bei Juwelo gehen kurz vor Mittag
die letzten Amethysten über den Endlostresen.
Kerosin, Schadenfreude und ein explosives Fünkchen Stolz
auch im Musikcafé Lust gegenüber: Wie ein Erinnerungscocktail
kleben die alten Schaluppen am Bierboden, graue Gesichter am
Flatscreen über Schwaden und Schall.
Aus heiseren Boxen schluchzt ein Schwall neuester Schlager
und um die Ecke klickert der Knobelbecher
wie eine mechanische Herzklappe.

Kommentar (23.8.14 17:59) lesen

 

Julia Trompeter - 18. Juli 2014 21:27 Uhr

Im Hasenmoor

Was schleicht sich dort? Johannisbeeren leuchten, müde
dichtet sich der Abend, leise wird das Helle rot und schwer
die Serpentinen lächeln und die Wäscheleinen schweigen
klamme Finger rütteln an den Gleisen, wo die Züge
rückwärts gleiten und die langen Schatten früher Vögel
die davongezogen nach dem Abitur gen Westen weisen

Dann bäumt der Schall der Welt sich nochmal auf:
Von Ferne ruft der Reiher aus dem Moor, als wär es
wieder Zeit für Nachbarschaften zwischen Mensch und Tier
und Rasenmäher ziehen stur und schwankend durchs Revier
bis dass die Nacht die Landschaft tilgt und Stille macht
am Waldrand plumpsen Blätter auf den Bauch und keiner lacht

statt Postkarte

Kommentar (23.8.14 18:09) lesen

 

Sophia Doms - 6. Juli 2014 8:23 Uhr

Auf der Verfallskurve

auf der Zielgeraden
messerscharf
im goldenen Schnitt
Asphalt
Gerüst
Waschbeton
Glasfaserkabel
Volksbankkredit
mit Heim- und Zinsvorteil

kein Schatten
nur Licht
(der Hautkrebs
beiläufig
durch Laser entfernt)

weise Stadtbäume stehen
nur auf der Verfallskurve
an devianten Straßenrändern
wo Mörtel bröckelt
Brillenbügel brechen
die fettige Suppe tagelang steht
die alten Nachbarn
sich niemals begegnen
und der Garten
den Haselnussträuchern gehört

Zwei Lichtflecken stehen
immer
bei unseren Schatten

Budapest, Blaha Lujza ter - Új Köztemető

Kommentar (23.8.14 18:06) lesen