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Daniel Ketteler - 3. Mai 2015 19:08 Uhr

Jobcenter

Alles was der Fall ist liegt auf meinem Tisch
und rote Ziffern geben Namen ein Gedicht
es ist fast so, als fände ich ihn nicht,
hinter Diagnosen und Jogginghosen sitzt ein Mann
dicke Brille, harter Kamm und auch der Arm
ist fast noch dran. Schmerzen ja, Schmerzen ganzer Körper
wie immer schlecht geschluckt, die Pillen helfen kaum
er druckst, die Ehe, und wenn verruckt, dann
schraue er, bis sie sich nicht mehr muckt.

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Sophia Doms - 30. April 2015 18:06 Uhr

Plötzlich woanders sein

Plötzlich woanders sein -
nicht mehr im eigenen Hirn,
in seinen Barockgärten,
den sauber gezogenen Beeten,
den Laubengängen mit Tunnelblick.

Nicht mehr in seinen Landschaftsparks,
schattig und kühl,
mit himmelblauen Seen
und opulentem Hormonblütenduft.

Plötzlich woander sein.
In einer Stadt wie Berlin,
Aber nicht dort,
am Breitengrad 52,519,
wo es kein Wunder wäre.

In Berlin, aber nicht dort in Berlin,
sondern wundersam hier,
ganz vor der eigenen Haustür.

Ein Luftzug nimmt Dich mit
oder ein Sandsteinpfeiler,
auf den mit bunter Kreide einer
"Espresso" geschrieben hat.

So klein sind Anlass und Augenblick.

Schon bist Du
eine Zeitung im Wind,

eine Brieftaube,
die ihre Botschaft vergessen hat,

und eine Schrankwand,
deren Kleider
längst ausgeflogen sind.

Für den armen Hirnhund

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Werner Weimar-Mazur - 23. April 2015 23:04 Uhr

verübt

sternbilder aufgehängt
über der tatra eine ganze galerie
stoßwellenmetamorphose eines herzens
schreibt bambus silberschuppen
in ein glas fluss
eidechsensuppe

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Andreas G÷▀ling - 19. April 2015 11:23 Uhr

Versunken

Im Dämmer deiner Höhle
Zeichen in den Kalkstein
die Kerben färben
Rotze Pisse Blut

Nachts nach draußen
Nur der Schauder
Zurück ins Graue
Da draußen nichts

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Julia Trompeter - 13. April 2015 9:06 Uhr

Immunisierung, akut

Der Anflug von etwas im Rachen
ist zu kaum spüren
erst das große Palaver bringt dann
kalte Füße und Schnupfen

Gepackte Kartons auf dem Flur
sind wie zu hohe Werte
die sich quecksilbrig
ausbreiten, um zu verschwinden

Eine Impfung wär prima
gegen ungute Konsequenzen
mit der Kraft der Gewöhnung
gegen die Witze des Lebens

Kommentar (17.4.15 6:37) lesen

 

Markus Stegmann - 10. April 2015 22:40 Uhr

Sicht

Pastell du Porzellan
mit halbiertem Haiflimmern
flattert meine Pinzette
unruhig am Arm Amsterdams
Pastis mit Plastikbesteck
und Doppelaugen markierte
Maske geschlitzte Lippen
filigrane Flanke
fingierte Sicht

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Markus Stegmann - 25. März 2015 21:42 Uhr

Aare, sagst du?

Räder unsere Hände Farn
deine filigranen Schalen schlendern
näher am Schlamm
pflegst du dein Morgentier verrat ich
nicht welches befestigen wir
Schaum die schlafenden
Nester ums Klavier gewundene kehlige
Korallen Schwimmhäute sagst du
treibendes Holz bevor deine Lungen
meine zünden bevor dein Display
durchs Wasser zieht erschöpfte
Sicht durch mein Gesicht
glasieren wir unser Gedächtnis
drüber kniet ein Sohn verkaufter
Kanal südlicher drängt das
prekäre Riff zerreibt im Rückwärtsgang
unser Wohnwagen den gleichen Gedanken
wund wer bist du auseinander zu fallen
in eins nachts verlängerte Lungen
vertreibst du die Partitur Afrika
wo ich längst strandete im
stornierten Schilf vor Madagaskar
dehnen sich deine Radspuren endlos
grüne Lunge an den Horizont aus
Holzkohle gedehnte Halluzination
markiertes Gelände glimmt ein grauer
Morgen sagst du gehn wir an die
Aare gehn wir




Für dich S.

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Markus Stegmann - 24. März 2015 22:42 Uhr

Lampedusa

Auf der Strasse nach Lampedusa
Kliff grade Kante konjugierte
Garnele knapp buchstabierter
Kuss komm schon deine Lunge
Locken wenden wir weder unseren
Wohnwagen noch unseren
mattweissen R5 Alpine den
steuern wir gradaus ins Treibholz
liegen längst auf Grund
Richtung Riff nur deine Locken
Lungen wenn wir in den Regen gehn
Richtung Afrika Amerika
schwächere Dünung
je näher wir gegen das Riff
denkst du dieses Mal
weiss nicht
was aber wird
aus uns wenn nicht
mal das Meer
uns hält

Für S.S.

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Sissy de Leu - 20. März 2015 6:45 Uhr

Finster hier

Aus Gründen der Sicherheit
& wegen diverser Unwägbarkeiten
die das Stromnetz betreffen
sowie aus allgemeinem Überdruss
hat man die Sonnenfinsternis
um eine Woche verschoben

Man beauftragte Firma
Pickhan aus Geisweid
(die schon für Richard Serras
Wundersames walzten)
mit einem immensen
Edelstahlrad

In den Schulen des
Siegerlandes liefen
Projektwochen zum Thema
& man kam zu dem Schluss
dass ein ordentliches Gerüst
auf alle Fälle reichen würde
An wenig Sonne sei
man hier ja gewöhnt

Unsicher blieb zunächst
wie man die Kinder
samt Gerüstaufbau
hinter die Sonnenkugel
expedieren würde
Das war vielleicht der
erste Denkfehler

Der große Tag kam,
samt Fernsehen
& dem Bürgermeister
In luftiger Höhe
auf dem Gerüst
balancierten im Blitzlichtgewitter
tausend aufgeregte Kinder
die Mondmetallscheibe

& es wäre wirklich
zu schaffen gewesen
trotz der Selfies & Neckereien
Alles war exakt berechnet
& akribisch austariert
wenn es um kurz vor elf
von Buschhütten aus kommend
nicht leicht zu nieseln
begonnen hätte

Aus gegebenem Anlass

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Herbert Hindringer - 19. März 2015 8:17 Uhr

Mein Leben als Updikeleser


Ich habe schon in viele Lüfte hineingeatmet

ich schob die Möbel
in andere Positionen

damit sie in diese Bücher hineinpassten, damit
ich die Wege abgehen konnte, das Holz ächzte

damit sie morgens Notiz davon
nähmen, dachte ich mir und mir

helfen würden beim eigenen Leben

da ich vergessen war von meiner Vollzeitkraft

ein Lesender unter den Toten

die mir Nachrufe schickten, mich nicht kannten
aber sich vorstellten als Zeugen meiner anderen

Zeit, heimlich dachten, ich hätte keine, um mehr zu lesen
als da stand und dann war einer John Updike und schrieb

bis die oberblaue Luft stehen
blieb und dieser Himmel war

aus Schränken nicht mehr wegzudenken, da standen

dunkle Gärten unter leeren Bäumen

und führten weiter als das Staunen reichte


Zum Geburtstag am 18.3.2015

Kommentar (19.3.15 18:38) lesen

 

Markus Stegmann - 7. März 2015 23:18 Uhr

Im Kehrlicht

Im Kehrlicht Terpentin der Folien
gefalteter Tiere transparentes
Gesicht im Gegenlicht hängt
ein Tag am Mund mir manchmal
schwerer als Blaubart Barkassen
blüht ein Donauwald bei
Mondaufgang schimmert Kerzenwachs
als Fortsetzung der Fallen bei
Tag Trichter mein tapeziertes
Herz hilft nicht nur nachmittags
gegen vier blutet der Apfelbaum

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