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Sophia Doms - 7. Februar 2010 13:07 Uhr
Paris
station 1:
Unbeholfenheit - nachdem Du über die Treppen des Parks von Belleville abwärts gegangen bist, durch die Laubengänge und Spaliere, diese Hitzeschutzschilder, und wieder an einer steilen Straße stehst, die bergabzugehen Dir angeraten scheint. Du weißt nicht, wo Du Dich wähnen sollst, ob in Frankfurt oder in Mainz hinter dem Theater oder an einem anderen Ort, an dem man vergessen hat, der Langeweile der gähnend weißen Flächen anders abzuhelfen, als durch bunte, halb durchsichtige Plastiksäcke, prallgefülllt mit Umzugsmüll, Auszugsmüll und mit ungelesenen Kontoauszügen, Verwaltungsbögen des Mangels, der nicht mehr wird, aber auch nicht weniger.
station 2:
Unbeholfenheit - nachdem Du auf den Montmartre gestiegen bist und nichts gesehen hast als graue Tauben, die sich vor dem turmgewordenen Herzen Jesu fürchteten und deshalb schnell darüber wegflatterten. Nun folgt Dir unauffällig und langsamer als alle Touristengruppen, der noch leere Montmartobus, laut pocht in den Reifen sein Herz auf den Pflastersteinen und fragt, unausgesetzt, ob Du nicht einsteigen willst, Dir aber fällt, gerade jetzt und gerade hier auf, dass Du Unglück hast, und Du wirfst eine Münze, ob Du es weiter haben willst oder nicht und sie entscheidet - ja!
Unbeholfenheit - und ein Lebenslügentraum: Du bist auf den Père Lachaise gegangen und hast den Ausgang nicht mehr gefunden, dafür eine Ruhestätte, ungeheuer und überflutungsgefährdet im Columbarium, unterstes Stockwerk, schräg hinter dem Treppenabgang. Aber es haben Dich die Toten dort nicht haben wollen, sie konnten nichts mit Dir anfangen, Du sprachst auch zu schlechtes Französisch.
...
Da wollte es das leere Universum, dass die Pariser Totenstädte Verbindung miteinander aufnahmen und dass Dir Sartre (oder war es doch Simone?) mitten auf den Weg des Père Lachaise einen der vielen Metrofahrscheine zuwehen ließ, die auf seinem (und ihrem) Grab liegen. Und indem Du ihm folgtest, fandest Du den Ausgang.
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Markus Hallinger - 7. Februar 2010 9:41 Uhr
Feidman
Der Mann beinahe krumm wie seine Bassklarinette,
die er vor sich her über die Bühne trägt,
trotzt den Köpfen der Lokalprominenz, 400 Stück
der mittleren Generation,
das sind gefühlte 50% der örtlichen Bevölkerung.
ich war dabei
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Markus Stegmann - 6. Februar 2010 23:49 Uhr
Kehlchen
Sass ich am Senseneck, am Besteck, entkleidete einen beleibten Oktober, der mit Bohnenknochen den Schleifstein fütterte, und bevor er starb, noch ein Rotkehlchen als Kleiderkleber am Mund erwischte.
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Markus Hallinger - 6. Februar 2010 10:28 Uhr
Tippübungen. Altherrenverrenkungen.
Die Schuhbänder gebunden im Sitzen.
Das Generationsproblem stößt an den Bauch.
Die alten Säcke. Dazu der Altersgeruch
beim Betreten der Zimmer. Substantivierungen.
Schoner. Filz. Aus den Sesseln heraus Pfürze.
Gerüche schwanen. Schwäne. Nichts Gutes
segelt ab mit roten Ohren zur Tugend.
Die Zigarrenasche tropft auf den Teppich. Darunter Dielen.
Knarzendes Verlangen. Flüssiges Rauchen.
Open Office gekonnt an der Periferie
des Unwahrscheinlichen. Perfide Perfektion.
Null Komma null Nix asymetrisch.
Nixen wixen Maulaffenfeil. Lyrische Bäume.
Gewicht auf der Waage. Gut austariert
ruft der Kling Klong zum Teetrinken.
Warten auf den Abgang der Bärenkekse.
Dazwischengeschoben: Ein Liebesgedicht von Catull.
Die Sammlung an Essdeckchen am Tisch.
Rahmen. Verblichene Daten.
Vor dreißig Jahren war das auch nix.
Lauter Raketen Raketen Raketen, und Zikaden.
Kommentar (7.2.10 9:30) lesen
Crauss. - 5. Februar 2010 15:05 Uhr
nachtradiointerferenz, und du hörst statt Horacio Vaggione: "maquina de cantar" Fasio Vaggione: "macchina di canzone"
dennoch gefunden: http://twicezonked.blogspot.com/search/label/Horacio%20Vaggione
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Karla Reimert - 5. Februar 2010 11:41 Uhr
Der richtige Standpunkt für den Asakusa Tempel, Tokyo
Dreimal habe ich mein Videokamerastativ aufgebaut und wieder abgebaut, bevor ich den richtigen Standpunkt gefunden hatte. Einen, der es mir erlaubte, die Rituale und Gebräuche im Asakusa-Tempel richtig aufs Bild zu bannen.
Zuerst versuchte ich es am Eingang unter dem großen Tempeltor. Ich zoomte auf die belebte Fußgängerzone vor dem Tempel, auf der Händler alle möglichen Souvenirs und Nahrungsmittel feilbieten in dem Versuch herauszufinden, wo der Übergang zwischen dem profanen Gewerbetreiben vor dem Tempel und die Heiligkeit des Tempels nun genau stattfand. Ich dachte, diese Passage müsse in einer Veränderung von Haltung und Aufmerksamkeit der an mir vorübereilenden Gläubigen leicht festzustellen sein.
Ich zoomte rein und raus, aber auf dem Bild war nichts zu sehen als Leute, die Dinge kaufen und dann weitergehen, um zu beten.
Ich stellte meine Kamera auf die Stufen des Tempels und zoomte an die Feuerstelle im Eingang heran. Viele Gläubige kamen und gingen. Ich hielt genau auf ihre Hände drauf und sah auf dem kleinen Bildschirm, wie sie rote und schwarze Räucherstäbchen in einen mit Sand gefüllten Kessel steckten und sich aufsteigenden Rauch in die Kleider fächelten. Im Prinzip ein guter Ort. Mit einer drei Millimeter nach links gerichteten Drehung meiner Kamera sah ich, wie sie Schöpfkellen mit Wasser aus einem heiligen Brunnen füllten und daraus tranken. Ich drehte die Kamera um und filmte die Gläubigen, wie sie ihre Hände zusammenfalteten und vor der Statue eines Gottes Gebete murmelten. Irgendwie wollte sich dennoch aus Rauch, Wasser, gefalteten Händen und Gemurmel kein Bild davon ergeben, was denn nun die Essenz dieses Ortes ausmachte, so schaltete ich die Kamera wieder aus, baute das Stativ ab und an anderer Stelle wieder auf.
Natürlich ist nichts schwerer zu filmen wie eine fremde Religion, das weiß ich schon, aber ich wollte die Hoffnung nicht aufgeben, eine Hoffnung, die sich irgendwann so anfühlte wie Wut. An diesem Nachmittag verfilmte ich so viel Material, dass ich keinen Film mehr fand, als ich einige Stunden später die Nihon Budokan Arena besuchte. Für die dort abgehaltene Kendo Stunde musste ich ärgerlicherweise über meine Fehlversuche aus dem Asakusa-Tempel drüberfilmen. Ich filmte einen fünfjährigen Jungen, der mit weit in den Nacken gelegtem Kopf durch die riesige Arena tanzte. Er hielt sein Kendoschwert in den Händen und drehte sich unermüdlich um sich selbst, als sei er ein kleiner Kreisel. Wenn wir nun von den Rotationsgeschwindigkeiten der Gebete sprechen, ihren Auswirkungen auf die Rotationen unseres Planeten, so werde ich immer an diesen Kendo-Krieger denken.
Natürlich kann ich das im Film nicht verwenden, weil die Bilder qualitativ nicht gleichwertig mit einmal belichtetem Material sind.
Auch wäre der Schnitt von der Atmosphäre eines Tempels zu der einer Kampfsportarena zu gewaltig, um ihn in einem Reisevideo unterbringen zu können.
Aber mein Kopf ist viel besser als eine Kamera und so belichte ich die Geschichte einfach in gleicher Qualität doppelt, lege gute Musik unter, und schiebe ganz langsam den Jungen aus der Nihon Budokan Arena in den Asakusatempel hinüber, wo er neben dem Räucherbecken und dem heiligen Brunnen für immer im Kreis tanz wie unsere Erde.
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Markus Stegmann - 3. Februar 2010 23:06 Uhr
Fleischiges anders
Als ich kein Herz mehr von dir wusste, keinen Boten mehr erkannte, aus Stirnen lampenlose Schädel wurden, als dies alles war, drückst du mir Tabletten ins Blut. Unsere Gaumen, Gewehre mit Gurten über den Schultern. Es war was Fleischiges am Schluss. Fleischig, es war Fleisch, das wir voneinander hatten.
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Markus Hallinger - 3. Februar 2010 16:32 Uhr
RUF 12
Heft Gift Duft Luft Fest Rest Falz Filz Harz Herz Geiz Reiz
Satz Witz Arzt Wert Wort Takt Satz Witz Arzt Wert Wort Takt
Stadt Start Taste Worte Karte Kreuz Walze Sturz Stolz Zitat
Katze Litze Witze Zitat Stolz Sturz Walze Kreuz Katze Witze
Wörter Leiter Ersatz Wahrheit Freiheit Eitelkeit Heiterkeit
Steuer Zusatz Gesetz Flugzeug Flugziel Zielfahrt Fertigkeit
stellt fest, steht still, ist stolz, zahlt heute, geht gut,
hielt jetzt, zögert kurz, war teuer, sagte etwas, traf oft,
fast fertig, stark gereizt, zuerst gezeigt, etwas gezögert,
dazu gesagt, stets zuletzt, sofort zerlegt, alles geregelt,
sieht gut aus, sagt fest zu, steht kurz auf, holt weit aus,
teilt das auf, war oft dort, sitzt sehr gut, geht weit auf,
zeigt es zuletzt, geht jetzt weiter, wird sofort aufgelöst,
ist sehr gereizt, forderte dazu auf, regelt es kurzfristig,
hat oft gezögert, ist dort zu teuer, hat dazu aufgefordert,
regelte es heute, sitzt jetzt still, hatte alles skizziert,
Der Steuersatz wird erhöht. Die Wetterkarte zeigt das Tief.
Das Holz ist dort zu teuer. Sie zeigt ihr stolz die Skizze.
Die Sorte ist sehr gefragt. Der Aufsatz war leider zu kurz.
Die teure Rotwurst ist salzig. Theo reagierte sehr gereizt.
Der Arzt hatte alles geregelt. Erst jetzt sagte Gertrud zu.
Zuerst zerlegte er die Leiter. Das Werkzeug wurde zerstört.
Da der Tarif heute erhöht wurde, reagierte er sehr gereizt.
Erst als sie die Zusage erhielt, setzte sie die Reise fort.
Weil Trude stets zuletzt zahlte, war Dorothea etwas erregt.
Das Ersatzteil wurde der Werkstatt erst heute ausgeliefert.
Der Start des Flugzeuges aus Stuttgart erfolgt kurzfristig.
Der Zeuge hat die Zufahrt zur Zweigstelle sofort skizziert.
Auf der Feier löste der Witz sofort weitere Heiterkeit aus.
Der Leiter des Theaters hat die Kritiker dazu aufgefordert.
Trotz der Hitze wird die Wettfahrt kurzfristig fortgesetzt.
Fundstück, ausgespuckt
Kommentar (3.2.10 16:35) lesen
Markus Stegmann - 2. Februar 2010 0:06 Uhr
Friere
Hielt ich eine seitliche Gegenwart als Verlust, als Grasraum beliebiger Lunge, bevor du Maschinenschrift einer anderen Leere den Weg hälst: "Aber betretene Libellen nehmen der Luft den Raum sonder Beleben, bleibe oder friere mit mir."
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Markus Hallinger - 1. Februar 2010 16:15 Uhr
Dorfstimme
Wo die gepanzerte Stimme
jeden Hund auf Stallgeruch trimmt
das Bellen schrill überschlägt
wie Radio eingestellt am Ohr
der Kirchenchor Herrgottsakrament
schräg im Gestühl
knistern Kirschen
pumpt der Gartenschlauch
ziehn Vorhänge auf
wenn ein Wagen vorüberfährt
flüstert - die Stille.
was erstmal übrigblieb
Kommentar (2.2.10 17:31) lesen
Florian Voß - 31. Januar 2010 23:53 Uhr
Text Text Text
Krr, Krr, Krr, mors die Neuigkeiten
fatales Fatum zeig ich euch geschichts
vergrindeten Weltwesen - Bürger hört:
(Phantomfliegerschmerzen am Morgen
brummt der Schadeschädel abendrot)
Und mir traumbombte gestern Nacht
sich der Weg in den Tiefgaragenschutt frei
- Bitte suchen sie den Schmutzraum auf -
Viel Betonverschalung im Genick hab ich
und es nickt mit schwarzem Eisenbauch
die Bombenfratz überm Erdgetümmel
(Ich sah das durch den Bunkerschlitz)
Alle Einkaufstaschen platschen, platzen
Wenn die Bettelleute in den Shelter eilen
Zukunftsgesichte ziehen durch die Augenwand
Der Heliumwind der Sonne brach sich
am Nachmittag - Äther, Äther, Sphärenschichten
und jetzt Mucke (da rasselt Gott die Schellen
und die Trompetten schallen sphärenrein)
Es leuchtete der Norden - O, gute Gammastrahlung
Mücken, Fliegen, Kleingetier - Summsumm
ihr Meister pult sich Dreck vom Ziegenstiefel
Meine Augen sahen scharf das ultrahelle Violett
des Himmelsknasters, eingeknastet in dem All
Und es wollt Abend werden an der Skalitzer
Um acht Uhr ging ich ins Prinzenbad:
atomarer Prinz in Schwimmkerl-Badehosen
Durch die Apokalypse glitt ich körperbetont
die X-Ray-Spex auf dem Nasenrücken
Am Tor der Nichtschwimmer-Hölle flatterte
ein Spruchband in Fraktur: Hier Eintopf, Kinder
Am Kiosk nebenan: Wienerwurst mit Brot und Senf
Schütt Bier in den Schutt, Marke "Heldenplatz"
Und die Vergangenheits-Markierungen
die wurmstichigen Gründerzeitbauten
links und rechts der Prinzenallee-Station
(Automaten, Urbahn-Karten, Hochbannfahrten)
flammten auf im Napalm-Feuer (Freundgefeuer)
Das sah ich, ganz betört vom Chlor
und die Funkenmädchen schrieen im Chor
"Laß die Welt, die Wurst doch endlich grillen"
Aber an den Obstständen vorm Kottis (schau an, schau an)
noch lebendige Tote mit jodgefüllten Lebern
Stehen Leichen labbrig ledern im leichten Wind
Im Wiegeschritt taumeln wir den Apokalypso mit
Den ganzen Tag Prophezeiungen
quergelesen in den Porno-Magazinen
dann Radio: aktiv passierte nichts
Kunde vom Weltkrieg: Fehlanzeige
Auch nichts von den Himmelszeichen
(gleich las ich´s nach bei Georg Heym
dem Kundschafter mit spitzer Nase)
alles passiv in dem dröhngewaltigen Weltgedröge
Heut Nacht platzt ganz bestimmt die Sonne
und acht Minuten später verpatzt sie meinen Traum
Bumm, sag ich: vollständig erleuchtet
Das ich nicht lache, leichenhaft: Bombenbumm
Das ich nicht leuchte, lachhaft: stumm - O, Radium
Aus einem aufgegebenen Werk
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Markus Hallinger - 30. Januar 2010 13:53 Uhr
Dorfstimmen
Die gepanzerten Stimmen, Stallgeruch, wenn man einen Hund trimmt,
auf Marsch, der bei drei das Radio aufdreht, sofort die Stimme schrill
überschlägt sich der Bulldog, gestern, schräg am Hang läuft es warm abwärts
Blut Boden Kirche sofort kommst du rein entwaffnest die Früchte vom Baum
auf allen Vieren gelandet gestreckt die Stimme gehört
im Kirchenchor singt
wer auf den Daumen schlägt, schreit, schreit, Herrgottsakrament - Anderes
zieht flüsternd die Vorhänge auf, wenn ein Wagen vorüberfährt, von dem man nichts weiß,
vielleicht brennen noch Fackeln am Kirschbaum knirscht Kies zwischen Fruchtzwerg gestreut
Schotter Moos, wächst Gras, überall
ein Gartenschlauch der Wasser pumpt
aus einer Quelle
Stille
Schlange
nur zu
gesprochen.
noch warm, ganz roh
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Markus Hallinger - 30. Januar 2010 8:54 Uhr
Schnee schaufeln
gesalzne schaufeln voll schnee
schneeschaufeln, schnee
berge von schnee
haufen schnee
zuckrige berge
sulziger schnee
in Bayern, Tirol
gsalzne berge
leck mich
heut morgen schon
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Sophia Doms - 29. Januar 2010 16:43 Uhr
Wahre Geschichte
Mutter und Tochter sterben um die Wette, jahrelang, bei Sommerhitze und fallendem Schnee, in Deutschland und Griechenland, in der Wirklichkeit und im Mythos, im Rollstuhl und unter dem Linearbeschleuniger. Die Mutter ist älter, spricht und unterrichtet fließend englisch, cancerös und fiebrig zerfallen ihre Brüste. Die Tochter, kleinbrüstig noch, hat ihr die Jugend voraus, das schnelle Wachstum der Krebszellen im ständig sich vergrößernden Schädel. So gewinnt sie 12jährig erst, den erbitterten Wettstreit. Um Haaresbreite nur, denn über ein Kleines legt auch die Mutter den Aquarellpinsel aus der Hand, über ein Kleines erlischt, mit ihrem Ableben, ihr Anspruch auf Wiedereinstellung im Schuldienst. Ihrem Mann, dem gewesenen Vater, bleibt, abgezählt Goldtaler für Goldtaler, die Hinterbliebenenpension, die sucht er zusammen und baut davon im Garten den schnaufenden Igeln ein Haus.
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Crauss. - 28. Januar 2010 16:58 Uhr
lesende arbeiterschaft
gestern während der nachtschicht abhanden gekommen:
WAS
die zeitschrift für universalpoetische langustengedanken
gerade das richtige, sich während der pause über
WAS
ser zu halten. dass sich dafür aber eher einfache kollegen interessieren
die auf ihrer brust auf ihrem shirt ansonsten aufschriften durch die halle tragen
WIE
WAT
wer bist du denn? hätte ich nicht gedacht
soll, glaube ich, ein MarioBarth-spruch sein
oder siegerländisch
WER
weiss das schon so genau. vielleicht
lags aber auch an meiner pausentasche
auf der ein seniorentelephon abgebildet war:
leitstelle
ÄLTER WERDEN IN AACHEN
verschwunden, verarbeitet
zerstückelt, verloren, gerettet
sowie ein feuilleton über einen verlorenen s/w-film
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Markus Hallinger - 26. Januar 2010 23:27 Uhr
Frühe Photos
Die Bilder der frühen Jahre. Die ganze bucklige Verwandtschaft abgebildet und festgehalten auf Schwarzweißaufnahmen. Mitten im Sommer meist, im Garten, Familienanlässe. Das Blatt noch mal gewendet, der Stolz davongekommen zu sein.
Man fühlt sich beengt, festgenagelt, auf diesen Bildern, ist alles zusammengeschoben, die Tanten vorne, die Männer, größer, im Hintergrund.
An den Händen klebt Kuchen. Die meisten Ärmel sind nach oben gekrempelt. Überhaupt wirkt vieles klebrig und demonstrativ.
Who`s who, jedem seine Anekdote, seine Insignien. Max, der Kanarienvögel züchtete, Otto fuhr Rad und Sepp rauchte dicke Zigarren. Nur Friedel fehlt schon, war schlecht isoliert als er im Keller mit der Bohrmaschine verunglückte.
Irgendwie ungesund die Onkel und Tanten.
Von einem Fuß auf den anderen trat man, bis man losrennen durfte.
Immer hieß es: "Der soll kein Flieger werden..." aber aus Sperrholz durfte er was basteln.
Kommentar (29.1.10 11:59) lesen
Markus Hallinger - 24. Januar 2010 23:16 Uhr
Ohne Schuhe
Leb lang, leb froh, das A & O,
zur gänze, liedhaft
dreht sich der flug, letztmal,
leb lang, leb froh, die daten verfliegen.
ortsnamen, zwischengefingert, seifengeruch,
sattsam bekannt, drauf und dran jener ist, -
peinlicher name & ort. stoppelfelder,
ehrengäste, die heizung auf 5, unersättlich,
gespinster im haar, kopfhautmassage,
die kinder am schoß, sinnlich, ging gar nicht,
wäre nie mit dem Regenschirm gegangen,
beste gegend, durchs nadelör, letztmal
die blätter gewendet.
Unaussprechliches
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Florian Voß - 24. Januar 2010 10:48 Uhr
Schweiß + Patschuli
Wo Tritt-Welt-Läden, Bruder, sag
Jutige Alptraumpuppe kriecht dir
Stark die ältliche Patschuli-Tunte
brustbetont riechender Klapp-Kadaver
unter Maiglöckchen und Flieder
Wind im Beutel sing: wo sind sie geblieben?
Eckensitzend hinterm Banglatisch
und die schwarzen Lider klappten
Augenstern getrübt - hast du´s schon gehört?
Räucher-Kegel für den Mörder-Herrn
und für die Tula-Silber-Dame Uranduftlampen
Trauma mir Schwarzafrika, du dunkler Ficker
Zack Zack sagt Onkel Tomtom
Bambusrohr und Pfauenfedern
im Kühlturm des Atomkraftwerks
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Ernesto Castillo - 19. Januar 2010 19:56 Uhr
(an) wehen
s nordic. gespinnste (von) hinter. rücks fleisch.
los. so flatternde dinger. diese. von wegen. ab.
gekommene feen. (an) wehen. am weh. s aus.
bleiben des schmerzes. über. all. s erträgliche.
trügen. die weile. am weiher. am licht. s nichts.
s ärmlein. will greifen. s beinlein. will gehen im.
schwarz. keine wurzel. s milchweiss. dennoch.
blüht hier die blume. s wehen. geister. gesicht.
ptolomaeische felder
Kommentar (20.1.10 12:49) lesen
Florian Voß - 19. Januar 2010 13:27 Uhr
Album
Das Gras ist noch die Erde
das stirbt seinen (Schwarz)
Wirst immer als Leiche
aus den Augen winkeln
Dich hab ich gerochen
am Abend - du verrottetes Eiweiß
Fasern der Vorhänge
Flohmarkt und Heilsarmee
In den Schränken das Gras grün
Mut. Mut. Mutter, der Geruch
Schwere Mäntel
Kissen und Puppen
Alben und Albtraum (ach geh)
klebst du nicht dir
Aussehen
würdest
Zeit
Sterben
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Jörg Meyer - 19. Januar 2010 7:34 Uhr
Mo, 18.1.10 (Di, 19.1.10, 6:30): Leinwand 2
Natürlich bin ich betrunken, man riecht's aus meinem Maulaffen Feilhalten der Rührung. Doch es ist nicht die Überdosis Wein, die mich weinen macht. Wir schauen "Mach's noch einmal, Sam", Woody Allens Hommage an "Casablanca" und andere Abschiede, die aufbrüchig sind.
Meine Tränen schon in der Eingangssequenz ob der Gefühlsgewalt, die Leinwand entfachen kann, muss ich ihr nicht verhehlen, ihr, die sich mir an- und armnimmt. Später, als ich an dem Film, der Hommage der Hommage, bastele, es Sam noch einmal nachmache, wenn ich im Hinterhof iPhone-Filme mache, verschneit, verliebt, verzückt, verzottelt, ist sie eifersüchtig auf das Projekt. Sie leidet wie ich daran, dass ich zuweilen im Text verschwinde.
Halten wir das aus?
Film
Uns bleibt Paris, das G. des Walds. Wir begegneten uns auf provisorisch projiverzierten Leinwänden, jetzt spannen wir sie auf, auf dass sich darauf nichts projiziert als Wir, Rick und Lilly ...
Während ich daran arbeite, sorgt sie sich um das Ratpack, das wir morgen einswingen werden. Martin und Sinatra, Dean und Frank. Wenn sie geht, tanzt sie, elfisch ihren Schritt auf der zehengängerischen Fußnote, ohne die jeder Text von mir einsam, verwaisenhöflicht wäre.
Eben noch küsse ich sie wach und in den Schlaf. Sie weiß um solchen Verzicht. Sie weiß, was ich texte und tanze. Soll ich darob ruhig werden, an diesem Tag, unverwirrt? Der neue, der neunzehnte ist schon da. Und jetzt, zwei Wände, zwei Zeilen, zwei Sekunden Film weiter schlafe ich mit ihr ein.
Unsere Kinder schnüffeln am Text. Und an dem "Beginn einer wunderbaren Freundschaft" ("Casablanca") aus Schneelicht und Verzicht.
di.gi.arium2010 - www.schwungkunst.twoday.net
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Klara Beten - 15. Januar 2010 12:44 Uhr
später
saßen auf den dachkanten vögel
ihr bleiberecht schwindet
die leute sehen sie
wie komplizierte tiere an
als verlören sie ihren verstand
wenn wir könnten
gäbe es krieg zwischen den ziegeln
rot, sagen sie, rot
jedes fenster probt an diesem ort
den ernstfall, bewaffnet
& verrückt genug, die schüsse
gegen sich zu setzen
aus bloßer langeweile
vor den türen liegen taubenfedern
die alten kehren sie zusammen
-
Gedicht von Jakob Lehn,
2009 in "handsome landscapes"
veröffentlicht & schön.
leihbibliothek 1
Kommentar (16.1.10 19:06) lesen
Markus Hallinger - 14. Januar 2010 16:48 Uhr
Wien.
lässliches, unerlässliches,
geste hü, geste hott,
geste versaut,
geste gedankenbreit,
geste mit mamma mit,
geste mit hunderundzwei sachen
geste naschen, sachen naschen,
wirste pfundskerls, entlanggezogen
wirste durch die vorstadt fett,
schön wärs, wenns wagerl funktionierte,
schön wärs, wenn burschi männchen machte,
wenn der Hrdlicka noch am leben wär
und sich öffentlich auspeitschen ließe,
wärs was.
zum thema am rand: immer auf die kleinen dicken
Kommentar (15.1.10 12:48) lesen
Ernesto Castillo - 13. Januar 2010 15:09 Uhr
Das trudelte heute früh mit der ??? Lyrikmail ??? bei mir ein...
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Lyrikmail Nr. 2123 13.01.2010
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Anonym: "ich bin dîn, du bist mîn" "Ich bin dein, du bist mein"
Du bist mîn, ich bin dîn,
des solt du gewîs sîn.
Du bist beslozzen
in mînem herzen,
verlorn ist das sluzzelîn
du muost ouch immêr dar inne sîn.
...
Du bist mein, ich bin dein,
dessen musst du sicher sein.
Du bist beschlossen
in meinem Herzen,
verloren ist das Schlüsselchen;
du musst für immer darinnen sein.
Der Text des Originals folgt der Minnesang-Anthologie von Ingrid Kasten
"Deutsche Lyrik des frühen und hohen Mittelalters" mit Übersetzungen und Kommentaren,
Frankfurt 1995. Das Lied wird dort als Nr. 7 geführt. Wissenschaftliche Notation nach
"Des Minnesangs Frühling": 3,1. Übersetzung: Martin Schuhmann.
-----------------------------
hmh - warum die Übersetzung nicht so (also meine Idee):
Du bist mîn, ich bin dîn,
des solt du gewîs sîn.
Du bist beslozzen
in mînem herzen,
verlorn ist das sluzzelîn
du muost ouch immêr dar inne sîn.
Du bist mein, ich bin dein,
des sollst du gewiss sein.
Du bist beschlossen
in meinem herzen,
verloren ist das schlüsselein
du musst auch immer darinnen sein.
mal was ganz and'res
Kommentar (19.1.10 12:55) lesen
Marcus Roloff - 13. Januar 2010 13:25 Uhr
The Inchcape Rock
by John Ashbery
Prop up the "meaning,"
take the trash out, the dog for a walk,
give the old balls a scratch, apologize for three things
by Friday - oh quiet noumenon
of my soul, this is it, right?
You lost the key and the answer is inside
somewhere, and where are you going to breathe?
The box is shut that knew you
and all your friends,
voices that could have spoken in your behalf ...
Why, what did you want me to do with them?
Half a document is sufficient to this
weather, wild time, excrescence, more.
Rumors sift across a bald apologia.
The feet are here.
Der Inchcape Rock
Pepp den "Sinn" auf,
trag den Müll raus, samt Hund um den Block,
kratz dir den alten Sack, büß drei Sachen ab
von Freitag - mein braves Ding-an-sich, ach
Seelchen, das ist es, was?
Den Schlüssel hast du verloren und irgendwo da drin
gibts Antwort, und woher nimmst du Luft zum Atmen?
Der Kasten ist dicht, der kannte dich
und all deine Jungs,
Stimmen, die in deinem Namen gesprochen haben könnten ...
Wieso? Was sollte ich deiner Meinung nach mit ihnen tun?
Die Hälfte der Akte reicht aus für dies
Wetter, wilde Zeit, Ausfluss, was noch.
Gerüchte durchziehen die unverblümte Gegendarstellung.
Die Füße sind hier.
aus: A Worldly Country (2007); eigene Übersetzung.
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Florian Voß - 13. Januar 2010 0:34 Uhr
Scheunenviertel Viertelpfund Drama
Wenn die bunten Lebern wehen
Viertelpfünder fleischlappenzerzwängt
O, Leib du Schellackschwarz und eigen
faulen dir die faulen Beine weg vor Rauch
Magen glibbrig - roten Augs langsam
Schließen sie schon, mein guter Kneipenvater
hast noch nicht gesehen den Deckel-Ödiputz
Mutti Marke Persiko - ist umgekehrt die Welt
Tärä und Tusch: doch die Liebe wird vergehen
Warte, warte, nur ein Weilchen, Hackebeilchen
Ödi putzt die Kindernase ins Verderben
Ödnis in der Schellacknacht - Macht doch nix
murmeln ganz derbe Leichen neben dir
munden als Brühwurst die Muttiküchlein
Wer macht den Küchenabwasch - Wacht die Nacht?
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Markus Hallinger - 11. Januar 2010 23:06 Uhr
Pathetisches Räuspern
Man kann Gedichte nicht aus der Luft herbeizitieren,
in der Schlafkammer der Luft ist es windstill,
hinter Vorhängen bewegen sich Schatten,
dass sie mir zunicken zu jener Stunde, macht sie nicht echter,
lieber höre ich die Fensterläden anschlagen,
wirklich dringt nur ihr Geräusch herüber.
Kommentar (13.1.10 14:07) lesen
Ernesto Castillo - 11. Januar 2010 14:25 Uhr
früh
mit hundert fingern tastet die nacht
ihr freundlichstes dunkel zieht dir
den anzug an wie einstmals
sie streicht dir durchs haar
sie hält deine hand
Kommentar (13.1.10 17:52) lesen
Florian Voß - 9. Januar 2010 1:31 Uhr
Puzzle
Zehntausend-Teile-Landschaft:
die Alpen, Österreich
Baum, Baum, mit einem
Lochhimmel - Wolke, wolkig
Hilf mir du Tiroler Bub
Neben Berghütten winzig Adolf
Hi Hi: winke, winke
Kamin und Fell: die Yeti Braun
Alle Bomber fliegen hoch
Wenn mein Leben: Puzzle wäre
O, zehntausend Teile
O, Seelenkrümpel, Klumpefuß
Ravensburger, du mein Heiligtum
in dem die Deutschen Sagen
zusammengeleimt und schadhaft
Heide, Heide, Blümlein auf der Heide
b l ü h
26.10.12
Kommentar (11.1.10 23:54) lesen
Ernesto Castillo - 7. Januar 2010 21:08 Uhr
alter adel
ganz früh am futter des hotelbuffet
das ist erziehung die man hat ob's
grad ground zero ist die krise juckt
man kratzt sich nicht und steht früh
auf geht firstclass gassi bestrasiert
und second dann gebell zum mob
als gruss kaschiert der upperclass
ok zur jungen tresenkraft die ja wo
schafft schön pietistisch kaviar zur
ersten baisse des tages reicht was
nicht betrifft man steht darob ganz
alter rassehund und stock und wie
die andern wedeln lang hat man's
schon lange hinter sich und lässt's
schön lange hängen hundestamm
und auch am tisch die börse crash
was das gesindel übrig lässt bleibt
cash das gern so wäre wie man ist
und liest die horoskope an der bar
die queren summen für die babes
was übrig bleibt stets auf die hand
melancholie und barclay card nur
nobel wird die meute nie und wer
den hund grüsst grüsst den stand
am schwanz und meint den herrn
auch im hotel hier kennt man sich
von fern vielleicht auch nicht man
wartet halt gelegentlich auf nichts
und auf die geistportiers die dann
und wann zur hirschjagd blasen
mal was andres
Kommentar (7.1.10 21:34) lesen
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