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Sophia Doms - 23. Juli 2010 17:27 Uhr

Symposion

für jedes Jahr der Vor-Ewigkeit ist ein Tisch aufgestellt.
Die Fackeln halten, was sie versprechen, und scheinen dabei noch nicht einmal zu leben (kein Wunder, da Nero nicht eingeladen ist).
"Es geht doch nur hinab in den Gewölbekeller meiner Schule..." sage ich mir, als ich die ersten Stufen hinabsteige.
"...oder in das Labyrinth auf dem Budaer Schloßberg", lautet mein Trost nach mehreren Stockwerken.

Aber irgendwann kommt man immer an. Mich erstaunen die vielen Kinder, die ich zwischen den Tischen sehe. Sie servieren, können wahlweise als Genien und Putti, als Psychopompoi oder als Spürhunde eingesetzt werden.
Ich rufe einen kleinen Jungen mit flammenbemalter Baseballkappe heran und frage ihn nach dem Gastgeber.
Nach der Antwort wird mir einiges klar: Er ist es also - und dann auch noch meiner Ankunft zu Ehren. Kein Wunder, dass ich alle, an denen ich mich vorbeidränge, irgendwoher zu kennen glaube. Gespannt frage ich nach den wenigen Menschen, die auch da sein müssten, denen ich aber im Leben nie begegnet bin.

Der Zwillingsbruder des Baseballkappenträgers wird - als Spürhund - herbeizitiert, mit dem Auftrag, die älteste Tochter des Gastgebers zu suchen (das scheint am einfachsten, Freud und Fontane seien, so heißt es, noch schwerer zu finden). Er rennt sofort los und ich hoffe, dass er nicht nach seiner kleinen Schwester fahndet, die schließlich auch irgendwo da unten (oben?) sein muss - inzwischen.

Er tut aber fleißig seine Arbeit, lotst mich zwischen den enggestellten Tischen hindurch zum ersten rotwangigen Rentnerpaar, das ich genauer in Augenschein nehme. Und nun geht sie los, die Schnitzeljagd. Die beiden, leicht angetrunken, bekennen fröhlich, jemanden zu kennen, der seine älteste Tochter kennt, und weisen mich in irgendeine Richtung.

Ein anderer Putto wird (dieses Mal als orthodoxer Psychopompos) herbeigerufen, weil ich alleine nicht zu Rande komme. Er rennt mir fast davon und daran merke ich, dass ich ihn selbst in die Welt (Endstation Unterwelt?) gesetzt haben muss. Wir gelangen an der gewiesenen Stelle zu einem weiteren Ehepaar, etwas jünger, tabakumwölkt. Auch sie erweisen sich nur als Bekannte der Bekannten.

Und so geht es weiter.

Zeit, auch nach dem Gastgeber selbst zu suchen, habe ich dabei nicht. Außerdem erfahre ich irgendwann, dass er das Symposion längst schon (via Giftbecher - Schierling Spätlese?) verlassen hat - vermutlich gerade im Augenblick meiner Ankunft. Nur sein Dackel ist noch da und schnüffelt mit umgehängter Trophäe (oder ist es ein Jagdgewehr?) unter den Tischen.

Ob irgendwo, dort links hinten etwa, ein letztes Abendmahl gefeiert wird?

Es riecht nach Weihrauch.

Nicht ablenken lassen. Irgendwo an einem der Tische sitzt sie ganz sicher, die älteste Tochter.

Irgendwo zwischen Himmel, Traum und Vorhölle

 

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