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Jörg Meyer - 19. Juni 2010 5:23 Uhr
schrille stille
"ist irgend eins, das einer seele g'nüget? ist ein halm, ist eine gereifteste reb' auf erden, die ihn nähre?" (friedrich hölderlin / scardanelli)
schon an der mutterbrust war diese stille,
das saugen selbstgefällter existenz.
es war nur eingebor'ner wunsch, nicht wille:
bevor ich was besaß, war's insolvenz.
"ich schrieb, ich schrie", als kind schon buchgestäbe
in einem wort verlierend, zu verzieren
noch jeden schrei, auf dass er rasch verwehe.
in schriller stille standen brav die stiere.
wie sie vor roten tüchern blieb ich liegen,
stellte stürm'sche wecker stillend weiter.
im turm steh' ich, wo seine wänd' zerstieben.
dem grab die schrille stille vorzuschreiben,
hab' ich mich aufgemacht zum fortschrittschreiter.
ich bin das schaf, die hirten zu beweiden.
ögyr trötet's
Interessanterweise habe ich hier als Betreffzeile "ögyr tröstet's" gelesen und fand das sehr passend, wenn schon kein Halm und keine Rebe wirklich da sind, die Seele zu nähren und alles aufs Grab zu geht, dann doch wenigstens diese Zeilen als Selbsttrost, wie ihn sich Scardanelli gab. Dem Text stimme ich zu bis auf das Wort "Insolvenz", über "stillend" bin ich in seiner Doppeldeutigkeit erst gestolpert, hab's dann aber begriffen und mich damit versöhnt.
Sophia Doms (Forummitglied) - 26. Juni 2010 14:18 Uhr
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