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Markus Hallinger - 9. Juli 2010 18:02 Uhr
Der Einsager
Der Einsager hat einen beweglichen Mund, dessen Lippen er zu einer Trichterspitze formt und damit von ganz nah in das Ohr einer Lusche hineintrompetet. Eben andersherum das Instrument, nicht laut - leise, die Töne, Sätze, Botschaften nicht weit ausgiesend, sondern konzentriert einfüllend. - Es soll niemand bemerken, dass eingesagt wird. Wie im Theater tritt der Einsager nicht hervor, und erst in der Wirtschaft, nach 3, 4 Bier, wenn niemand weiter weiß, übernimmt er das Wort, der heimliche Bürgermeister.
Gefährlich träufelt er Gift in das Maul des Großmauls, das der Bürgermeister ist, bis der spuckt, die Zähne fletscht, den Rachen aufreißt und tierisch brüllt: Hier komme ich! Dabei mit den Füßen aufstampft, dass der Tisch zittert und die Gläser zerschlagen.
Das hat der Einsager nicht gewollt, einhöckrig wie er ist, buckelt er nieder und versucht die Scherben einzusammeln. Damit er sich nicht schneidet, benutzt er Schaufel und Besen und bringt die Überreste nach draußen. Weil das durstig macht, kehrt er in die Gastube zurück. Er setzt sich an den Nachbartisch neben den Nachreder und beginnt sofort dessen Speichel aufzulecken und feuchte Sätze aufzusammeln.
Weil der Tag gelaufen ist, behält er diese bis zum nächsten Tag für sich.
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