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Lars-Arvid Brischke - 24. Juli 2010 21:24 Uhr
WOCHE FÜR WOCHE DAS GLEICHE SPIEL
ohne ein ziel vor sich herzuschieben
durchqueren mich die glorreichen sieben
waggons:
im ersten ziert sich ein kandidat
im zweiten regiert sich ein demokrat
im dritten duzt sich ein diplomat
im vierten reduziert sich ein potentat
im fünften buchstabiert sich ein technokrat
im sechsten negiert sich ein automat
& im siebten:
nichts
als die lok.
erschöpfungsgeschichte
Hallo Lars, hallo Forum!
Ich bin aus meinem Sommerschlaf erwacht. Diesen Text kannte ich ja schon in seiner Ursprungsversion aus dem Labor - ich finde ihn auf jeden Fall schon besser - und ich versuche mich dem gerne etwas genauer zu widmen.
"WOCHE FÜR WOCHE DAS GLEICHE SPIEL
ohne ein ziel vor sich herzuschieben
durchqueren mich die glorreichen sieben
waggons:"
- Vorher haben die Waggongs noch nicht das "ich" durchquert oder? Das gibt dem ganzen natürlich eine vollkommen andere Richtung -
"die glorreichen sieben" - Dieser Western-Pop-Bezug stört mich noch etwas.
-Sonst finde ich den Anfang von den kleinen Alliterationen und de Grundgestus her ganz gut.
"im ersten ziert sich ein kandidat
im zweiten regiert sich ein demokrat
im dritten duzt sich ein diplomat
im vierten reduziert sich ein potentat"
-Ist das letzte sowas wie Viagra :) ???
Man fragt sich natürlich hier immer noch: Wieso machen die das :) ? Am ehesten leuchtet es mir komischer Weise noch beim Diplomaten ein, weil das "duzen" so etwas joviales, händeschüttelndes, vertrauen-erweckendes hat.
Wieso sich der Demokrat selbst regiert und der Kandidat sich ziert - und das Wort, das ich nicht kenne sich reduziert - dazu fehlen mir noch die genauen Assoziationen. Ich habe zu viele davon beim Lesen. Es würde mir vielleicht helfen wenn es etwas Plastisches gäbe. Das sich der Kandidat vor dem Handspiegel ziert, das sich der Demokrat vor der Hutablage regiert, etc.... damit auch der Zug nicht so ganz verloren geht. Aber das sind nur so ein paar IDeen, die ich nicht begründen kann :)
"im fünften buchstabiert sich ein technokrat
im sechsten negiert sich ein automat
& im siebten:
nichts
als die lok."
Das Ende - ja, fein - Schade aber, das du gar keinen Bezug mehr darauf nimmst, das dies ja anscheinend alles in einem "ich" vor sich geht.
Der sich negierende Automat erfreut mich hier wieder mehr als der sich buchstabierende "Technokrat" - das Wort "Technokrat" fällt für mich auch ein bisschen heraus... Aber wahrscheinlich nur, weil ich es selten benutze.
Es ist sicherlich 10 Jahre her, das ich es das letzte Mal ausgesprochen habe ;)
Wieso nicht am Ende ohne Enjambement:
"nichts als die lok"
So wirkt es wahnsinnig bedeutsam :) !
Habe ich aber gerne wieder gelesen und ich finde es auch viel klarer und dichter als die Fassung davor.
Schön!
Viel Spaß!
Isabella
Isabella Vogel (Forummitglied) - 29. Juli 2010 10:22 Uhr
Salü Isabella und herzlich willkommen im Forum und danke für den beherzten Kommentar, der mir jedenfalls sagt, dass der Zug auf dem richtigen Gleis ist und dass er abgefahren genug ist (ob er überhaupt fährt / fahren kann, das ist eh die große Frage) und sollte er unterwegs verloren gehen, dann hats nicht anders sollen sein. Die beiden Vorschläge mit Handspiegel und Hutablage sind trotzdem so schmucke, dass unbedingt ein Remix fabriziert werden sollte und zwar von dir selbst (Vogel-Remix), gleich hier, also: Gib dem Gedicht (Best-)-Western-Interieur, dann fühlen sich auch die glorreichen sieben gleich nicht mehr einsam, gib dem Text seine / deine bewusstseinserweiternde Droge! Und wenn du dich genierst, dann mach ich es selbst. Potentat ist der erste Mann im Staat, also: eine Art Viagra fürs ihm hörige Volk.
Lars-Arvid Brischke (Forummitglied) - 30. Juli 2010 1:31 Uhr
Text und Kommentar bilden eine schöne Einheit.
Um Himmels willen.
LuV (Kommentator) - 12. August 2010 16:36 Uhr
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