Der Mann mit dem Gesicht in den Haaren

Wenn Martin Schulz ein Hund wäre, würden wir ihn gerne Willy Brandt nennen

Wenn Martin Schulz ein Geruch wäre, trügen wir ihn, wenn wir in der Gasse hinter dem Fischrestaurant nach lange vermissten Verwandten suchen würden

Wenn Martin Schulz eine Todesart wäre, wählten wir Alice Weidel und lachten sie aus

Wenn Martin Schulz ein amerikanischer Präsident wäre, würden wir alle zehn Kilo weniger wiegen und die Welt wäre um einiges leichter

Wenn Martin Schulz Sigmar Gabriel wäre, wären wir selber schuld.

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Jeden Morgen stellt dich der Schneepflug mit seinen Scheinwerfern zur Rede

Deine Lippen aber hat noch niemand geöffnet

Noch weißt du das Ende
der gestrigen Tagesgeschichte
Der Abend hat das Licht deiner schmetterlingsbunten Berge
in seinem Nebel begraben
Und dann hast du im Wirtshaus
wieder die Zeitungen und Mären buchstabiert
bis auf den letzten Satz

Jetzt ist der Schnee frisch aufgebettet
Und wenn Du ihn unter Deinen Schuhen niedertrittst
wird er bis zum Rückweg nicht mehr von dir gezeichnet sein

Drei Mal verändert sich das Land auf deinem Weg
als wäre er drei Tage lang

Deine Lippen hat aber noch niemand geöffnet

Hinter dem Vorhang stehen
soeben erwacht
die Holzfiguren beisammen und tuscheln über dich
als wärest du der einzige
den in der vergangenen Nacht der Schlaf übermannt hat

Wie leicht könnten sie zu Asche werden
wenn sie deinem brennenden Herzen zu nahe kommen

Deine Lippen hat noch niemand geöffnet

mecklenburg (gesang für ein polnisches fischgericht)

vater spricht von häuserbauen
auf der weide die stute galoppiert
über die straßen zieht salzluft
in bernsteinfarbenen fenstern spiegeln rosenblätter
schneefalter einen krieg zwei kriege
bist du fort gezogen und gestorben
dein gummibaum erinnert noch
deine schwestern sind alle tot deine brüder
nur einer hat überlebt

ruhe kehrt ein in die prallen ähren
des vaterlandes verräter ziehen weiter
nach osten süden im norden liegt ein meer

und wellen heben an zu einem gebet
für moränen geschiebemergel findlinge toteis
zittert deine hand zittert dein haar
im wind spielen zwei möwen
alles ist grau
und du spielst mundharmonie

die tage lehnen sich an ein scheunentor
das stroh ist geerntet auf elektrischen schlachtfeldern
eines junkers lippe befiehlt uns zu bleiben
bad doberan
das umland erwacht
an einem kühlen morgen stand jan in der tür
und wollte bleiben
auf ein leben und einen tod
klirrten die gläser

meine woche

am sonntag verwandle ich mich
in einen baum lasse ich
den frühling herein gebe der katze
zu fressen
oder nicht

am donnerstag muss ich mich erinnern
an die kindheit alte fotos fallen
mir in die hände
ein einkaufszettel
den mutter schrieb

am mittwoch werfe ich
meine blätter ab

am freitag kaufe ich ein
lauter dinge auf mutters einkaufszettel
einige gibt es schon lange nicht mehr
in den auslagen und regalen
gehen spinnen um

am montag suche ich die katze

am dienstag gebe ich es auf

am samstag gehe ich
in mich versuche ich
ordnung zu bringen
in die gedanken mein leben
beknie den gott der zweifelnden und verlorenen

dass er gnädig ist
und mir einen achten wochentag schenkt
für dich mit dir

Frauenabend

Er vermutet schon lange, dass zum ideellen Vermögen der weiblichen Weltbevölkerung (ihren materielle Besitz kann man vernachlässigen) der Abend gehört. Frauen ziehen sich grundsätzlich in den Abend zurück. Der Abend hat lange weiße Arme, was gut zu den Frauen passt.
Weißarmige Abende sind für ihn immer Marienabende, eine lange Litanei, eine Gebetskette, die sich treppauf und treppab zieht. Eine Regel, die noch von früher her gilt: Er darf länger aufbleiben, wenn er dieser Kette folgt, im Mai vor allem oder im Oktober. In den Taschen mancher Betenden sind Lavendelsäckchen verborgen. Und im Taschentuch manchmal eine Spur Kölnisch Wasser, bei dessen Geruch er sich heute fühlt wie ein Forscher, der gerade ein letztes Exemplar eines ausgestorbenen, seltenen Vogel aufgescheucht hat.
Irgendwo, im Halbdunkeln, sind die Frauen zur Abendzeit wohl zu finden. Dann flattern ihre hochhackigen Schritte wie früher die Nachtfalter, die in den weißgesichtigen Vorgängern der Natriumdampflampen gefangen waren. Und er geht gebeugten Schrittes hinter ihnen her, weil er sie um den Besitz des Abends beneidet.

Jagd

Für dich jäte ich das seltene
Brot aus den Furchen der Riesin
Mit schwingenden Brüsten
Jagt sie mich aber sieh doch
Ihr Scheitel spaltet den Himmel
Vögel Flieger Engel stürzen
Auf sie ein gespickt mit
Flügelspitzen bricht sie in die
Knie ich eile heim das seltene
Brot mit dir zu teilen unsere
Liebste lüsterne Leckerei